Gegen das Bienensterben: Zugelassener Impfstoff soll vor Faulbrut schützen​

Füttert man Bienenköniginnen Teile des Bakteriums, das die Krankheit auslöst, kann das viele Nachkommen schützen. Die FDA gab die bedingte US-Zulassung.

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(Bild: Amy Floyd)

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  • Veronika Szentpetery-Kessler

Der weltweit erste Impfstoff für Honigbienen hat eine bedingte Zulassung der US-Zulassungsbehörde FDA erhalten. Das entwickelte Mittel soll die Insekten gegen die hochansteckende Krankheit Amerikanische Faulbrut schützen. Auslöser ist das aggressive Bakterium Paenibacillus larvae, das Bienenlarven während der ersten drei Lebenstage befällt, tötet und dann zersetzt. Die Larven färben sich braun und geben den namensgebenden fauligen Geruch ab. Laut der "New York Times" können dem Erreger bis zu 60.000 Bienen-große Kolonien zum Opfer fallen.

Um Bienenstöcke im Laborversuch gegen das Bakterium zu immunisieren, nutzte das Biotech-Unternehmen Dalan Animal Health ein Phänomen namens "generationsübergreifendes Immun-Vorbereitung" (TGIP, transgenerational immune priming). Insekten bilden keine Antikörper als Antwort auf Antigene. Mithilfe des Fettproteins Vitellogenin können sie allerdings etwa Bakterienbruchstücke in die sich entwickelten Eier der Königin transportieren. Dort werden die Impfmoleküle eingelagert und sorgen dafür, dass die Nachkommen geschützt sind. So gesehen ist der Begriff "Impfung" irreführend, da erst die Folgegeneration immunisiert wird.

Dalan Animal Health mischte in einer randomisierten und doppelt verblindeten Phase-I-Studie Bienenköniginnen tote Paenibacillus larvae-Bakterien unter ihre Zuckernahrung. Fortan waren den im Fachjournal "Frontiers in Veterinary Science" veröffentlichten Ergebnisse zufolge – im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe – 30 bis 50 Prozent der Nachkommen gegen den Erreger geschützt.

Dalan Animal Health hat nach der Behandlung keine Gesundheitsprobleme bei den Bienenköniginnen beobachtet. Auch die Honigqualität sei nicht beeinträchtigt. Weil aber eine einzige erkrankte Bienenlarve reicht, um einen ganzen Stock zu infizieren, ist das Ergebnis bisher nur ein Schritt in die richtige Richtung. Wie das Friedrich-Löffler-Institut, ein Bundesinstitut für Tiergesundheit, gegenüber "tagesschau.de" erklärte, ist die bedingte Zulassung vermutlich deshalb erfolgt, damit in einer Phase-II-Studie auch Feldversuche möglich sind.

Die Amerikanische Faulbrut ist wegen ihrer widerstandfähigen Sporen auch in Deutschland meldepflichtig. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) verzeichnete in den letzten zehn Jahren zwischen 72 und 266 Ausbrüche pro Jahr. Zwar gab es bisher bereits Antibiotika gegen den Bienenschädling, doch die sind nur gegen aktive Bakterien wirksam. Den jahrzehntelang überdauernden Sporen können sie nichts anhaben.

Eine prophylaktische Gabe der Antibiotika ist in den USA und auch in der Europäischen Union verboten. Befallene Bienenstöcke werden deshalb bisher meist verbrannt. Zudem muss um befallen Stöcke herum ein Sperrbezirk eingerichtet werden, aus dem keine Bienenvölker oder Materialien hinausgebracht werden dürfen.

Entwicklung des Bienenimpfstoffes (12 Bilder)

Die bedingte Zulassung in den USA für den Impfstoff gegen die Amerikanische Faulbrut ist für Honigbienen eine gute Nachricht. 
(Bild: Amy Floyd)

Es gibt zahlreiche Bienenkrankheiten. Parallel zur Abwehr gegen die Amerikanischen Faulbrut entwickelt Dalan Animal Health auch einen Schutz gegen die weniger tödliche Europäische Faulbrut. Dessen Erreger Melissococcus plutonius bringt befallene Bienenlarven nicht immer um. Verfügen diese über genug Nahrung, können sie sich zu erwachsenen Tieren entwickeln. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen auch an einer kombinierten Immunisierung gegen beide Keime und auch gegen die vom Pilz Ascosphaera apis verursachte Bienenkrankheit Kalkbrut.

Am gefährlichsten unter allen Bienenschädlingen gilt die aus Asien nach Europa eingeschleppte parasitische Milbe Varroa destructor. Sie vermehrt sich ebenfalls in der Brut und überträgt dabei Viren wie das Flügeldeformationsvirus. Sie schwächt die betroffenen Bienenvölker so stark, dass sie den Winter nicht überleben. Im Schnitt rafft die Milbe laut dem Deutschen Bienenmonitoring pro Jahr rund 150.000 Bienenvölker dahin, das sind zehn bis 15 Prozent. Asiatische Bienen sind widerstandfähiger gegen die Varroamilbe und können befallene Brutzellen erkennen und entfernen.

(vsz)