Google-Studie: Wie verschiedene Generationen mit Fehlinformationen umgehen​

Eine Google-Umfrage zeigt, dass die Generation Z beim Faktencheck besser abschneidet als Millennials oder Boomer. Frühere Studien hatten andere Ergebnisse.​

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(Bild: Dilok Klaisataporn/Shutterstock.com)

Von
  • Abby Ohlheiser

Eine Angewohnheit, die als "Querlesen" bezeichnet wird, ist ein wesentlicher Bestandteil jeder guten Faktenüberprüfungsroutine. Das bedeutet, dass man im Browser mehrere Tabs für Internetsuchen öffnet, um die Fakten, Quellen oder Behauptungen einer Online-Information zu überprüfen. Eine neue Studie von Poynter, YouGov und Google zeigte nun, dass die Generation Z diese Technik mehr als jede andere Generation zuvor anwendet.

Die Studie, die Mitte August von Google veröffentlicht wurde – während sein Suchmaschinenteam Änderungen im Umgang mit Fehlinformationen einführt – befragte mehr als 8.000 Personen in sieben Ländern, die von der Generation Z (für diese Studie als 18- bis 25-Jährige definiert) bis zur Generation der "Stummen" (68+) reichen, zu Fehlinformationen und dazu, wie sie fragwürdige Inhalte online recherchieren.

Im Wesentlichen kommt die Studie zu dem Schluss, dass jüngere Menschen eher glauben, dass sie unbeabsichtigt falsche oder irreführende Informationen geteilt haben – oft aufgrund des Drucks, emotionale Inhalte schnell zu teilen. Allerdings sind sie auch geschickter im Umgang mit fortgeschrittenen Techniken zur Überprüfung von Fakten.

Ein Drittel der Befragten der Generation Z gab an, dass sie bei der Überprüfung von Informationen immer oder meistens querlesen. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei den sogenannten Boomern. Etwa ein Drittel der Jüngeren gab außerdem an, dass sie Recherchen in mehreren Suchmaschinen durchführen, um die Ergebnisse zu vergleichen, und dass sie über die erste Seite der Suchergebnisse hinausgehen.

Teile der Umfrage geben einen interessanten Überblick darüber, wie Menschen unterschiedlichen Alters und an unterschiedlichen Orten Fehlinformationen wahrnehmen und wie sie ihre eigene Rolle bei der Verhinderung oder Verbreitung von Fehlinformationen einschätzen: 62 Prozent aller Befragten glauben zum Beispiel, dass sie jede Woche Fehlinformationen im Internet sehen. Leser der Generation Z, der Millennials und der Generation X sind zuversichtlicher, was ihre Fähigkeit angeht, Fehlinformationen zu erkennen. Sie machen sich auch mehr Sorgen darüber, dass ihre engen Familienangehörigen und Freunde etwas Irreführendes im Internet glauben könnten.

Die Studie stützt sich jedoch darauf, dass die Teilnehmer ihre eigenen Überzeugungen und Gewohnheiten genau wiedergeben. Und die optimistischen Zahlen über die tatsächlichen Gewohnheiten der Generation Z stehen in krassem Gegensatz zu anderen Erkenntnissen darüber, wie die Menschen Informationen im Internet verifizieren.

Sam Wineburg von der Stanford University, der sich mit der Überprüfung von Fakten befasst, glaubt zu wissen, woran das liegen könnte. Wenn man versucht zu verstehen, wie sich die Menschen tatsächlich im Internet verhalten, sind "Selbstberichte", so Wineburg, "Mist". Und fügt hinzu: "Was die Leute sagen im Gegensatz zu was sie tun? Diese Diskrepanz geht auf die frühesten Tage der Sozialpsychologie zurück." Seine eigenen Forschungen haben ergeben, dass jüngere Menschen ohne Intervention selten von sich aus das Querlesen oder andere fortgeschrittene Techniken zur Überprüfung von Fakten anwenden.

In einer kürzlich durchgeführten Studie unter der Leitung von Wineburg und seinem Stanford-Team wollten die Forscher herausfinden, ob ein Online-Kurs über Techniken zur Überprüfung von Fakten die Art und Weise verbessern könnte, wie College-Studenten Informationen verifizieren. Vor dem Kurs haben nur drei der 87 getesteten Studenten die Website, die sie bewerten sollten, verlassen, um eine externe Quelle zu konsultieren. "Wenn die Leute spontan [Querlesen] würden, wären wir alle in einer viel besseren Verfassung", sagt Wineburg.

In einer größeren Studie wurden mehr als 3.000 Oberschüler gebeten, eine Reihe von Online-Behauptungen zu untersuchen. Die Ergebnisse waren ziemlich düster: Mehr als die Hälfte der getesteten Schüler glaubte, dass ein anonymes, in Russland gefilmtes Facebook-Video "starke Beweise" für US-Wahlbetrug enthielt. (Zur Offenlegung: Ich habe an einer früheren Studie von Wineburgs Team teilgenommen, in der die Methoden von Faktenprüfern beobachtet und mit denen von Historikern und Stanford-Studenten verglichen wurden).

Die Generation Z nutzt das Internet eindeutig anders als frühere Generationen. Aber junge Menschen sind auch anfällig für dieselben Fallen, das gezielte Streuen von Fehlinformationen und den Druck zum Teilen, was seit Jahren vorherherrschende Aufmerksamkeitsökonomie im Internet anheizt.

(vsz)