Klima: Mit Forschern den CO2-Sündern auf der Spur

Wetterextreme häufen sich. Nun fordern Rechtsexperten, die CO2-Emittenten auf Schadenersatz zu ver­klagen, um dem Klimawandel einen Preis zu geben.

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(Bild: Illustration: Miguel Porlan)

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Klima ist das, was man erwartet, und Wetter ist das, was man bekommt. Weil das Wetter so launenhaft ist, haben Meteorologen bisher immer einen Standardspruch aufgesagt, wenn sie erklären sollten, ob an extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen oder Überschwemmungen die Klimakrise schuld sei: "Der Klimawandel zeigt sich nur in langfristigen Trends, einzelne Ereignisse lassen sich nicht auf ihn zurückführen."

Doch der Satz gilt nicht mehr. In den letzten Jahren hat sich ein Wissenschaftsgebiet etabliert, dem genau diese Zuordnung gelingt – die sogenannte Attributionsforschung. Sie revolutioniert nicht nur die Klimawissenschaft, sondern hat auch direkte Folgen für den Klimaschutz: Sie schließt das letzte Glied in der Beweiskette, um diejenigen Unternehmen vor Gericht zu bringen, die den Rohstoff für die Krise liefern. Chevron, Gazprom, ExxonMobil, BP und Shell, aber auch RWE und die Ruhrkohle AG müssten dann zahlen. Im Raum stehen Beträge in Milliardenhöhe für Schäden und Todesopfer durch Wirbelstürme, Waldbrände, Hitze, Dürren oder Starkregen.

"Wir stellen die Klimawissenschaft quasi vom Kopf auf die Füße", sagt Friederike Otto, Physikerin und geschäftsführende Direktorin des Instituts für Umweltveränderungen an der Universität Oxford. Sie ist Mitinitiatorin der Initiative World Weather Attribution und eines der Gesichter des neuen Forschungszweigs. 2017 konnte Otto nachweisen, dass der Klimawandel die damaligen Hitzewellen am Mittelmeer vermutlich 100-mal wahrscheinlicher gemacht hat, mindestens jedoch zehnmal wahrscheinlicher. Für die Gluthitze im letzten Juli in Westeuropa hat sie errechnet: 10- bis 100-mal so wahrscheinlich durch den Klimawandel.

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