Gesichtserkennung ändert alles

In China setzen mittlerweile die meisten Identitätssysteme auf das Gesicht. Doch was passiert, wenn man sich zu sehr verändert?

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(Bild: Neosiam32896395/Shutterstock)

Von
  • Ben Schwan

China ist in Sachen Biometrie ein weites Experimentierfeld: In keinem Land der Erde wird die Gesichtserkennung offensiver am Endkunden getestet und eingesetzt. Egal ob beim Bezahlen am Automaten, beim Betreten eines Bahnsteigs, dem Hotel-Check-In oder dem Einkauf in manchem Supermarkt – überall kommen Systeme zum Einsatz, die es den Nutzern besonders einfach machen sollen. Einmal in die Kamera gucken, fertig, heißt die Devise.

Doch gänzlich unproblematisch ist das Vertrauen in die Technik dann doch nicht. So gab es schon diverse Fälle von erfolgreichen Versuchen, Gesichtserkennungssysteme auszutricksen – selbst teure Hardware wie die von Apple war mit ausreichend Aufwand zwischenzeitlich zu umgehen. In China sind die Systeme allerdings oft signifikant simpler.

Eine Frau in der chinesischen Stadt Wenzhou hat nun ein Problem mit der Biometrie, das noch einmal etwas anders gelagert ist: Sie wird nach einer Gesichtsoperation von den vielen staatlichen und privaten Systemen nicht mehr als sie selbst akzeptiert. Das berichtet die in Hong Kong erscheinende "South China Morning Post".

Sie sei zwar sehr froh mit ihrem neuen Look und würde ihn trotz der Unbequemlichkeiten nicht mehr ändern. Doch die 21-Jährige hat jetzt einiges zu tun. Sie müsse, sagte sie lokalen TV-Sendern, nun überall ihr neues Bild einspielen.

Aufgrund des "falschen" Gesichts wurde sie unter anderem aus Payment-Diensten und Online-Shopping-Anwendungen ausgeloggt. Selbst Probleme mit Sicherheitsanlagen an Arbeitsstellen kann es geben. Der Arzt der Frau sagte, nach der Operation habe es "große Unterschiede" gegeben, da "viele zentrale Parameter" geändert worden seien. Hauptsächlich kümmerte sich der Chirurg allerdings um die Nase. Dennoch habe ihre Mutter sie nicht wiedererkannt: "Mein ganzes Gesicht sieht anders aus", sagte sie dem Lokal-TV.

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Der Arzt empfahl der Frau, sich einfach neu identifizieren zu lassen – wobei es dabei zu Schwierigkeiten kommen könnte, weil sich die Frau komplett neu ausweisen muss. China betreibt zentrale Gesichtsdatenbanken, auf die Firmen auch zugreifen können – manche nutzt aber auch selbst angefertigte Aufnahmen.

Ein Video, das zum Wochenanfang auf Twitter viral ging, zeigt unterdessen, wie wichtig das Gesicht geworden ist: Eine Frau versucht darin ein Handy zu stehlen und einen Mann dazu zu zwingen, in die Kamera zu blicken, damit es entsperrt wird. Dabei dürfte es sich nicht um ein iPhone gehandelt haben – das macht automatisch dicht und schaltet auf Sperrcode um, wenn zu häufig ein falscher User erkannt wird.

(bsc)