Grüner Sand als Klimahoffnung

Forscher untersuchen vulkanisches Gestein, um es zur Klimagasbindung zu nutzen. Kann das die Erderwärmung abschwächen?

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(Bild: Project Vesta)

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Zwei Buchten, gesäumt von Palmen, geformt wie zwei schmale Kerben, etwa eine Viertelmeile voneinander entfernt. Sie verlaufen entlang der Küste einer kaum bekannten Insel, irgendwo in der Karibik. Nachdem Forscher der gemeinnützigen Organisation Project Vesta Anfang März die zwillingsgleichen Buchten begutachtet hatten, wollen sie den idealen Ort gefunden haben, um eine neuartige Methode zu testen, die Kohlendioxid binden soll: Im Laufe des Jahres plant Project Vesta Olivin, ein grünes, vulkanisches Mineral, auf einem der Strände zu verteilen, passend gemahlen auf die Größe von Sandpartikeln.

Die Wellen sollen das hochreaktive Material weiter zersetzen, um eine Reihe chemischer Reaktionen zu beschleunigen, die Treibhaus-Gase aus der Atmosphäre ziehen und diese an Schalen und Skelette von Meeresweichtieren und Korallen binden. Dieser Prozess könnte, neben anderen Formen des sogenannten Enhanced Mineral Weathering, potenziell Hunderte Gigatonnen CO2 speichern – so zumindest ein optimistischer Bericht der National Academies of Sciences der Vereinigten Staaten.

So könnte womöglich das gesamte vom Menschen seit der industriellen Revolution in die Atmosphäre entlassene CO2 ausgeglichen werden. Anders als Methoden des Klimagasabbaus, die von Boden, Pflanzen und Bäumen abhängig sind, soll diese effektiv von Dauer sein. Und zumindest Project Vesta glaubt an die Kosteneffizienz dieses Verfahrens mit geschätzten 10 US-Dollar pro gespeicherter Tonne CO2 (sobald die Methode großflächig eingesetzt werden kann).

Das Konzept lässt noch viele Fragen offen. Wie sollen die Riesenmengen an benötigten Mineralien gemahlen, verschifft und verteilt werden, ohne mehr Emissionen freizusetzen als das Material abbaut? Und wer soll das bezahlen? Zudem gibt es spezifische Herausforderungen, die mit dem Vorhaben von Project Vesta einhergehen. Forscher können noch nicht sicher sagen, inwieweit Wellen den Zersetzungsprozess beschleunigen, wie gut die Kohlenstoffbindung gemessen und verifiziert werden kann, mit welchen Umwelteinflüssen zu rechnen ist und wie die Öffentlichkeit dazu stehen wird, wenn Küsten mit gemahlenen, grünen Mineralien überschüttet werden. "Vieles ist noch nicht überprüft", sagt Phil Renforth, Associate Professor an der Heriot-Watt Universität in Schottland, der im Bereich des sogenannten Enhanced Weathering forscht.