Kia Rio: Mildhybrid mit Segelfunktion

Die Verbrauchsvorgaben werden auch fürs B-Segment immer relevanter. Kia baut nun im Kleinwagen Rio zum üblichen Startergenerator auch eine Segelfunktion ein.

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Bald mit Hybrid- und Segelfunktion kommt der überarbeitete Kia Rio heraus.

(Bild: Kia)

Von
  • Florian Pillau

Kia überarbeitet seinen Kleinwagen Rio. Der Hersteller kündigt neue Sicherheits- und Infotainment-Technologien und eine modernisierte Antriebspalette an. Die Motorisierung 1.0 T-GDI 120 mit 88 kW bekommt einen Riemen-Startergenerator mit einer zusätzlichen 48-Volt-Batterie sowie ein „intelligentes Schaltgetriebe“ (intelligent Manual Transmission, iMT) oder wahlweise ein Sieben-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe (DCT). Damit soll der Kia Rio nun rund neun Prozent weniger verbrauchen als der noch aktuelle (Fahrbericht).

Kia Rio Mildhybrid mit Segelfunktion (9 Bilder)

Die vom Zulieferer Bosch vor rund acht Jahren vorgestellte "e-Clutch" besteht nur aus zwei zusätzlichen Bauteilen. Kupplung und Getriebe können unverändert übernommen werden. Dass Kia Boschs Bauteile verwendet, ist wahrscheinlich. Dann wäre übrigens auch der Bremskraftverstärker elektrisch statt pneumatisch betätigt.
(Bild: Bosch)

Das Mildhybridsystem, das Kia EcoDynamics+ nennt, arbeitet mit der üblichen Konfiguration aus einer 48-Volt-Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit voraussichtlich knapp unter einer halben kWh Kapazität und einem Riemen-Startergenerator an der Kurbelwelle. Wenn es sinnvoll ist, unterstützt er den Ottomotor und kappt so dessen verbrauchsintensivste Lastbereiche. Beim Bremsen, Bergabfahren oder Rollen kann er Strom in den Akku zurückspeisen. Bei Konstantfahrt unter Teillast kann er nebenher die Last und damit die Effizienz des Verbrenners erhöhen und elektrische Energie auf die Seite bringen.

Im Gegensatz zu fast allen anderen milden Hybridisierungen aber bietet der kommende Rio zusätzlich eine Segelfunktion. Beim Schaltgetriebe setzt Kia eine elektronisch gesteuerte, elektrisch betätigte Kupplung („Clutch-by-wire“) ein, die vom Fahrer wie gewohnt per Pedal betätigt wird. Darüber hinaus kann die Kupplung aber auch von einem Steuergerät getrennt werden. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn in einer lang dauernden Ausrollphase der mitgeschleppte Motor den Wagen zu stark abbremsen würde. Die Bezeichnung „intelligentes Schaltgetriebe“ ist insofern irreführend, als es sich dabei in keiner Weise um eine Funktion des Getriebes sondern vielmehr um eine Zusatzfunktion der Kupplung handelt. Beide Bauteile bleiben ja auch weiterhin vollkommen getrennte Einheiten.

Im wahlweise gegen Aufpreis erhältlichen Doppelkupplungsgetriebe läuft die Betätigung der beiden Kupplungen ohnehin immer automatisch – hier war diese Funktionserweiterung lediglich durch ein paar zusätzliche Zeilen Programmcode möglich.

Das serienmäßige Stopp-Start-System kann den Motor nun schon abstellen, wenn Brems- und Kupplungspedal gleichzeitig gedrückt sind. Sobald sie gelöst werden, startet der Motor wieder im zuvor eingelegten Gang. Bisher ließ sich das System nur per Kupplung und im Leerlauf aktivieren.

Der Ein-Liter-Benziner mit Abgasturboaufladung wurde in der kräftigen Ausbaustufe als 1.0 T-GDI 120 dank einer variablen Ventilsteuerung gleichzeitig sparsamer und kräftiger. Sie bringt es nun auf ein 16 Prozent höheres maximales Drehmoment von 200 Nm. Neben der 88-kW-Version bietet Kia zwar weiterhin die Version mit 74 kW an. Der elektrifizierte Antrieb wird in Deutschland jedoch nur mit der stärkeren Version angeboten. Die drei Fahrmodi „Eco”, „Normal”, „Sport” sind dann Serie.

Der Kia Rio 1.0 T-GDI 120 EcoDynamics+ erreicht gleichzeitig den niedrigsten Verbrauch von kombiniert 4,5 l/100 km, entsprechend 104 g/km CO2 mit manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe, das nun Serie für beide Dreizylinder ist. 4,6 l/100 km (107 g/km) sind es mit dem Doppelkupplungsautomaten, das für beide Dreizylinder erhältlich ist - wie üblich ermittelt im WLTP und zurückgerechnet auf den NEFZ. Die Einstiegsmotorisierung, ein 1,2-Liter-Ottomotor ohne Aufladung mit 62 kW kommt hingegen auf 5,3 l/100 km und 120 g/km, obwohl Kia ihn laut Pressemitteilung unter anderem mit einem verbesserten Einspritzsystem ertüchtigt hat.

Der überarbeitete Kia Rio bietet einen größeren Touchscreen mit Split-Screen-Funktion in einer Größe von nun acht statt sieben Zoll. Das Infotainmentsystem ermöglicht zudem Bluetooth-Mehrfachverbindungen, etwa zum gleichzeitigen Telefonieren und Musik hören. Serienmäßig sind nun Android Auto und Apple CarPlay. Das Navigationssystem verfügt über die neuen Online-Dienste UVO Connect mit dem Service Kia Live und der Kia UVO-App für Verkehrsinformationen in Echtzeit, Wettervorhersagen, POI-Suche, aktuelle Kraftstoffpreise sowie die Anzeige von Parkmöglichkeiten inklusive Preisen und Verfügbarkeit und vieles mehr. Die Bedienung soll von onlinegestützter Spracherkennung profitieren.

Zu Frontkollisionswarner, aktivem Spurhalteassistenten, Spurwechselassistent, Querverkehrswarner, Müdigkeitswarner und Fernlichtassistent kommen im Modelljahr 2021 bei den Automatikversionen ein Stauassistent, ein adaptiver Tempomat mit Wiederanfahr-Funktion, Totwinkelwarner mit aktivem Lenkeingriff und ein Querverkehrswarner hinten inklusive Notbremsfunktion dazu. Unabhängig vom Getriebe wird eine Verkehrszeichenerkennung für Geschwindigkeitsbegrenzungen und ein Ablenkungswarner bei stehendem Verkehr erhältlich sein.

Die üblichen Änderungen an den vorderen und hinteren Plastikenden der Karosserie sollen den Kia nun „entschlossener” wirken lassen. Zudem sind unter anderem nun LED-Scheinwerfer mit integriertem Tagfahrlicht sowie höhenverstellbarer Beifahrersitz erhältlich. Kia will das verbesserte Modell ab drittem Quartal 2020 anbieten. Preise wurden noch nicht genannt, fürs aktuelle Modell liegen sie zwischen 12.150 und 23.850 Euro.

(fpi)