Früherkennung von grünem Star im Videospiel – in Japan ist dies Realität

Eine japanische Universität und ein lokaler Fernsehsender haben ein patentiertes Ballerspiel zur Augendiagnose entwickelt. Weitere gamifizierte Methoden kommen.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 11 Beiträge

(Bild: Entwickler)

Von
  • Martin Kölling

Für Japans emeritierten Kaiser Akihito kommt dieses Videospiel zu spät. Beim 88-jährigen Ex-Tenno wurde am Sonntag bei einer Operation am rechten Auge nicht nur die durch einen grauen Star eingetrübt Linse ausgetauscht. Gleichzeitig behandelten die Ärzte auch einen grünen Star, bei dem durch erhöhten Augeninnendruck der Sehnerv geschädigt wird.

Der grüne Star gilt als ein gemeines Übel. Denn anders als beim grauen Star sind Schäden am Sehnerv oft dauerhaft und bauen sich lange unbemerkt auf. Nun gibt es in Japan ein Videospiel, mit dem der grüne Star artgerecht für den Homo digitalis am Smartphone spielerisch im Frühstadium erkannt werden kann.

"Meteor Blaster" heißt das patentierte Smartphone-Game, das das medizinische Graduiertenkolleg der japanischen Tohoku Universität und der lokale Fernsehsender Sendai Television gemeinsam entwickelt haben. Es ist der Vorbote einer Gamifizierung der Gesundheitsvorsorge. "In Zukunft werden wir unter dem Gesichtspunkt der 'Förderung der Augengesundheit durch E-Sport' die Funktionen weiter ausbauen und die soziale Umsetzung in Zusammenarbeit mit verschiedenen Branchen, Organisationen und Unternehmen vorantreiben", teilen die Partner mit.

In der ersten rund fünfminütigen Selbstdiagnose für ein Glaukom, wie der grüne Star wissenschaftlich heißt, müssen die Probanden das Smartphone aus 30 Zentimeter vier Spielstufen abwechselnd mit dem linken und dann mit dem rechten Auge durchlaufen. Mit einem Druck auf einen Knopf in der unteren rechten Displayecke lösen sie dabei Schüsse einer fest installierten Strahlenkanone aus, sobald ein Meteor im Zentrum des Spielfelds erscheint. Taucht ein weißer Punkt auf, müssen sie ihn mit einem Klick auf ein zweites "Capture"-Feld links unten fangen.

Das Spielfeld ist dabei neben dem Zentrum in 16 Felder eingeteilt, in denen bewertet wird, wie viele der aufgeleuchteten Weltraumartefakte die Versuchsperson erwischt hat. Danach wird ein gesamter Punktestand angezeigt. Wichtiger ist jedoch das nach Augen aufgeschlüsselte Ergebnis für die 16-Feldermatrix, die von 1 für sehr gut bis 5 für schlecht reichen.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Japan und den Nachbarstaaten.

Eine miserable Note könnte ein Zeichen für grünen Star im Frühstadium sein, erklärt das Team um Professor Toru Nakazawa. Und darum geht es ihm, weil die Krankheit weit verbreitet und oft spät erkannt wird. "Unter Japanern ist grüner Star der Grund Nummer 1 für eine Erblindung im Laufe des Lebens", so Nakazawa. Einer von 20 über 40-jährigen Japanern würde an dem schleichenden Leiden erkranken.

Daher sei ein Glaukom schwierig zu bemerken, so der Professor. "Ungefähr 90 Prozent der geschätzt 4,65 Millionen Erkrankten geht nicht zum Arzt." Wenn das Problem dann erkannt werde, sei es oft zu spät. Dabei könne eine frühe Behandlung Erblindungen oft vermeiden. Mit ihrem Spiel hofft das Team, dieses Problem wenigstens in den mit Videospielen aufgewachsenen Generationen spielerisch lösen zu können.

(jle)