Informatiker wollen herausfinden, ob Pilze eine Sprache haben

Forschern ist es gelungen, elektrische Kommunikationssignale zwischen verschiedenen Myzeten zu belauschen. Der "Wortschatz" soll erstaunlich groß sein.

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Eines der Untersuchungsobjekte war der gemeine Spaltblättling.

(Bild: Bernard Spragg. NZ / PD)

Von
  • Ben Schwan

Zielgerichtete Kommunikation ist aus der Tier- und sogar der Pflanzenwelt bekannt – einzelne Organismen einer Familie warnen einander beispielsweise vor Gefahren. Die Kommunikation läuft nur unterschiedlich schnell und auf unterschiedliche Arten ab: Akustische Signale sind hier nur eine Variante, es gibt auch hormonelle und elektrische Kommunikation. Doch was ist mit der komplexen Welt der Myzeten, vulgo: den Pilzen?

Eine Forschergruppe um den britischen Informatiker Andrew Adamatzky vom Department of Computer Science and Creative Technology an der University of the West of England, der dort das "Unconventional Computing Laboratory" leitet, hat es nun geschafft, elektrische Signale von vier Pilzspezies zu messen, die möglicherweise dazu dienen, sich untereinander zu verständigen. Von Einheit zu Einheit sorgen sogenannte Hyphae dafür, dass Teile des Organismus miteinander in Verbindung stehen.

Diese oft langen, faserartigen Strukturen belauschten Adamatzky & Co. mit sehr kleinen Elektroden, die sie in ein Myzelium-Substrat einführten. Das gelang beim Samtfußrübling, dem Spaltblättling, dem australischen Geisterpilz sowie der Puppen-Kernkeule.

Das Forscherteam konnte elektrische Ausschläge (Spikes) messen, die sich einer und 21 Stunden andauernden und 0,03 bis 2,1 mV betrugen. Die Spikes waren oft in Stößen feststellbar, aus denen die Forscher dann "Wörter" bildeten.

Die Wortlängen waren erstaunlicherweise menschlicher Sprache ähnlich, was sich aus einer Komplexitätsanalyse ergab. Bis zu 50 "Wörter" waren so feststellbar. Ob es sich dabei wirklich um sinnvolle Kommunikation handelt oder die Signale tatsächlich bedeutungslos sind, bleibt jedoch unklar.

Denkbar wäre, dass es sich um Informationen über Gefahren oder mögliche Verbreitungsgebiete handelt. Die Impulse nahmen etwa zu, wenn der Spaltblättling mit einem Holzblock in Kontakt kam, den er besiedeln könnte. "Wir wissen nicht, ob es eine direkte Verbindung zwischen den Mustern der elektrischen Ausschläge und menschlicher Sprache gibt. Vermutlich eher nicht", so Adamatzky gegenüber dem "Guardian".

"Andererseits gibt es viele Ähnlichkeiten in der Informationsverarbeitung lebender Substrate verschiedener Klassen, Familien und Species." Dies habe man vergleichen wollen, sagt Adamatzky. Zufällig scheinen die Muster jedoch nicht zu sein. Ein Impulsverhalten wurde zuvor schon in Pilznetzwerken festgestellt – hier diente es allerdings vermutlich dem Transport von Nährstoffen.

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(bsc)