Hintergrund: Das Zoom und seine Herkunft

Mit dem Zoom haben Fotografen und Filmer heute ein Objektiv zur Verfügung, das zahlreiche Einzelbrennweiten ersetzen kann. Sein Ruf war lange Zeit nicht der beste und zu Beginn seiner Karriere galt es manchem als nutzloses Spielzeug für faule Filmer.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 12 Beiträge

Die Voigtländer Ultramatic mit dem ersten Zoom-Objektiv der Welt, dem Voigtländer-Zoomar 1:2,8/36-82 mm (hier mit der Vorsatzlinse Voigtländer Focar B).

(Bild: Kurt Tauber, kameramuseum.de)

Von

Der Begriff Zoom geht zurück auf das Hollywood Anfang der 1930er-Jahre. Es bezeichnete Objektive mit variabler Brennweite, die in der deutschen Sprache noch bis in die Zeiten des Super-8-Films als Gummilinsen bekannt waren. Sie waren den Festbrennweiten in der Qualität deutlich unterlegen und galten manchem Beobachter als nutzloses Spielzeug in der Werkzeugkiste der Kameramänner. Die kurbelten jetzt an der Brennweiteneinstellung, anstatt die Kamera zubewegen. Das erste Patent für solch eine Gummilinse stammt von Clile C. Allen, der es im Jahre 1902 anmeldete. Bell and Howell stellte im Jahre 1932 mit dem Cooke “Varo” 40–120 mm-Objektiv ein Zoom für 35-mm-Kino-Filmkameras vor.

Das erste Zoom-Objektiv der Welt, das Voigtländer Zoomar 1:2,8/36-82 mm (hier mit Vorsatzlinse Voigtländer Focar B), kam 1962 auf den Markt und passte zum Spezialbajonett der Voigtländer Bessamatic und Ultramatic. Es gab aber auch Objektive mit anderen Kameraanschlüssen wie etwa für die Exakta. Die technischen Daten: Bildwinkel 36,9-16,7 Grad (kurze Seite), 53,1-24,8 Grad (lange Seite), 62-29,6 Grad (Diagonale), 14 Elemente. Kürzeste Einstellentfernung: 1,3 Meter, Filter 95 mm, 780 g. Aus dem Katalog von 1962: "Mit diesem Objektiv wird dem Inhaber von Kleinbild-Spiegelreflexkameras der Gummilinsen-Effekt zugänglich gemacht. Die Brennweite ist zwischen 36 mm (Weitwinkel) und 82 mm (Teleaufnahmen) stufenlos zu variieren; die Lichtstärke ist von beachtlicher Höhe. Mit Vorwahl-Springblende. Die Entfernungsskala umfasst den Bereich von 1,3 Meter bis unendlich, bei Verwendung von Vorsatzlinsen erweitert sich der Bereich sogar bis auf 0,27 Meter."

(Bild: Kurt Tauber / kameramuseum.de)

Als Vater des TV-Zoom-Objektivs wird vielfach der gebürtige Österreicher Frank Gerhard Back (* 25. August 1902 in Wien; † 6. Juli 1983 in San Diego) bezeichnet. Back wanderte 1939 in die USA ein und arbeitete zuerst als beratender Ingenieur in New York. Im Jahre 1944 gründete er das Research and Development Laboratory und 1945 die Zoomar Inc. in Long Island. Nach dem Krieg entwickelte er ein Zoom-Objektiv das sowohl im Studio, als auch bei Außenaufnahmen zum Einsatz kam. Seinen ersten größeren Verkaufserfolg erreichte Back mit dem Verkauf eines Zoomar-Objektivs an Paramount Newsreel. Unter der Nummer 2454686 meldete er am 30. Juli 1946 ein US Patent für ein Varifocales Objektiv an. 1959 folgte das erste Zoomobjektiv für Spiegelreflexkameras. Diese wurde dann von Voigtländer in Braunschweig hergestellt und als Voigtländer-Zoomar 1:2,8/36-82 mm angeboten. Es kam jedoch erst Anfang der 1960er-Jahre in den Handel. Das Objektiv besaß eine Vorwahl-Springblende und wurde mit Anschlüssen für die Voigtländer Bessamatic- und Ultramatic-Kameras geliefert. Parallel dazu gab es das Objektiv auch mit Exakta-Bajonett. Es sind darüber hinaus auch Objektive mit M42-Anschlüssen (Contax/Pentax) und Kodak Retina SLR-Kameras bekannt. Heute liegen die Markenrechte für Voigtländer-Zoomar bei der Ringfoto-Tochter Voigtländer (Registernummer 724801). Dort wurde die Marke bis vor wenigen Jahren noch für Wechselobjektive genutzt.

Die Wege von Dr. Back und Voigtländer trennten sich schon bald wieder und Back übernahm im Jahre 1968, als Heinz Kilfitt sich zur Ruhe setzen wollte, dessen Unternehmen und benannte sie um in Zoomar. Mit der Änderung des Firmennamens wurden auch alle Objektive entsprechend umbenannt. Das vielleicht herausragendste dieser Objektive war das Rapid-Focus-Tele-Zoomar 4/170-320 mm für Mittelformatkameras. Anders als später bei sogenannten Schiebezooms üblich, wurde bei dem Zoomar-Objektiv die Brennweite durch Drehen des Einstellrings gewählt und durch Schieben fokussiert. Das Unternehmen existierte als Zoomar Vertriebsgesellschaft in Großhesselohe im Isartal noch bis gegen Ende der 1970er-Jahre.

Mehr Infos

Telezoom-Objektive sind echte Allrounder, die eine ganze Reihe von fotografischen Disziplinen meistern. Wir haben getestet, was die teuren Objektive der Kamerahersteller leisten und was ihnen die Fremdhersteller entgegenzusetzen haben.

Foto-Club: 70-200mm-Zooms im Test

Mit der Verfügbarkeit immer leistungsfähigerer Rechner, besserer Programme, neuer Gläser und Verfahren zur Glasbearbeitung wurde auch die Zoom-Objektive immer besser. Als Kit-Objektive haben sie schon lange die Standard-Festbrennweiten weitgehend abgelöst und haben auch das Image der Gummilinse abgelegt. (keh)