57,4 Millionen Tonnen Elektroschrott – Und es wird immer mehr

Jedes Jahr wächst der Elektroschrott-Berg um zusätzliche zwei Millionen Tonnen an. Längere Nutzungszyklen und bessere Reparaturmöglichkeiten könnten helfen.

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Viele alte Handies und Spielkonsolen schlummern als Elektroschrott in den Schubladen der Haushalte.

(Bild: © WEEE)

Von
  • Jan Oliver Löfken

Gold, Kobalt, Kupfer oder Lithium – jedes Jahr landen immer größere Mengen dieser kostbaren Rohstoffe ungenutzt auf dem Müll. Zum heutigen internationalen Elektroschrott-Tag schätzt das WEEE-Forum – International Association of Electronic Waste Producer Responsibility Organisations – die Elektroschrott-Mengen des laufenden Jahres auf 57,4 Millionen Tonnen. Vor zwei Jahren waren es noch knapp vier Millionen Tonnen weniger. Und bis 2030 könnte der jährliche Elektroschrott-Berg sogar auf 74 Millionen Tonnen anschwellen.

Die Ursache für den jährlichen Anstieg um drei bis vier Prozent sieht das Forum in der stärkeren Nutzung elektronischer Geräte, kürzeren Nutzungszeiten und stark eingeschränkter Reparatur-Möglichkeiten, verursacht beispielsweise durch immer mehr fest installierter oder verklebter Komponenten.

Für Europa stehen weltweit die genauesten Zahlen über Elektroschrott zur Verfügung. So werden in jedem Haushalt durchschnittlich 11 von 72 elektrischen und elektronischen Geräten nicht mehr genutzt oder sind nicht mehr funktionstauglich. Zwar werden in der EU mehr als die Hälfte der ungenutzten Großgeräte wie Spülmaschine oder Kühlschrank zumindest wieder eingesammelt. Doch bei Smartphones und Büroelektronik rangiert dieser Wert nur bei bescheidenen 14,1 Prozent (Eurostat 2020). Und der Recyclinganteil variiert stark zwischen den Mitgliedstaaten – 2017 wurden in Kroatien 81,3 Prozent des Elektro- und Elektronikabfalls recycelt, in Malta jedoch nur 20,8 Prozent.

"Solange die Bürger ihren Elektroschrott nicht zurückgeben, verkaufen oder spenden, müssen wir weiterhin neue Rohmaterialien fördern mit großem Schaden für die Umwelt", sagt Pascal Leroy, Direktor des WEEE Forums. So fordert er, die Hürden für eine Rückgabe in einen Recyclingkreislauf weiter zu senken und den Konsumenten das Recycling so noch einfacher zu machen.

"Elektroschrott ist einer der am schnellsten wachsenden Müllberge", sagt auch Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei. Um diesen Trend zu brechen, solle man Elektroschrott viel stärker als kostbaren Rohstoff begreifen und parallel länger haltbare Produkte entwickeln. Auch die CO2-Belastung des Klimas müsste dabei beachtet werden. Denn jede recycelte Tonne Elektroschrott entspricht der Vermeidung von etwa zwei Tonnen des Treibhausgases.

Tatsächlich wird vor allem in den Industrienationen unter dem Stichwort "Urban Mining" intensiv an Recyclingprozessen gearbeitet. "Eine Tonne Mobiltelefone ist reicher an Gold als eine Tonne Golderz", sagt Rüdiger Kühr, Direktor des UN-Instituts für Training und Forschung (UNITAR) in Bonn. Neben 24 Kilogramm Gold enthalten eine Million Mobiltelefone zusätzlich 15 Tonnen Kupfer, 350 Kilogramm Silber und 14 Kilogramm des Edelmetalls Palladium. "Wenn wir es nicht schaffen, diese Materialien zu recyceln, müssen wir diese aus Minen neu gewinnen und dabei die Umwelt belasten", so Kühr.

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Doch für die Recyclingfirmen ist das immer ein Rechenexempel: Solange die neu erschürften Edelmetalle auf dem Markt günstiger zu haben sind als Recycling-Metalle, lohnt sich das Investment in teure Recyclingfabriken nicht. Verpflichtende Vorgaben vom Gesetzgeber für höhere Recyclingsquoten könnten da allerdings helfen.

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(jle)