Kopfarbeit: 70 Jahre Arai-Helme

Seit 70 Jahren entwickelt die japanische Marke Arai Motorradhelme. Kaum eine Firma macht sich so einen Kopf um die Sicherheit von Kradfahrern.

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Eigentlich war Arais erster Motorradhelm ein Freundschaftsdienst. Hirotake Arai war gelernter Hutmacher und hatte in den 1930er-Jahren eine Manufaktur für Bergbauschutzhelme gegründet. Doch seine große Leidenschaft galt dem Motorradfahren und er fuhr selber Rennen. Motorradhelme glichen damals eher halbierten Eierschalen und hatten auch ungefähr deren Konsistenz. Als einige Freunde an der Rennstrecke Arai baten, für sie Schutzhelme zu bauen, machte er sich mit Eifer ans Werk und stellte 1950 seinen ersten Motorradhelm mit einer Schale aus Fiberglas, Epoxidharz und einer Innenschicht aus EPS (Styropor) fertig. Es war der Beginn einer Weltmarke.

Arai tüftelte immer weiter und fertigte ab 1952 Helme in Serie. Er entwickelte die sogenannte „Bag molding“-Technik, bei der die Helme in zwei Metall-Halbkugeln gepresst wurden. Das Konzept wird bis heute von Arai verwendet. Zwar baute zeitgleich die Firma Bell in Kalifornien ebenfalls Motorradhelme, aber im damals wirtschaftlich noch weitgehend abgeschotteten Japan wurde Arai zum Alleinanbieter und taufte die Firma zunächst auf seine Initialen HA.

70 Jahre Arai-Helme (17 Bilder)

Mitchio „Mitch“ Arai ist der Sohn des Firmengründers Hirotake und seit 1986 leitet er Arai. Er trat bereits 1962 in das Geschäft ein und erwies sich als ebenso begabter Tüftler und Motorradenthusiast wie sein Vater. Er fährt mit 81 immer noch gerne seine Ducati Monster.

Motorradrennen waren in den 1950er Jahren in Japan sehr populär und rasch fuhren viele Fahrer mit HA-Helmen. Ein gewisser Soichiro Honda wandte sich bald an Hirotake Arai, um von ihm mit Helmen für seine Motorradmanufaktur beliefert zu werden. Es sollte sich daraus eine lebenslange Freundschaft zwischen den beiden Firmengründern und Giganten der Motorradindustrie entwickeln.

In den 1960er Jahren expandierte die Marke HA ins Ausland und hatte natürlich die USA als größten Motorradmarkt der Welt im Visier. Das Problem lag darin, dass es keine Helmpflicht gab. Hirotake Arai versuchte daher, die Motorradfahrer über den Sicherheitsaspekt zum Kauf zu bewegen. HA schaffte es 1963 als erste Marke, einen Helm gemäß der neuen SNELL-Norm (das amerikanische Pendant zur europäischen ECE-Norm) zu bauen. Es dauerte eine Weile bis HA auf dem von der Marke Bell dominierten US-Markt Erfolg hatte.

1970 überredete der amerikanische Importeur George S. Nicholson Hirotake Arai den Markennamen von dem etwas langweiligen „HA“ in das griffigere „Arai“ umzuwandeln. Trotz einiger Bemühungen konnte Arai erst 1978 einen amerikanischen Rennfahrer, Ted Boody Jr., überzeugen, einen ihrer Helme zu tragen. Der zweite Vertragspartner war ein sehr junger Fahrer aus Louisiana namens Freddie Spencer und sollte sich als Glücksfall erweisen. 1983 wagte Arai den Sprung nach Europa und gründete eine Zentrale in den Niederlanden.

Hirotakes Sohn Michio hatte bereits im zarten Alter von sieben Jahren mit dem Motorradfahren begonnen und später in den USA studiert. 1962 stieg „Mitch“, wie er seit seinem Aufenthalt in Amerika genannt wurde, in die Firma in Omiya nahe Tokyo ein und erwies sich bald als ebenso geschäftstüchtig und innovativ wie sein Vater. Er tüftelte nächtelang über Verbesserungen an den Helmen. Mitch empfand die Modellpalette als zu klein und verkündete 1976, aus Arai den Nummer-1-Helm in der Welt machen zu wollen.

Arai engagierte sich sehr im Rennsport und als erster holte „Fast“ Freddie Spencer 1983 auf Honda einen WM-Titel mit einem Arai-Helm, zwei Jahre später wurde er sogar Doppelweltmeister in der 250er- und 500er-Klasse. Es sollten noch unzählige WM-Erfolge für Arai folgen und die Liste der Arai-Fahrer liest sich wie ein „who is who“ des Rennsports: Mick Doohan, Kevin Schwantz, Dani Pedrosa, Nicky Hayden, Randy Mamola, Joey Dunlop, Luca Cadalora, Kenny Roberts Jr., Johnny Rea, Colin Edwards, Cal Crutchlow, Maverick Vinales, Michael Dunlop und Ian Hutchinson, um nur einige zu nennen.

Tragen die Top-Fahrer einen Arai-Helm, kurbelt das auch den Verkauf an. Doch viele Motorradfahrer entscheiden sich nicht nur deshalb für einen Arai-Helm, weil ihr Idol einen trägt, sondern, weil sie als extrem sicher gelten. Arai legte schon immer auf zwei Dinge großen Wert: Die Helmschale muss sehr hart sein, damit keine Gegenstände sie eindrücken oder gar durchbohren können. Deshalb baut Arai auch keine Helme mit integrierten Sonnenblenden, weil sie die Schale schwächen. Zweites Merkmal: ein Arai-Helm ist glatt und hat keine Kanten oder feste Anbauteile an der Schale. Dafür schuf Arai ein Konzept, das firmenintern „R75“ genannt wird.

Dabei handelt es sich um eine gebogene Schablone, die auf 75 Millimeter Länge eine bestimmte Krümmung hat. Die Helmschale muss diesem Krümmungswinkel entsprechen, denn damit kann der Helm bei einem Sturz des Fahrers am besten über den Asphalt gleiten. Alle Anbauteile, wie z. B. die Luftkanäle, sind so konstruiert, dass sie bei einem Aufprall sofort abbrechen und sich nicht mit dem Asphalt verhaken können. Als Verschluss kommt für Arai nur ein Doppel-D-Verschluss in Frage, weil er im Vergleich zu Klick-Verschlüssen die höhere Reißfestigkeit bietet.