Freiwillige in Großbritannien lassen sich mit Sars-CoV-2 infizieren

Die weltweit erste Human-Challenge-Studie soll helfen, die Entwicklung von Coronavirus-Impfstoffen zu beschleunigen. Sie birgt allerdings auch Risiken.

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(Bild: RusAKphoto / Shutterstock.com)

Von
  • Charlotte Jee

Im kommenden Januar soll in London die weltweit erste Human Challenge-Studie für Covid-19 starten. Ihr Ziel: Junge, gesunde Erwachsene werden unter Aufsicht mit aufgereinigten Sars-CoV-2-Viren infiziert, um wichtige Fragen zu beantworten, die durch die Untersuchung von Patienten nicht möglich wäre. Gesucht werden zunächst 50 gesunde Freiwillige zwischen 18 und 30 Jahren. Derzeit warten die Forscher noch auf die Genehmigung eines eigens dafür eingesetzten Ethikkomitees und auch der britischen Zulassungsbehörde "Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency" (MHRA).

Die Studie soll zum einen den Infektions- und Krankheitsverlauf genauer als bisher unter die Lupe nehmen. In der ersten Phase wollen die Forscher unter anderem die geringste Viren-Dosis ermitteln, die für eine Infizierung erforderlich ist. Auch die Immunantwort soll genauer untersucht werden. Im Frühjahr würden weitere Freiwillige dann erst einen Impfstoffkandidaten und später das Coronavirus verabreicht bekommen. So lässt sich schneller feststellen, welches Vakzin eine Infektion verhindert, da man nicht darauf warten muss, dass sich die Probanden auf natürlichem Weg infizieren.

Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass Forscher mehrere Impfstoffkandidaten parallel zueinander untersuchen können, um herauszufinden, welcher am effektivsten ist. Damit lässt sich die Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19 beschleunigen. Darüber hinaus helfen Human-Challenge-Studien auch dabei andere Behandlungen als Impfungen untersuchen.

Die freiwilligen Probanden werden für die Dauer der mehrwöchigen Studie auf einer Biosicherheitsstation des Royal Free Hospitals isoliert und nach ihrer Entlassung bis zu einem Jahr überwacht, um eventuelle Nebenwirkungen festzustellen. Sie erhalten zudem eine Bezahlung.

"Die absichtliche Infektion von Freiwilligen mit einem bekannten humanpathogenen Erreger wird niemals leichtfertig unternommen", sagte Peter Openshaw vom Imperial College London, in einer Erklärung. "Solche Studien sind jedoch enorm informativ über Krankheiten, selbst eine, die so gut untersucht ist wie Covid-19. Es ist wirklich wichtig, dass wir so schnell wie möglich wirksame Impfstoffe und andere Behandlungen für Covid-19 erhalten."

Die britische Regierung hat 33,6 Millionen Pfund (37,2 Millionen Euro) für die Studie zugesagt, die in Zusammenarbeit mit dem auf humane Virus-Challenge-Studien spezialisierten Unternehmen hVIVO organisiert wird. Zu den Krankheiten, für die hVivo bereits Human-Challenge-Studien durchgeführt hat, gehören Typhus, durch Noroviren verursachte Magen-Darm-Entzündungen und die Grippe.

Human-Challenge-Studien werden heiß diskutiert und bergen unübersehbare Risiken. Die Freiwilligen könnten schwer krank werden und sogar sterben. Denn anders als bei bisherigen Human-Challenge-Studien gibt es keine wirksame Behandlung für die untersuchte Krankheit, auch wenn derzeit viele umfangreiche Studien dazu laufen.

Wie die "Washington Post" schreibt, sollen die Teilnehmer der britischen Challenge-Studie unter anderem das frisch zugelassene, aber ob seiner Wirksamkeit umstrittene Medikament Remdesivir erhalten.

(vsz)