Konkurrenz zu Starlink: Stratosphärenflieger sollen Internet-Zugang bringen

Elon Musk und Softbank wetteifern um den Aufbau des Satelliten-Netzes. Die HAPS-Allianz will nun mit etwas tiefer fliegenden Sendestationen kontern.

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(Bild: CG Alex/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Kölling

Mobilstationen durch Ballons oder Flugzeuge in der Stratosphäre ist bisher ein unerfüllter Traum. Erst Anfang des Jahres wickelte der Internetriese Alphabet wegen fehlender Gewinnaussichten sein Moonshot-Projekt Loon ab, das mit hochfliegenden Ballons Internet zu den armen Massen in Entwicklungsländern bringen wollte. Doch das globale Konsortium für die "High Altitude Platform Station" (HAPS), dem auch Airbus und die Deutsche Telekom angehören, gibt nicht auf: Am Montag fand das erste Gipfeltreffen der HAPS-Allianz statt, um der im Sinkflug befindlichen Idee wieder mehr Auftrieb zu verleihen.

Kommerzielle Dienste für das Internet aus der Luft könnten 2027 abheben, verhieß Ryuji Wakikawa, Vizepräsident von Japans Mobilnetzbetreiber Softbank Corp. und nicht zufällig Hauptsprecher beim öffentlichen Auftakt der zweitägigen Internetkonferenz. Das japanische Mobilnetz des globalen Tech-Investors Softbank hält an der Idee fest und hat gerade die Patente von Loon erworben. Wakikawa gab sich daher optimistisch: "Die Herausforderung ist nicht die Technologie, sondern nationale Regeln und die Akzeptanz am Markt."

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Für Wakikawa steht die globale Telekomunikationsindustrie damit vor einem Paradigmenwechsel. Die Netzwerkstrategie verschiebe sich "von der Abdeckung des größtmöglichen Teils der Bevölkerung zur gesamten Landmasse", erklärte der Softbanks-Mitarbeiter für das hauseigene Unternehmen HAPS Mobile. Und seine Begründung ist das "Internet der Dinge."

Mit den neuen 5G-Netzen werden nicht nur mehr Menschen vernetzt, sondern auch Maschinen, Messtationen und Sensoren, argumentierte Wakikawa – und dies auch in entlegenen Regionen, die bisher mangels Menschen nicht abgedeckt werden würden. Daher wetteifern seit Jahren verschiedene Unternehmen mit Ideen, Internetzugang ohne irdische Basisstationen in allen Winkeln der Welt zu ermöglichen.

Die HAPS-Allianz ist ein der Mitstreiter. Die Anbieter wollen dafür Ballons, Luftschiffe oder mit Sonnenstrom betriebene Leichtflugzeuge mit großer Spannweite 20 Kilometer hoch in die Stratosphäre aufsteigen lassen, wo die fliegenden Basisstationen für Monate kreisen können. Allerdings konkurriert die Idee mit dem Satelliten-Internet, das sich prominenter Unterstützung erfreut.

Kein geringerer als Tesla-Gründer Elon Musk verteilt mit seinem Weltraumunternehmen SpaceX bereits Satelliten für sein Starlink-Projekt in erdnahen Umlaufbahnen. Erst im Oktober twitterte Musk, dass Kunden über sein All-gegenwärtiges Netz auch in Flugzeugen nicht auf Breitbandinternetdienste verzichten müssten. Auch Softbank wettet mit einem Investment in das Start-up OneWeb auf die Basisstationen im All.

Aber für Wakikawa bleibt HAPS eine Alternative zu dem teuren Satelliten-Internet. Aspekte sind die geringeren Startkosten für die Stratosphärenflieger, ein anderer die geringere Zeitverzögerung beim Datentransfer. Bei Satelliten betrage die sogenannte Latenz 20 bis 500 Millisekunden, bei einem HAPS-Netz nur 0,3 Millisekunden, wirbt er. Außerdem plädiert er dafür, Satelliten- und Stratosphären-Internet nicht als Konkurrenz anzusehen, sondern zwei Technologien, die sich ergänzen.

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Doch bei allem Enthusiasmus schimmerte bei der digitalen Tagung auch durch, dass bisher ein tragfähiges Geschäftsmodell für das HAPS-Netz fehlt. Noch sind die Kosten zu hoch, um die soziale Mission zu erfüllen, auch den ärmsten Menschen in den entlegensten Regionen der Welt Zugang zum Internet zu verschaffen.

Eine wichtige Forderung in der Online-Konferenz war daher eine volle Automatisierung der schwebenden Basisstationen. "Wir brauchen ein autonomes Flottenmanagementsystem", sagte Andy Thurling, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Aviation in der HAPS-Allianz. Aber auch er gibt sich zuversichtlich. 2020 habe die Arbeitsgruppe damit zugebracht, ihren Zweck zu definieren. "Nun sind wir im Betriebsmodus."

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(jle)