Kommt die Müllabfuhr bald elektrisch?

Nicht nur in der Personenbeförderung haben Elektroautos großes Potenzial: Start-ups wollen auch Nutzfahrzeuge sauberer und leiser machen – mit einer Kombination aus Akkus und Gasturbinen. Tesla könnte folgen.

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Von
  • Michael Reilly

Allmählich zeigen sich mehr Elektroautos auf den Straßen, doch auch bei einer anderen Art Fahrzeug steht eine Elektrifizierung an: Müllautos.

„In fünf Jahren wird es nur noch elektrische Müllautos geben“, sagte Ian Wright, Gründer des Start-ups Wrightspeed, dem Online-Magazin Quartz. Er entwickelt einen Lastwagen, der außer mit einer Batterie mit einer Erdgasturbine ausgestattet ist und mit Dieselmotoren angetriebene Müllautos ersetzen soll.

Wrightspeed und ein weiteres Unternehmen namens Nikola Motor Company setzen voll auf die Kombination aus Erdgas und Strom (das Ergebnis sollen jeweils „emissionsfreie Fahrzeuge“ sein, doch Details dazu wurden bislang nicht genannt). Wrightspeed hat ein Video veröffentlicht, auf dem sein Lastwagen durch eine Wüste rast, Nikola kündigt eine große Vorstellung im Dezember an.

Müllautos in den USA kommen derzeit mit einer Gallone Treibstoff (rund 3,8 Liter) etwa fünf Kilometer weit, was durchschnittlich 42.000 Dollar Treibstoffkosten pro Jahr verursacht. Damit sind sie hervorragende Ziele für einen Ersatz durch effizientere Fahrzeuge. Wie Wright einräumt, ist sein Produkt derzeit 150.000 Dollar teurer als normale Diesel-Laster (die ebenfalls etwa 150.000 Dollar kosten). Kommunen und private Entsorgungsfirmen würden so viel Geld wohl kaum ausgeben, selbst wenn es auf lange Sicht günstiger ist.

Nikola Motor wiederum hat sich vorgenommen, die Zugmaschine von Lastzügen zu ersetzen. Das Unternehmen verspricht ein Fahrzeug, das 40 Tonnen über 1000 Meilen befördern kann, bevor es nachtanken muss.

Bei so viel Aktivität darf auch der Elektroauto-Pionier Tesla Motors nicht fehlen (Wright war an seiner Gründung beteiligt). Vor kurzem ließ das Unternehmen durchblicken, bald in das Rennen um den ultimativen sauberen Lastwagen einzusteigen – möglicherweise schon im nächsten Jahr könnte der Tesla Semi vorgestellt werden. Noch offen ist, ob Tesla seiner bisherigen Linie mit reinem Batterieantrieb treu bleibt, sich ebenfalls für eine Kombination aus Strom und Gas entscheidet oder noch ganz andere Pläne verfolgt (vielleicht sogar einen Master-Plan).

Die Vision von elektrifizierten Langstrecken-Lastwagen und Müllautos mit sauberen und leisen, aber dennoch starken Antrieben ist mit Sicherheit attraktiv. Nicht viele Stadtbewohner wären traurig, wenn sie am Müllabholtag künftig nicht mehr um 5 Uhr morgens von dröhnenden Dieselmotoren geweckt würden. Und auch die ökologischen Vorteile könnten enorm sein – schwere Lastwagen machen mehr als ein Fünftel der Kohlendioxidemissionen im US-Transportsektor aus.

Andererseits: Große Träume sind schön und gut. Der schnellste Weg zu umweltfreundlicheren Nutzfahrzeugen führt aber vielleicht eher über weniger aufregende Konzepte wie effizientere Diesel-Motoren oder Lastwagen, die Strom aus Oberleitungen beziehen.

(sma)