Frei auf sechs Beinen

Hexy ist ein sechsbeiniger Roboter des US-Unternehmens ArcBotics, der bedeutend günstiger ist als vergleichbare Artgenossen.

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Von
  • Ben Schwan

Hexy ist ein sechsbeiniger Roboter des US-Unternehmens ArcBotics, der bedeutend günstiger ist als vergleichbare Artgenossen.

Bisher waren sogenannte Hexapod-Roboter selbst für ambitionierte Robotik-Amateure noch zu teuer, weil ihre von Spinnen abgeschaute Bewegungstechnik viel komplexer ist als die von Automaten mit simplen Rädern. Dafür können sich die Sechsbeiner auf fast jedem Terrain fortbewegen – ideal für Experimente auch in freier Natur.

Das US-Unternehmen ArcBotics hat nun einen eigenen Hexapod entwickelt, der besonders kostengünstig ist. Das Gerät nennt sich Hexy und liegt preislich bei einem Zehntel dessen, was solche Roboter bislang kosteten, erklärt Entwickler Joseph Schlesinger.

ArcBotics-Labor: Erste Modelle per Hand gelötet.

(Bild: ArcBotics)

Sofort einsatzbereit ist Hexy für 400 Dollar zu haben. Als Bausatz, den auch mittelmäßig handwerklich begabte Menschen zusammenschrauben können, werden 220 Dollar fällig. Neben der günstigen Hardware, die zu großen Teilen aus Acryl gefertigt ist, haben die Entwickler zudem die Software offengelegt: So lässt sich das Gerät auch von Einsteigern programmieren. Dazu reicht eine Textdatei mit einfachen Kommandos wie "Rotiere um 40 Grad nach rechts".

Der Spinnen-Roboter lässt sich mit 18 Servomotoren in den Beinen präzise bewegen. Seine Umgebung erfasst Hexy mit Ultraschallsensoren, die beweglich sind und im Kopfteil stecken. Die Rechneranbindung erfolgt drahtlos über Bluetooth, so dass man Hexy einfach mit neuen Programmen versorgen kann. ArcBotics legt eine genaue Anleitung bei, mit der auch Neulinge Code für den Roboter schreiben können sollen. Betrieben wird der Automat mit vier handelsüblichen Mignon-Batterien, das gesamte System wiegt ein knappes Kilo und ist voll ausgefahren 45 Zentimeter breit und 15 Zentimeter hoch. Hexy kann außerdem kleinere Lasten tragen, die ungefähr ein Drittel seines Eigengewichts ausmachen.

Roboterspinne Hexy: Lieferbar in sechs verschiedenen Farben – oder durchsichtig.

(Bild: ArcBotics)

"Die bisherigen Hexapods, die ich kannte, hatten eine veraltete Hardware, ihr Design lag nicht offen und die Software war, um es milde auszudrücken, verwirrend", erläutert Schlesinger. Er habe deshalb ein gutes Jahr daran gearbeitet, seinen eigenen Roboter zu entwickeln. "Das gesamte Design ist quelloffen, von der Elektronik über den Code bis hin zu den für den Laserzuschnitt notwendigen Dateien." Schlesingers großer Traum: "Billige Roboter für alle!" Dabei soll das System aber ausgefeilt genug sein, dass es nötigenfalls auch ernsthafte Forscher für Experimente nutzen können.

Auch bei der Finanzierung zeigte sich der Roboterfan kreativ: ArcBotics ließ sich die Anschubkosten über die Crowd-Sourcing-Plattform "Kickstarter" von interessierten Kunden vorstrecken. Über 850 Personen steckten fast 170.000 US-Dollar in das Vorhaben. Das war mehr als das Zwölffache der eigentlich erforderlichen Summe, die Schlesinger brauchte, um ausreichend Bauteile zu erwerben, die ihm die Serienproduktion ermöglichen sollten. Und auch wenn das Kickstarter-Projekt nicht erfolgreich abgeschlossen worden wäre, hätte die Robotik-Gemeinde etwas von den ArcBotics-Bemühungen gehabt – Schlesinger wollte für diesen Fall einfach die Spezifikationen freigeben, damit andere interessierte Gruppen seine Erkenntnisse nutzen können.

Viel Platz nimmt Hexy nicht weg – und soll sich auch für kleinere Robotiker eignen.

(Bild: ArcBotics)

Nun, da das Geld zusammen ist, geht die Produktion los. Zur Personalisierung steht Acryl in sechs Farben bereit, besonders ausgefallen wirkt eine zusätzliche durchsichtige Version. ArcBotics wird allerdings noch eine ganze Weile brauchen, bis die Geräte lieferbereit sind – aktuell steht September 2012 als Verkaufsstart im Raum, wobei Teilnehmer des Kickstarter-Projekts bevorzugt werden.

Ist der erste Ansturm erst einmal bewältigt, wollen sich Schlesinger und sein Team weiter der Hexy-Software widmen. So könnte man die Programmierung per Textdatei vereinfachen, indem die Oberfläche MiniBloq verwendet wird, bei der man Kommandos einfach nur zusammenklicken kann. Angedacht ist außerdem eine direkte Fernsteuerung von Hexy über ein Smartphone. Geplant sind Versionen für Android- und iOS-Geräte. (bsc)