Gasversorgung: Der übernächste Winter wird noch schwieriger

Die Bundesnetzagentur hat weitere Szenarien erstellt, wie es mit der deutschen Gasversorgung weitergehen könnte. Sie verheißen nichts Gutes.

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Digitaler Thermostat

(Bild: Andrey_Popov / Shutterstock.com)

Von
  • Gregor Honsel

Zwar liegt der Speicherstand derzeit mit rund 72 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Doch das verspricht eine trügerische Sicherheit, wie ein Blick auf die Szenarien für den nächsten Sommer zeigt. Nur die optimistischsten und ambitioniertesten Modellrechnungen sagen für den Juli 2023 einen Speicherstand auf dem aktuellen Niveau voraus. Das bedeutet: Selbst wenn das Gas für diesen Winter reichen sollte – die Ausgangslage für den Winter 2023/24 wird voraussichtlich noch schwieriger werden.

Bereits im Juni hatte die Bundesnetzagentur ein Bündel von Modellrechnungen vorgelegt. Damals, vor der Wartung der Pipeline Nord Stream 1, simulierte sie Liefermengen von 0 beziehungsweise 40 Prozent der Kapazität. Seit Abschluss der Wartung fließen allerdings nur 20 Prozent. Diesen Wert hat die Bundesnetzagentur nun in einem weiteren Bündel an Szenarien aufgegriffen. Zudem traf sie auch differenziertere Annahmen zu weiteren Importen, Exporten und Verbrauchssenkungen.

Hier die Annahmen und Ergebnisse der 20-Prozent-Szenarien im Überblick:

Szenario 20%

Annahmen Ergebnisse
Import* Verbrauch Export Speicherstand 7/23
Gasmangel
Basis 138,5 GW -5%** 89 GW*** <5% 248 TWh ab 11/22
2.1 +0% -5% -5% <5% 211 TWh ab 12/22
2.1.1 +0% -5% -35% <20% 23 TWh ab 2/23
2.2. +0% -20% -0% >5% 112 TWh ab 1/23
2.2.1 +0% -20% -20% <25% -
2.3 +10GW -20% -20% >60% -
2.3.1 +15GW -20% -20% 80% -
* Basis entspricht 20% der Kapazität von Nord Stream 1 inkl. LNG-Importe ab 1/23 in Höhe von 16 GW; je nach Szenario weitere nicht-russische Importe.
**entspricht der Verbrauchssenkung seit Jahresbeginn gegenüber dem langjährigen Mittel.
*** entspricht dem Stand seit Liefereinbruch im Juni

(Bild: Bundesnetzagentur)

Der Blick auf die Kurven zeigt: Nur bei einer gleichzeitigen Senkung des Exports und des Verbrauchs um je 20 Prozent und einem erhöhten Import können die heutigen Füllstände im nächsten Sommer wieder erreicht werden. LNG-Einfuhren über deutsche Terminals mit einer Auslastung von 90 Prozent sind wohlgemerkt schon im Basisszenario enthalten. Es müssen für das optimistischste Szenario also weitere 15 Gigawatt an nicht-russischem Gas irgendwoher beschafft werden.

Die Szenarien für ein kompletten Lieferstopp sagen für den nächsten Sommer selbst im besten Fall einen Speicherstand von nur knapp 30 Prozent voraus. Schlimmstenfalls fehlt schon im November Gas.

(Bild: Bundesnetzagentur)

Auch bei einer Auslastung von 40 Prozent liegen die Speicherstände nur bei stark gesenktem Verbrauch und Export im Rahmen.

(Bild: Bundesnetzagentur)

Die Szenarien legen nahe, dass der Export eine zentrale Stellschraube ist. Allerdings kann er nicht beliebig reduziert werden. "Die inländische Verbrauchsreduktion ist neben der Sicherstellung der eigenen Versorgungssicherheit auch zur notwendigen Versorgung der Nachbarländer unverzichtbar, da sich die europäischen Länder in einer Mangellage solidarisch zeigen", schreibt die Bundesnetzagentur.

(grh)