KI soll Entwicklungsländern helfen

In Indien detektiert Künstliche Intelligenz Missernten und untergewichtige Babys.

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KI soll Entwicklungsländern helfen
Von
  • James Temple

Firmen und Non-Profit-Organisationen suchen nach neuen Wegen, Probleme in den Entwicklungsländern zu lösen. Werkzeuge aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz werden unter anderem eingesetzt, um die Ernteausbeute zu erhöhen, die Kindersterblichkeit zu senken und die Wirtschaft zu stärken. Dieses zeigten mehrere Vorträge auf der jüngsten EmTech-Konferenz der US-Ausgabe von Technology Review in San Francisco.

Solomon Assefa, der den Forschungslabors von IBM in Kenia und Südafrika vorsteht, erklärte, seine Firma habe KI verwendet, um landwirtschaftliche Ergebnisse in bestimmten Regionen akkurat vorherzusagen – unter anderem basierend auf sich verändernden Wettermustern, Bodenfeuchte und anderen Faktoren.

Die Wachstumsprognosen helfen örtlichen Farmern dabei, Geldmittel einzuwerben, um ihren Betrieb zu erweitern. Zudem können sie bessere Entscheidungen im Bezug auf Saatgut und passenden Dünger treffen und die ideale Zeit zur Aussaat und Ernte wählen.

Das IBM-Labor arbeitet außerdem mit dem Start-up Hello Tractor zusammen, das Bauern, die Landmaschinen brauchen, mit Besitzern passenden vermietbaren Gerätes in Verbindung setzt. IBM gibt dabei Nachfrageprognosen ab, die dabei helfen, Flotten gegebenenfalls zu vergrößern und das wirtschaftliche Ergebnis zu verbessern.

Rahul Panicker, Innovationschef des Wadhwani Institute for Artificial Intelligence, betonte, wie wichtig KI für die Landwirtschaft mittlerweile ist. Seine Organisation arbeitet in Indien mit Baumwollfarmern zusammen.

So entstand ein Bildanalysewerkzeug, das Insektenfallen untersuchen kann, um Arten und Umfang von Schädlingsvorfällen in nahezu Echtzeit festzustellen. Anschließend gibt es Ratschläge, welche Pestizide wirken und vor allem, welche Mengen zu nutzen sind. Das hilft auch der Umwelt.

Panicker berichtete, wie die indischen Baumwollfelder in den letzten Jahren vom roten Baumwollkapselwurm befallen und dezimiert wurden. Die Ernte ging zurück und die Kosten stiegen, zudem wurden Bauern gezwungen, ihre Produktion auf andere landwirtschaftliche Güter umzustellen. Diese und andere bäuerliche Schwierigkeiten sollen Auslöser einer Welle von Selbstmorden sein.

Panicker beschrieb auch, wie Gesundheitsmitarbeiter direkt vor Ort KI und maschinelles Lernen nutzen, um das Gewicht von Neugeborenen in Indien zu prognostizieren, um dafür zu sorgen, dass Kinder nicht untergewichtig bleiben. Millionen dieser Babys sterben im ersten Jahr – falls sie überleben, können sie ihr Leben lang an Gesundheitsproblemen leiden.

Die Technik ist einfach zu benutzen: Pflegepersonal nutzt Smartphones, um Videos von Säuglingen aufzunehmen. Die KI-Software von Wadhwani baut daraus dann 3D-Modelle um abzuschätzen, wie Gewicht, Größe und Körperumfang ausfallen.

Sind die Kleinen nur moderat untergewichtig, geben die Gesundheitshelfer den Müttern den Rad, ihre Kinder häufiger zu füttern und sie besser zu wärmen. Bei schwer Untergewichtigkeit werden die Eltern gebeten, sofort in die nächste Klinik zu gehen.

(bsc)