Impfpasspflicht in New York

Wer Bars, Restaurants und andere öffentliche Innenräume besuchen will, benötigt ab September eine Vakzinierungsnachweis.

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Macy's-Kaufhaus

Szene aus New York.

(Bild: Ajay Suresh CC BY 2.0)

Von
  • Lindsay Muscato

New York City wird die erste Stadt in den USA sein, die für die Nutzung zahlreicher öffentlicher Orte einen COVID-19-Impfnachweis verlangt. Negative Corona-Tests, so wie derzeit noch in Deutschland, reichen dann nicht mehr aus.

Ab dem 13. September, so erklärte Bürgermeister Bill de Blasio, brauche jeder einen solchen Nachweis, um etwa in Bars, Restaurants und Fitnessstudios gehen zu dürfen. Der "Key to NYC Pass" ("Schlüssel zu New York City", bei dem es sich verwirrenderweise um ein Programm und nicht um einen echten Pass handelt) ist Teil einer Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung der sich schnell ausbreitenden Delta-Variante. Denn in der ganzen Stadt steigt die Zahl der Fälle. Etwa 66 Prozent der Erwachsenen New York Citys sind vollständig geimpft – und die Behörden hoffen, dass die neuen Bestimmungen mehr Menschen dazu bewegen werden, sich die Vakzine geben zu lassen. Vorausgegangen war die Ankündigung der US-Seuchenschutzbehörde CDC, dass für Orte mit hoher Übertragungsrate, zu denen in den letzten Tagen auch New York gehört, in Innenräumen wieder Masken vorgeschrieben sind.

Der Maßnahmenkatalog beinhaltet auch Impfanreize wie etwa 100-Dollar-Guthabenkarten. "Ziel ist, jeden davon zu überzeugen, dass es jetzt an der Zeit ist", sagte de Blasio.

Um eine Broadway-Show zu besuchen, in einem Restaurant zu essen oder ein Fitnessstudio zu nutzen, muss man nachweisen, dass man mindestens eine Dosis des COVID-19-Impfstoffs erhalten hat – zwei Spritzen sind nicht notwendig. Zu den akzeptierten Nachweisen gehören der "Excelsior Pass", den der Bundesstaat New York Geimpften auf Wunsch gibt, sowie eine neue App der Stadt selbst, "NYC Covid Safe". Eine von der CDC ausgestellte Papierkarte, die Impfzentren austeilen, soll ebenfalls funktionieren.

Die neue Vorschrift gilt sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter der Einrichtungen – entsprechend kommt sie für Letztere einer Impfpflicht gleich. Einige Details sind noch nicht ganz geklärt. So ist zum Beispiel unklar, wie mit Kindern unter 12 Jahren umgegangen werden soll, die noch nicht geimpft werden dürfen. (De Blasio sagte, weitere Informationen würden Mitte August veröffentlicht.) Auch ist nicht klar, wie die Betreiber und Angestellten der Lokale mit der Mehrbelastung durch die Überprüfung ihrer Kunden umgehen sollen. Die neue Maßnahme sei "für einige sehr schwer umzusetzen und umstritten“, hieß es etwa von der NYC Hospitality Alliance, einem gemeinnützigen Gastgewerbeverband. Andere Unternehmen hingegen begrüßen den Schritt, weil sich die Maßnahmen, die bislang auf Freiwilligkeit beruhten, nun besser durchsetzen lassen.

Die NYC Covid Safe App ist sehr simpel gestrickt. Sie stellt keine direkte Verbindung zu den Servern der Behörde her. Stattdessen speichert sie einfach ein Bild des Impfpasses. Für Bürger, deren Impfdaten außerhalb ihres Bundesstaates gespeichert sind, ist das von Vorteil – denn die US-Impfdatenbanken sind nicht zentralisiert. Albert Fox Cahn, Leiter des Datenschutzprojekts Surveillance Technology Oversight, weist jedoch auf einige Nachteile hin. Da die städtische App im Grunde nur besagtes Foto speichert, akzeptiert sie so ziemlich alles als Impfnachweis, was die Fälschung von Ausweisen denkbar einfach macht. "Es ist mir ein Rätsel, wieviel Mühe man sich da macht, nur um quasi eine Kamera-App neu zu erfinden", sagt Cahn.

S. Mitra Kalita, Gründerin des COVID-Ressource Epicenter New York, meint, dass die Maßnahmen zwar notwendig seien, um die Delta-Variante zu bekämpfen. Aber die neue Technik dürfe nicht von dem größeren Ziel ablenken, mehr Menschen zu helfen, sich impfen zu lassen. "Viele Leute wissen immer noch nicht, dass Impfungen kostenlos sind", sagt sie. "Eine App ist eine Sache. Aber wir brauchen im Moment viele ganz andere Dinge."

Was Impf-Apps und COVID-19-Vorschriften anbelangt, haben die USA einen steinigen Weg vor sich: Einige Bundesstaaten haben die Nachweispflicht schlichtweg verboten. Anderswo ist man strikt. So haben sich in San Francisco Hunderte von Bars zu einer Allianz zusammengeschlossen, die einen solchen Nachweis verlangen. Und immer mehr Arbeitgeber schreiben inzwischen Impfungen vor, darunter so unterschiedliche Unternehmen wie Disney, Google und Tyson.

In Ländern wie Frankreich und Italien gibt es unterdessen Gegenreaktionen auf die jüngsten Vorschriften. So wird etwa in Großbritannien derzeit heftig darüber gestritten, ob ein Impfpass für den Zutritt zu Bars und anderen Innenräumen vorgeschrieben werden soll. Und Israel hat seinen "grünen Pass" zunächst gestrichen und dann wieder eingeführt, als Delta aufkam.

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(bsc)