Hilfe für Google auf dem Weg zurück nach China

Die chinesische Suchmaschine Sogou möchte dem US-Internetriesen dabei helfen, sich durch den Dschungel chinesischer Gesetze und Zensurmaßnahmen zu kämpfen – allerdings nicht ganz uneigennützig.

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Sogou-Chef Wang.

(Bild: Sogou)

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Wang Xiaochuan, Chef der zweitgrößten chinesischen Suchmaschine, hat keine Angst vor Google. Der CEO von Sogou meint sogar, er könne dem lange im Reich der Mitte abwesenden Internetgiganten dabei helfen, wieder in den Markt zurückzukehren – und sieht darin eine geschäftliche Chance. Wang zufolge könnte Google Probleme haben, eine Genehmigung der Regierung in Peking zu erhalten, sollte das Unternehmen sich keinen lokalen Partner wie Sogou suchen.

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"Wenn Google zurück nach China kommen will, könnte es verschiedene Anreize geben, mit anderen Parteien zu kooperieren", sagt er. "Sogou könnte die Firma sein, die mit der chinesischen Regierung arbeitet – und Google dann hinter uns stehen."

Acht Jahre nachdem Google den chinesischen Markt verlassen hat, arbeitet der Konzern an einer neuen App, die die hauseigene Suchmaschine wieder chinesischen Nutzern zur Verfügung stellt. 2010 hatte Google beschlossen, seine Suche nicht weiter für China zensieren zu wollen. Es war eine Antwort auf Hackerangriffe auf Konten des Google-E-Mail-Dienstes Gmail. Man zog sich nach Hongkong zurück. Daraufhin wurde die Suchmaschine von Chinas Zensurinfrastruktur, er "großen Firewall", blockiert. Andere Google-Apps und Dienstleistungen sind weiterhin verfügbar, darunter Übersetzungs- und Dateispeicherservices.

In jüngster Zeit war das Thema China für die Technikriesen sogar noch sensibler geworden. Vertreter von Google, Amazon und Apple wurden vor den Handelsausschuss des US-Senats geladen, um Fragen über ihr dortiges Geschäft zu beantworten. Der Datenschutzchef von Google, Keith Enright, bestätigte dabei, dass Google an einer neuen chinesischen Such-App arbeitet. Allerdings stehe man nicht kurz vor deren Start.

Laut einem Medienbericht von The Intercept soll die App chinesischen Gesetzen im Bezug auf "verbotene" Suchbegriffe folgen und zudem Daten an andere chinesische Firmen übermitteln. Das Vorhaben unter dem Namen "Project Dragonfly" sorgte Google-intern für Aufruhr. Mitarbeiter fragten, ob die Firma ihre eigenen Werte verraten wolle.

Sollte es dem Google-Management gelingen, die interne Opposition für sich zu gewinnen, gibt es noch ein anderes Problem: Die chinesische Regierung selbst. Wang von Sogue glaubt, dass eine Zusammenarbeit mit seiner Firma die Beziehung zu den Behörden vereinfachen würde – auch weil man den Umgang mit diesen kennt. Eine solche Partnerschaft könne zudem eine Lösung für das leidige Selbstzensurproblem bedeuten, sagt er.

"Sogue würde mit der Regierung umgehen, damit Gesetze und Regeln eingehalten werden. Dann wird es möglich sein, die anderen Google-Dienste in China anzubieten." In Sachen Suchdienst gäbe es die Möglichkeit, Sogou als Marke zu verwenden, Google aber die Technik liefern zu lassen. "Mit einer Zusammenarbeit mit Sogou wird es bessere Ergebnisse geben als allein."

Das Angebot dürfte Googles interne Kritiker wohl kaum besänftigen, schließlich würde man sich nach wie vor der Zensur beugen. Zudem könnte der Konzern auch nicht bereit sein, so eng mit einer anderen Firma zu kooperieren. US-Firmen benötigen in China jedoch oft lokale Partner und Google ist gezwungen, die Restriktionen Pekings umzusetzen, wenn es den riesigen Internetmarkt dort adressieren will.

Sogou startete 2004 als Teil von Sohu, dem beliebtesten chinesischen Internetportal. Wang, einst Technikchef von Sohu, sorgte dann später für ein Spinout der Abteilung. Sogou wurde 2014 zum eigenen Unternehmen und ging in New York an die Börse. Aktuell gehört die Suchmaschine teilweise Sohu und teilweise Tencent, dem chinesischen Technikgiganten, der die Kommunikationsplattform WeChat und diverse weitere Onlinedienste und Spiele betreibt.

Sogou ist Chinas zweitgrößte Suchplattform auf Desktop und Mobilgeräten. Nur Baidu ist laut Angaben der Analysefirma iResearch noch größer. Sogou bietet auch noch andere Produkte an, darunter ein Softwarekeyboard zur Eingabe von chinesischen Buchstaben auf Windows-PCs und Macs. Zudem wird ein Gerät angeboten, das Chinesisch ins Englische übersetzen kann und umgekehrt. Zuletzt tummelte sich Sogou zudem im Smartwatch-Geschäft für Kinder.

Verschiedene erfolgreiche Kooperationen existieren bereits. So stellt Sogou die Suchfunktion in WeChat. In Googles Browserprogramm Chrome ist sie die Standardsuche.

Aktuell kommen 90 Prozent der Umsätze aus der Suchreklame. Wang zufolge begibt sich Sogou aber zunehmend auch ins KI-Geschäft. Dabei geht es vor allem um das maschinelle Erfassen von Sprache.

An der Tsinghua-Universität in Peking stiftete Sogou gerade ein eigenes KI-Institut. Dort soll unter anderem an neuartigem maschinellen Lernen geforscht werden. Dazu gehört ein System zum Lippenlesen. Die Firma arbeitet an Software, mit der automatisch Vorträge übersetzt werden können. Wangs Forscher arbeiten aber auch an Projekten, mit denen Sprache erfasst und synthetisiert werden kann – oder sich Videogesichter in Echtzeit von Person zu Person übertragen lassen.

China gilt als zunehmend wichtiger Markt für Innovationen dieser Art – auch weil die Regierung in Sachen Umgang mit Daten kaum Grenzen setzt. Die Gefahr, dass Google diesen Markt "verpasst", ist nicht klein.

"In Sachen grundsätzlicher technischer Fähigkeiten ist Google immer noch sehr stark", sagt Wang, "doch in Sachen chinesische Suchmaschinen sind sie wohl zurückgefallen". Google wollte den Zusammenarbeitsvorschlag von Sogou nicht kommentieren und äußert sich auch sonst nicht zu Chinaplänen.

(bsc)