Menü

Kostenfalle Creative-Commons-Bilder

Freier Austausch von Bildern, Musik und Texten ist das Ziel der Creative-Commons-Lizenzen. Doch Trittbrettfahrer versuchen, Nutzer zur Kasse zu bitten.

Lesezeit: 6 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 2 Beiträge

(Bild: Thorsten Hübner)

Von

Inhaltsverzeichnis

Der Text für die Vereins-Website ist fertig, fehlt nur noch ein passendes Bild. Schnell ist die Google-Bildersuche angeworfen. Doch Obacht: Man will ja keine Urheberrechte verletzen und wählt daher den Filter für frei verwendbare Bilder. Und schon findet sich ein hübsches Symbolfoto bei Flickr, das unter Lizenz von Creative Commons (CC-Lizenz) steht. Doch einige Zeit später flattert eine Rechnung über mehrere hundert Euro rein. Der Fotograf weist auf die Nichteinhaltung der Lizenzbedingungen hin und verlangt Schadensersatz. Der entspricht der doppelten Höhe der Lizenzgebühr, die dem Fotograf laut einer Referenztabelle eines Interessenverbands zustehen. Kann das sein?

Klar ist: Eine freie Lizenz bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt. Der Lizenzbaukasten auf der Creative-Commons-Website spuckt sieben unterschiedliche Lizenzen aus. Hinzu kommen die veralteten, aber noch geläufigen Lizenzen aus früheren Jahren. Jede von ihnen hat ihre Eigenheiten, aber es gibt eine Grundregel: Urheber, Titel und Lizenz muss man nennen und verlinken. Laien vergessen diese Pflichtangaben aber regelmäßig oder zeigen sie nicht korrekt an. Da wird der Titel vergessen oder als Urheber schlicht "Flickr" oder "Wikipedia" genannt, was eigentlich immer falsch ist. Und anstelle einer konkreten CC-Lizenz wie "Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0", oder zumindest deren Abkürzung "CC BY-SA 4.0", wird als Lizenz nur unspezifisch "Creative Commons" angegeben.

Leider machen sich diesen Schlendrian einige findige Rechteinhaber zunutze. Sie erzeugen reihenweise generische Symbolfotos oder Textbilder zu aktuellen Begriffen und Hashtags. Diese platzieren sie mit guten Schlagworten versehen in den ersten Treffern von Bildsuchmaschinen. Sobald jemand die Bilder unsachgemäß nutzt, schlagen die selbsternannten Hüter des Urheberrechts zu und versenden Rechnungen oder beauftragen Anwälte mit einer Abmahnung. Eine andere nennenswerte monetäre Verwertung der Bilder gibt es meist nicht. Auch wenn einen diese Masche ärgert und der Idee von Creative Commons zuwider läuft, so bewegen sich CC-Lizenzen eben auch nur in der Sphäre des Urheberrechts.

Immer mehr Wissen. Das digitale Abo für IT und Technik.

  • Zugriff auf alle Inhalte von heise+
  • exklusive Tests, Ratgeber & Hintergründe: unabhängig, kritisch fundiert
  • c't, iX, Technology Review, Mac & i, Make, c't Fotografie direkt im Browser lesen
  • einmal anmelden – auf allen Geräten lesen - jederzeit kündbar
  • erster Monat gratis, danach monatlich 9,95 €
  • Wöchentlicher Newsletter mit persönlichen Leseempfehlungen des Chefredakteurs
GRATIS-Monat beginnen Jetzt GRATIS-Monat beginnen Mehr Informationen zu heise+