Gummiball als Späher

Ein Ball mit integrierten Kameras soll künftig Panoramabilder aus gefährlichen Gebieten liefern und Militär und Katastrophenhelfern unterstützen.

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Von
  • Rachel Metz

Ein Ball mit integrierten Kameras soll künftig Panoramabilder aus gefährlichen Gebieten liefern und Militär und Katastrophenhelfern unterstützen.

Ginge es nach den Gründern des Unternehmens „Bounce Imaging“, Francisco Aguilar und Dave Young, werden ballförmige Wurfkameras eines Tages zur AusrüstungVon Polizei und Feuerwehr gehören. Aguilar und Young entwickeln kugelförmige Gadgets mit integrierten Kameras, die in Gefahrengebieten – etwa die Trümmer eines Gebäudes - hineingeworfen werden. Dort nehmen sie 360-Grad-Panoramabilder auf und übermitteln diese drahtlos an ein Smartphone oder Tablet.

Die Ballkamera Bounce Imaging soll, einschließlich der Batterie, 250 bis 500 Gramm wiegen. Sie beinhaltet sechs Kameras mit Weitwinkelobjektiv, jede von ihnen ist mit einem LED-Infrarotblitz umgeben. Eine externe Ummantelung schützt die Komponenten vor dem Aufprall und erlaubt dem Gerät zu hüpfen.

Die Ballkamera nimmt ,abhängig von der Geräteeinstellung, ein- oder zweimal in der Sekunde ein Bild auf. Sechs Bilder ergeben eine 360-Grad-Ansicht der Szenerie. Ein Beschleunigungssensor und ein Gyroskop helfen bei der Ausrichtung der Bilder. Im Anschluss werden sie drahtlos an ein Android-Smartphone oder -Tablet geschickt, wo eine Software die Aufnahmen dann zusammengefügt.

Young und Aguilar hoffen, dass sie verschiedene Sensoren für unterschiedliche Anwendungsszenarien in das Gerät integrieren können. Ein Feuerwehrmann könnte etwa eine Ballkamera einsetzen, die Rauch-, Temperatur- und Sauerstoffsensoren beinhaltet.

Militär , Polizei oder Feuerwehr nutzen zunehmend bestehende Technologien, um relevante Gebiete ausspähen zu können, ohne sich dabei selbst in Gefahr begeben zu müssen. Dazu setzen sie häufig Roboter ein, die in der Lage sind, in ein Gebäude oder ein verdächtiges Fahrzeug zu kriechen. iRobot hat sogar einen kompakten, werfbaren Erkundungsroboter namens „FirstLook “ entwickelt.

Young und Aguilar, die sich als Doktoranden an der MIT Sloan School of Management kennenlernten, glauben, dass ihre Erfindung günstiger ist und leichter zu bedienen ist als bisherige Geräte. Sie hoffen, dass sie ihren „Bounce Imaging Explorer“ zunächst für weniger als 500 Dollar verkaufen können.

„Die Idee ist ein Gerät, das man in einen Raum wirft und als Einwegprodukt zurücklässt, wenn es zu gefährlich ist, den Raum zu betreten“, sagt Aguilar.

Aguilar kam die Idee zu der Ballkamera nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti im Jahr 2010. „Es gab zwar Glasfaserkameras, mit deren Hilfe man die Trümmer nach Überlebenden durchsuchen konnte. Allerdings war die Ausrüstung teuer und man benötigte zu ihrer Bedienung einen Fachmann“, sagt er.

Anfang dieses Jahres nahm er gemeinsam mit Young die Arbeit bei „Bounce Imaging“ auf. Seitdem haben sie 60.000 Dollar Fördergelder einnehmen können – 50.000 Dollar waren Preisgeld aus dem Startup-Wettbewerb „MassChallenge“, 10.000 Dollar stammen aus dem „VenCorps NYC Impact Challenge“. Aktuell arbeiten sie an einem Prototypen und hoffen, ihr neues Produkt ab Januar testen zu können. Verschiedene Polizeibehörden, einschließlich der Polizeibehörde des MIT, aber auch SWAT-Einheiten, haben bereits Interesse an einer Erprobung angemeldet.

Young, der zuvor für die US-Army in Irak und Afghanistan gedient hat, hält die Ballkamera insbesondere für militärische Zwecke geeignet. Es sei viel handlicher als die sperrige Ausrüstung, die er im Dienst mit sich herumschleppen musste, sagt er. Und da es viel günstiger sei als andere Bilderzeugungswerkzeuge, könne es zur Not auch zurückgelassen werden.

Andere haben solche kugelförmigen Kamerasysteme bereits vorgeführt. Forscher der TU Berlin etwa haben einen mit Schaumstoff überzogenen Ball konstruiert, der im Inneren mit 36 Kameras ausgestattet ist. Er kann vollständige Panoramabilder aufnehmen, wenn er in die Luft geworfen wird.

Ein Problem stellt für Bounce Imaging momentan noch das Zurückholen der Ballkamera dar. Aktuell ist kein Mechanismus verbaut, der sie zum Werfer zurückhüpfen- oder rollen lassen könnte. Daher muss man entweder die Gefahrenstelle betreten oder lässt sie zurück. Eine Lösung wäre beispielsweise, eine Leine einzubauen, die es dem Benutzer erlaubt, die Ballkamera zurückzuziehen. Auch ein Blinklicht wäre denkbar, damit sie später wiedergefunden werden kann. Aguilar schlägt sogar vor, Bewegungsfunktionen in das Gerät zu integrieren, so wie es beim Roboter-Ball „Sphero“ der Fall ist.

(jlu)