KI-Startup für die Aquakultur: Die Fischversteher

MonitorFish setzt KI ein, um Fische in Aquakulturen zu überwachen. Die Technologie könnte einen wichtigen Beitrag für die zukünftige Sicherung der weltweiten Ernährung liefern.

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Fische unter Beobachtung: In der Röhre steckt der Prototyp ­einer Kamera, die das ­Gewicht und die Aktivität von Fischen in Aquakulturen ermittelt.

(Bild: Wolfgang Stieler)

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  • Wolfgang Stieler

Alles fast wie immer: Das Büro auf dem Berliner Euref-­Campus ist klein und spartanisch. Gleich vorn am Eingang steht der schon sprichwörtliche Kasten mit szenetypischen Erfrischungsgetränken, und im Besprechungsraum ist tatsächlich eine Tischtennisplatte aufgebaut. Was MonitorFish jedoch von anderen Start-ups unterscheidet, ist ein Aquarium, in dem ein paar Tilapias schwimmen, afrikanische Buntbarsche, die in Fischfarmen äußert beliebt sind. Links unten in der Ecke des Aquariums liegt ein Zylinder mit einem glänzenden Deckel.

Und dort steckt drin, was MonitorFish so spannend macht: Das Start-up hat ein System entwickelt, das Fische in Aqua­kulturen automatisch überwacht. Sensoren analysieren die ­Wasserqualität, während ein Kamerasystem – der Zylinder ­enthält einen Prototyp – die Masse, Aktivität und Gesundheit der ­Fische analysiert. Die Idee überzeugte das Fraunhofer-­Institut für Graphische Datenverarbeitung (IDG) so sehr, dass es sich entschloss, MonitorFish zu einem von Fraunhofer Venture ­geförderten Partner-Start-up zu machen. 2018 gewannen die Berliner dann einen Start-up-Wettbewerb von Fraunhofer Venture und bekamen 2019 Startkapital vom Fraunhofer Technologie-Transfer Fonds.

Aquakultur ist mittlerweile der weltweit am schnellsten ­wachsende Produktionszweig für Lebensmittel. Bis 2030 sollen 60 Prozent der weltweiten Fischversorgung aus Aquakultur stammen. Allerdings ist das Geschäft bislang nicht sonderlich effizient, ­erklärt Chaitanya Dhumasker, Mitgründer und Geschäftsführer von MonitorFish: Im Schnitt sterben rund 40 Prozent der eingesetzten Jungfische an Stress, Krankheiten, zu ­wenig Futter – oder auch zu viel Futter. Denn nicht verbrauchtes ­Futter sinkt auf den Boden des Fischtanks und verrottet, was die Wasserqualität drastisch verschlechtert. In manchen Fällen gehen 60 Prozent des eingestreuten Futters in den Abfall.

(wst)