Job im Robotaxi: Was der (Mit-)Fahrer zu tun hat

Liu Yang hat wohl einen der merkwürdigsten Jobs, den es gibt: Er sitzt auf dem Beifahrersitz und überwacht, ob sein KI-gesteuertes Fahrzeug alles richtig macht.

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(Bild: Baidu)

Von
  • Zeyi Yang
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Liu Yang hat Probleme beim Autofahren, seitdem er seinen jetzigen Job angetreten hat. "Ich habe mich einfach instinktiv auf den Beifahrersitz gesetzt. Und wenn ich fuhr, erwartete ich plötzlich, dass das Auto von selber bremst", sagt der 33-Jährige aus Peking, der seit Januar 2021 als Robotertaxi-Fahrer beim chinesischen Tech-Riesen Baidu arbeitet.

Wer an Orten wie San Francisco, Phoenix oder Shenzhen lebt, kennt die selbstfahrenden Taxis bereits, denn dort sind sie regelmäßig im Einsatz. Doch die Robotertaxis werden oft noch "gefahren". So schreibt die chinesische Regierung beispielsweise vor, dass eine Person im Auto anwesend sein muss – selbst wenn sie nicht kontrolliert, wie sich das Auto genau bewegt. Liu ist daher einer von Hunderten von "Fahrern" – oder sogenannten Sicherheitsoperatoren, wie sie in der Branche genannt werden –, die Baidu beschäftigt.

Der Beruf des Robotaxi-Sicherheitsfahrers ist ein Beruf, den es erst seit kurzem gibt. Er ist das Ergebnis einer sich schnell weiterentwickelnden Technik, die zwar fortschrittlich genug ist, den eigentlichen Fahrer – zumindest in kontrollierten Umgebungen wie feingliedrig abgemessenen Städten – loszuwerden, doch nicht fortschrittlich genug, um die Behörden davon zu überzeugen, dass sie den menschlichen Eingriff ganz abschaffen können, selbst wenn der Sicherheitsoperator nicht am Steuer sitzt.

Inzwischen sind Fahrzeug-KI-Unternehmen aus den USA, Europa und China dabei, die Technologie zu kommerzialisieren. Die meisten von ihnen, darunter auch Apollo, eine Tochtergesellschaft von Baidu, haben mit der Erprobung von Robotaxis auf öffentlichen Straßen begonnen, müssen aber noch mit verschiedenen Einschränkungen arbeiten.

Mit einem Uni-Abschluss als Associate im Bereich Personalwesen hat Liu keine wirkliche Ausbildung für diesen Job, aber er ist schon immer gerne Auto gefahren und hat früher einmal als Fahrer für seinen Chef fungiert. Als er von den selbstfahrenden Autos hörte, veranlasste ihn seine Neugier, online nach entsprechenden Stellen zu suchen und sich zu bewerben. Heute "fährt" Liu fünf Tage in der Woche ein Robotertaxi in Shougang Park, einem 3,3 Quadratkilometer großen ehemaligen Kraftwerksgelände in Peking, das zu einer Touristenattraktion umgestaltet wurde, nachdem es einst als Sportstätte für die Olympischen Winterspiele 2022 diente. Sein Auto darf den Bereich, der als Testgebiet für Robotertaxis ausgewiesen ist, allerdings nicht verlassen, so dass seine Fahrgäste in der Regel Menschen sind, die dort arbeiten – oder Touristen, die am Wochenende zu Besuch kommen.

Liu muss sich aber auch Gedanken über seine nächsten Schritte machen, da sein Job in einigen Jahren wahrscheinlich wegfallen wird. In seiner 19-monatigen Laufbahn als Sicherheitsfahrer hat er bereits mehrere Robotertaxi-Modelle erlebt – sowie Veränderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen. Im April 2021 erwarb Baidu die Lizenz, den Sicherheitsoperator auf den Beifahrersitz statt auf den Fahrersitz zu setzen (allerdings nur in Shougang Park), woraufhin Liu seine Position wechselte und sich vom Lenkrad verabschiedete. Am 21. Juli 2022 stellte Baidu dann sein neues Robotertaxi-Modell vor, bei dem das Lenkrad sogar ganz entfernt werden kann. Es soll im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden.

MIT Technology Review sprach bereits im Juni mit Liu Yang. Wir haben ihn gefragt, wie er zu diesem Job gekommen ist, wie sein Alltag ist und wie für ihn die Zukunft eines Berufs aussieht, der bald verschwinden wird. Das Interview wurde aus dem Chinesischen übersetzt und zur besseren Verständlichkeit bearbeitet.

Herr Yang, wie sind Sie dazu gekommen, Sicherheitsoperator für ein selbstfahrendes Taxi zu werden?

Das war eher Zufall. Als ich einmal das Auto für meinen damaligen Chef einparkte, wusste ich noch gar nicht, was selbstfahrendes Fahren ist. Ich sah nur, dass sein Auto eine Parkautomatik hatte. Ich war super neugierig darauf. Es war wirklich interessant, als wir "Normalos" es zum ersten Mal ausprobierten. Danach wollte ich mehr wissen.

Wie lange fahren Sie schon Auto?

Zwölf oder dreizehn Jahre.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie das Vorstellungsgespräch ablief?

Ich war extrem nervös, als ich zum Vorstellungsgespräch kam. Es gab zwei Runden, ein persönliches Gespräch und einen Fahrtest. Ich glaube, die Prüfung für selbstfahrende Autos ist schwieriger als die Prüfung für den regulären Führerschein. Wenn man das Autofahren lernt, muss man nach links, rechts und in den Rückspiegel schauen, aber bei der Prüfung [für Baidu] muss man auf alle Richtungen achten und auch darauf, was die Autos vor und hinter einem machen. Vielleicht wechselt ein anderes Fahrzeug plötzlich die Spur und stößt mit einem zusammen.