Digitalisierung der Industrie: Wie Umati die Werkzeugmaschinen vernetzt

Mit der Schnittstelle Umati schaffen die Hersteller von Werkzeugmaschinen eine gemeinsame Sprache. So sollen etwa Störungen besser vorhergesagt werden.

Lesezeit: 5 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 7 Beiträge

(Bild: EMO)

Von
  • Marvin Strathmann
Inhaltsverzeichnis

Einstecken und loslegen. Das funktioniert mit USB an vielen Geräten hervorragend: Die Webcam nimmt sofort Bilder auf, man kann die Daten auf dem Stick schnell auf die Festplatte übertragen oder das Smartphone zieht sich den benötigten Strom und lädt den Akku.

In der Industrie ist es komplizierter. Dort konkurrieren unterschiedliche Maschinen miteinander, die verschiedene Standards einsetzen, um Daten zu übertragen. Wer mehrere Maschinen von unterschiedlichen Herstellern in seiner Fabrik einsetzt, musss sich daher auf viel Gefrickel einstellen, wenn er die Daten der Maschinen einheitlich überwachen oder anzeigen will – und Gefrickel bedeutet in diesem Fall: sehr viel Geld ausgeben.

In einem kleinen, aber wichtigen Teilbereich der Industrie möchte man das ändern. Die Hersteller von Werkzeugmaschinen arbeiten mittlerweile an einer Art USB-Standard für ihre Branche: Umati heißt die Schnittstelle. Das Akronym steht für universal machine tool interface; übersetzt ist Umati also eine universelle Schnittstelle für Werkzeugmaschinen.

Lernen Sie heise+ kennen

Lesen Sie diesen Beitrag gratis, um unser digitales Abo für IT und Technik kennen zu lernen – Tests, Ratgeber und Hintergründe: fundiert, kritisch, unabhängig. In heise+ steckt die geballte Kompetenz der Fachredaktionen heise online, c't, iX, Technology Review, Mac & i, Make und c't Fotografie.

Universelle Schnittstellen mögen sich im ersten Moment nicht sehr sexy anhören, aber sie bilden die Grundlage für die Digitalisierung der Industrie. Denn erst wenn Maschinen auf einfachen Wegen Daten bereitstellen und austauschen können, sind sie bereit für die oft kursierenden Schlagwörter in der Branche: Für Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge oder Big Data. Kurz: Die Versprechen der Industrie 4.0 erfüllen.

Entsprechend euphorisch hören sich Vertreter der Werkzeugmaschinen-Industrie an: "Ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass damit eine neue Ära in der Produktion eingeläutet wird", sagt Heinz-Jürgen Prokop. Er ist der Vorsitzende vom Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) und muss allein schon wegen seiner Position Begeisterung über Umati zeigen. Aber er hat recht, wenn er sagt, dass eine einheitliche Sprache von Maschinen, Anlagen und Software eine der wichtigsten Voraussetzungen sei, damit die Fertigung von der Digitalisierung profitiere.

Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW, (links) unterhält sich mit dem Minister für digitale Infrastruktur Andreas Scheuer (mitte) und Alexander Broos, dem Projektleiter von Umati beim VDW.

(Bild: EMO)

Der Drang zu einer gemeinsamen Schnittstelle kam nicht von den Herstellern selbst, sondern von ihren Kunden. Sie wollen mit den verfügbaren Daten ihre Effizienz steigern, ohne sich mit dutzenden Standards rumschlagen zu müssen. "Immer häufiger wurde von Kundenseite gefordert, dass sich Maschinen und Softwaresysteme in der Produktion miteinander vernetzen lassen müssen", sagt Prokop. "Kunden wollen in einer internetzentrierten Welt ihre Daten nutzen, um das Geschäft voranzubringen und zukunftsträchtig zu entwickeln." Wenn ihnen die Hersteller von Werkzeugmaschinen dabei nicht unterstützen, würden es andere tun.

Ihr exklusiver Zugriff auf das gesamte Wissen der größten unabhängigen IT-Fachredaktion Europas.

Jetzt entdecken!