Gewaltige Investitionen in Stromspeicher erwartet

Erneuerbare Energie wird weltweit immer billiger, und mit Batterien steht mittlerweile auch eine bezahlbare Möglichkeit zur Verfügung, um ihre schwankende Erzeugung auszugleichen. Analysten erwarten hier enormes Wachstum.

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(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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Das Stromnetz kehrt zurück zu seinen Wurzeln. Als Thomas Edison im Jahr 1882 das weltweit erste kommerzielle Kraftwerk in Betrieb nahm und darüber 82 Kunden in der Nähe mit Strom versorgte, waren auch Batterien Teil des Systems. Diese sorgten dafür, dass Stromproduktion und -abnahme stets im Gleichgewicht blieben, dienten also dazu, einen Zusammenbruch des neuen Netzes bei Lastspitzen und -tälern zu verhindern.

Genau das Gleiche wird auch heute wieder zunehmend gemacht, denn an die Stelle von anders als zu Edisons Zeiten relativ gut zu steuernden fossilen Kraftwerken tritt weltweit immer stärker erneuerbare Energie in Form von Wind und Sonne. Dieser Strom ist sauber und wird immer billiger, ist aber nicht immer verfügbar. Also wird jetzt wieder verstärkt in Batterien für das Stromnetz investiert. Die Marktforschungsfirma Bloomberg New Energy Finance (BNEF) sagt sogar voraus, dass sich die weltweit installierte Speicherkapazität bis 2050 mehr als verhundertfachen wird.

"Im Stromsystem und im Transportsektor spielt sich eine grundlegende Veränderung ab", schreiben die Analysten von BNEF. Wind und Solar werden nach ihren Prognosen bis 2040 fast 40 Prozent des gesamten Strombedarfs decken. Dies liege zum einen daran, dass die Anlagen dafür rapide billiger geworden sind und weiter werden. Zum anderen sinke auch der Preis für die Speicherung in Batterien, was deren Einsatz attraktiver macht.

Dadurch ergibt sich eine Art positiver Rückkoppelungseffekt, der laut BNEF dazu führen wird, dass "Energiespeicherung eine praxisgerechte Alternative zum Neubau von Erzeugungskapazität oder zum Netzausbau wird". Gleichzeitig würden auch Endkunden verstärkt in eigene Stromspeicher investieren, weil sie Strom zu billigeren Zeiten einkaufen (oder selbst erzeugten speichern) wollen, um ihn dann bei höheren Preisen zu verbrauchen.

Konkrete Projekte für die Stromspeicherung im Großmaßstab gibt es bereits reichlich. So erregte Ende 2017 Tesla, das Elektroauto- und Speicherunternehmen von Elon Musk, Aufsehen mit dem Bau der damals größten Batterie der Welt in Südaustralien. Innerhalb von weniger als 100 Tagen wurde die 66 Millionen Dollar teure Anlage aus Lithium-Ionen-Batterien mit 100 Megawatt Leistung errichtet.

Seitdem hat sie sich als zuverlässig darin erwiesen, überschüssigen Windstrom aus einem nahe gelegenen Park aufzunehmen und ihn bei hoher Nachfrage sekundenschnell zur Verfügung zu stellen. Der Akku-Park soll sogar so schnell reagieren, dass anfangs nicht immer registriert wurde, wenn er zum Einsatz kam. Die australische Netzbehörde bestätigte jedenfalls, dass das System schneller, genauer und wertvoller sei als konventionelle Kraftwerke.

In sonnigen Südaustralien kam bereits 2016 mehr als die Hälfte des gesamten verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Damit ist die Region eine Art Vorreiter für den Rest der Welt – und zeichnete sich trotz aller Regelversuche durch häufige Stromausfälle aus. Bislang werden zum Ausgleich von Produktion und Abnahme in Stromnetzen meist relativ schnell regelbare Gaskraftwerke eingesetzt, doch die sind teuer und emittieren Kohlendioxid.

"Zunehmend werden Batterien gewählt werden, um die dynamische Mischung aus Angebot und Nachfrage zu steuern", sagt deshalb BNEF voraus. Zu den sinkenden Kosten für Akkus trägt nach dieser Darstellung auch die Tatsache bei, dass sie auch im Transportbereich zunehmend gefragt sind – wie zuvor bei Windkraft und Photovoltaik ließen zunehmende Erfahrung und höhere Produktionsvolumina hier erhebliche Kostensenkungen erwarten.

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Billig wird der Umbau trotzdem nicht: Nach Schätzungen von BNEF wird er bis 2040 Investitionen von insgesamt 662 Milliarden Dollar erfordern, wobei für die Zukunft erwartete Kostensenkungen ebenso eingerechnet sind wie die bislang erreichten. Von 2010 bis 2018 sollen sie bei bemerkenswerten 85 Prozent gelegen haben, bis 2030 sagt BNEF eine weitere Halbierung des Preises pro Kilowattstunde voraus.

Für 2040 erwartet BNEF dann eine installierte Speicherkapazität von 2850 Gigawattstunden mit einer Leistung von 1095 Gigawatt. Zum Vergleich: Das größte derzeit noch laufende Atomkraftwerk in Deutschland, Isar/Ohu 2, erreicht eine Nettoleistung von 1,4 Gigawatt. Somit hätten in 2040 alle bis dahin gebauten Akku-Speicher in etwa dieselbe Leistung wie rund 800 Kernkraftwerke – aber ganz ohne die damit einhergehenden Gefahren und Entsorgungsprobleme.

(sma)