Früh übt sich

Wenn sogar Katzen das iPad bedienen können, sollte das für Kinder erst recht kein Problem sein. Auch nicht für die (fast) Allerkleinsten – vorausgesetzt, sie haben die passende App.

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Von
  • Diane Sieger
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Eltern von Kleinkindern kennen das Dilemma: Sie möchten die Zwerge gern früh an technische Geräte wie Mobiltelefone und Tablets heranführen oder ganz einfach mal in Ruhe einen Kaffee genießen, während der Nachwuchs sich elektronisch bildet und für eine Weile selbst beschäftigt. Auf den ersten Blick bieten iOS- und Android-Geräte hierfür ideale Voraussetzungen.

Leider halten die auf dem Markt befindlichen Anwendungen oft nicht, was sie versprechen. Viele Spiele für Kinder enthalten In-App-Käufe oder Download-Links zu weiteren Spielen des Herstellers, die kleine Kinderfinger sehr einfach aus Versehen klicken können. Dies führt entweder zu genervten Eltern, sobald die Rechnungen für die Anwendungen eintrudeln, oder zu enttäuschten Kindern, die in ihrem Spielfluss gehemmt werden, falls die Eltern den Käufen eine Passwortabfrage vorschalten. Mit ein paar Hintergrundinformationen lassen sich derartige Frustrationen vermeiden.

Für sehr kleine Kinder ist Moogies ein spannender Zeitvertreib. Schon Unter-Zweijährige finden die Interaktion mit unterschiedlichen Tieren faszinierend. Im Auswahlmenü befindet sich ein Farmhaus mit neun Fenstern, aus denen verschiedene Köpfe herausschauen. Je nach gewähltem Tier öffnet sich ein Interaktionsbildschirm, der es in seiner gewohnten Umgebung zeigt.

Per Fingertipp oder -swipe kann das Kind mit dem Tier interagieren: Mehl aus dem Küchenschrank von Frau Kuh auf den Boden plumpsen lassen, Herrn Kater dazu animieren, das Steak vom Grill zu klauen oder Mister Pferd im Fitnessstudio auf dem Laufband auspowern lassen – in jeder Szene gibt es witzige Aktionen zu entdecken. Besonders beliebt ist der Papagei, der ungeniert jeden Satz wiederholt, den jemand in das Gerät hineinspricht.

Die Tester aus der Zielgruppe waren hellauf begeistert und haben durchaus ernsthafte Diskussionen mit dem Papagei geführt, die oftmals auf „Nein, du bist jetzt still“ endeten – was der Papagei unermüdlich wiederholte. Moogies gibt es für iPad und iPhone zum Preis von 0,89 Euro.

Kleine Lokführer finden Toca Train spannend. Sie übernehmen die Kontrolle über einen Zug, auf dessen Reise von Bahnhof zu Bahnhof sie die Lokomotive aus zwei verschiedenen Perspektiven (von außen und aus dem Führerhaus) betrachten und dessen Geschwindigkeit sie aus drei verschiedenen Stufen wählen können. An den Bahnhöfen gilt es entweder, Passagiere ein- oder aussteigen zu lassen oder Fracht auf- oder abzuladen. Ein kurzweiliger Spaß, mit dem sich der Nachwuchs leicht selbst beschäftigen kann. Ähnlich wei bei einer Spielzeugeisenbahn gibt es keine Regeln; das Kind entscheidet eigenständig, an welchen Bahnhöfen der Zug hält und ob dort etwas passiert oder nicht. Toca Train gibt es für iPhone und iPad zum Preis von 2,69 Euro.

Welches Kind spielt nicht gerne Memory? Die mobile Variante basiert auf der Brettspielversion des Ravensburger Spieleverlags und kostet 1,79 Euro für das iPhone, das iPad und den iPod touch. Wer alle vier Spielvarianten (Klassisch, Kids, Flaggen und Foto-Modus) gebündelt haben möchte, kann die memory HD-Version für das iPad zum Preis von 2,69 Euro kaufen. Einziger Haken bei dieser Version ist das Auswahlmenü zu Beginn des Spiels. Die große Anzahl der Varianten über wählbare Schwierigkeitsstufen bis hin zur Einstellung unterschiedlicher Sprachen macht es notwendig, dass Eltern zunächst eine Auswahl treffen, bevor sie das iPad in die Kinderhände geben. Nach dem Start finden sich aber selbst Dreijährige gut zurecht.

Ebenfalls beliebt ist die Mix & Match-Serie von Hippo Hooray für iOS. Hierbei gilt es, aus drei vertikalen Karten ein Gesicht oder einen Gegenstand zusammenzubauen. Mit einfachen Swipe-Bewegungen lassen sich die Karten zur Seite schieben, bis ein passendes Teil sichtbar wird. Ist ein Bild erfolgreich zusammengesetzt, ertönt ein bestätigendes „Hooray“. Ein Schütteln des iPad läutet die nächste Runde ein. Es gibt drei verschiedene Varianten des Spiels: Animal Mix mit Tiergesichtern, Monster Mix mit freundlichen Monstern und Fruit Mix jeweils zum Preis von 0,89 Euro.

Hippo Hooray hat eine Anzahl weiterer guter Kinderspiele im Angebot, die das Form- und Farbverständnis fördern oder beim Zählen helfen. Da die Sprache dieser Spiele Englisch ist, eignen sie sich jedoch primär für ältere Kinder oder solche, die früh Englisch lernen beziehungsweise zweisprachig aufwachsen. Eine Übersicht aller Hippo-Hooray-Spiele findet man unter hippohooray.com.

Für etwas ältere Kinder eignet sich Kunterbunt, die digitale Umsetzung des Kinderkartenspiels aus dem Hause Amigo. Der Spieler bekommt zwei Karten mit Gegenständen vorgelegt, die sich auf Anhieb sehr ähnlich sehen. Doch nur ein einziger Gegenstand ist absolut identisch mit einem auf der zweiten Karte, andere unterscheiden sich geringfügig in Farbe oder Form. Dieses Objekt muss der Spieler identifizieren und anklicken. Das für iOS-Geräte verfügbare Spiel kostet ebenfalls 0,89 Euro.

Doch nicht nur im Bereich der iOS-Geräte gibt es gelungene Spiele für kleine Kinder, auch im Android-Markt lohnen sich einige Anwendungen. Eltern von Kindern, die an Autos und anderen Fahrzeugen interessiert sind, sollten sich die kostenlose App „Toddler Cars“ anschauen. Anhand verschiedener Piktogramme zeigt sie Fahrzeuge wie Krankenwagen, Feuerwehrauto, Flugzeug und viele andere. Ein Fingerdruck auf das jeweilige Verkehrsmittel spielt eine mit einer thematisch passenden Melodie unterlegte Animation und nennt den englischen Namen. Hier wird das Kleinkind dann auch nebenbei mit einigen fremdsprachigen Worten vertraut gemacht.

„Animals in German“, ebenfalls kostenlos, hilft Kindern, die Namen von Tieren zu lernen und ihnen die richtigen Bildern zuzuordnen. Die App beinhaltet 72 Fotos von Tieren, deren Namen ertönen, wenn das Kind im Übungsmodus mit dem Finger auf das Bild drückt. Im Spielmodus wird der Name eines Tieres genannt und das Kind soll dann das passende Foto aus einer Auswahl von vier Bildern wählen.

„Kids Socks“ – wiederum kostenlos – ist ein einfaches Zuordnungsspiel für Kinder im Alter von drei bis vier Jahren. Auf einer Wäscheleine fahren Kleidungsstücke wie Socken oder Unterhosen vorbei, und das Kind muss zusammengehörende Kleidungsstücke finden und per Drag & Drop auf die Wäscheleine ziehen. Die App schult das Erkennen von Farben und Formen und hat auch einen sogenannten „Baby-Modus“, der die Zuordnung eines Kleidungsstücks zu einem anderen per einfachem Fingerdruck anstelle des Ziehvorgangs erlaubt und für kleinere Kinder besser geeignet sein soll. Zum Preis von 1,20 Euro kommt die kommerzielle Version „Kids Socks Plus“ mit den zusätzlichen Spielmodi Memory und Count (Letztere ist allerdings nicht auf Deutsch verfügbar) sowie einem Expertenmodus mit Zeitlimit. Angemerkt sei hier, dass die einfache Version die beiden anderen Spielmodi ebenfalls anzeigt – der Fingerdruck führt allerdings nur zum Kaufangebot.

Für musikalische Interaktion bietet sich „Kids Piano“ an. Diese App stellt die elektronische Version des Kinderzimmer-Xylofons dar, mit dem sich Lieder wie „Alle meine Entchen“ nachspielen lassen. Spaß hat man mit der App vor allem auf Android-Tablets, der Bildschirm eines handelsüblichen Smartphones dürfte hier ein wenig zu klein sein. Es sei darauf hingewiesen, dass die kostenlose Version der App (Kids Piano Lite) an verschiedenen Stellen mit Werbung zu anderen (sowohl freien als auch kostenpflichtigen) Spielen versehen ist, sodass geneigte Eltern bei Gefallen die 1,92 Euro für die werbefreie Vollversion von Kids Piano investieren sollten.

Wer abends nur schwer ins Bett zu bekommen ist, sollte vor dem Schlafengehen vielleicht eine Runde Gähnerli spielen. Hier geht es darum, eine Reihe unterschiedlicher Tiere in den Schlaf zu schicken. Leider können die Tiere nur einschlafen, wenn sie dreimal gegähnt haben. Das Kind kann ihnen dabei helfen, indem es über ihre Augen wischt. Dank musikalischer Untermalung sollte es jedem kleinen Rebellen gelingen, wie die Tiere in den Schlaf zu sinken. Die App gibt es für iOS-Geräte, und sie kostet 89 Cent. (ka)