Kredite? Aber sicher!

Benedikt Kramer (26) will mit seinem Fintech-Start-up awamo den Mikrofinanzsektor in Afrika umkrempeln.

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Wenn Benedikt Kramer ein ugandischer Kleinbauer wäre und einen Kredit bräuchte, würde er Folgendes tun: "Ich würde zu einem Bekannten gehen, der schreibt mir auf ein Blatt Papier, dass ich Benedikt Kramer bin, und mit diesem Stück Papier als Sicherheit gehe ich zu einem Mikrofinanzinstitut." Personalausweise gibt es in Uganda nicht. Deshalb bleibt den rund 2500 kleinen und mittleren Mikrofinanzinstituten (MFI) in Uganda kaum etwas anderes übrig, als wertlose Zettel anzuerkennen.

Ähnlich sieht es bei Zehntausenden MFIs in weiteren afrikanischen Ländern aus. Die Folge sind hohe Ausfälle bei der Kreditrückzahlung, weil Identitäten leicht gefälscht werden können. Das wiederum führt zu enorm hohen Zinssätzen. Mehr als 60 Prozent müssen kleine Kreditnehmer in Uganda zahlen. Eine vertrackte Situation, und es kommt noch schlimmer.

"Wenn man in Uganda ein MFI-Büro betritt", erzählt Kramer, "sieht man oft als Erstes einen mehrere Kubikmeter großen Haufen Papier auf dem Boden. Das sind die Kundendaten." MFI-Mitarbeiter schreiben jede Kundeninformation, jede Transaktion per Hand auf Papier, in mehreren Kopien. "Das ist so unübersichtlich und fehleranfällig", sagt Kramer, "dass niemand wirklich weiß, wer wem was schuldet."

Aber weil Benedikt Kramer kein ugandischer Bauer ist, sondern Betriebswirt, gründete er zusammen mit Roland Claussen und Philipp Neub ein Unternehmen. Das Start-up awamo hat zwei große Ziele. Erstens soll es den Zugang zu bezahlbaren Krediten verbessern, indem es dazu beiträgt, die Zinssätze zu senken. Zweitens sollen mehr Menschen überhaupt einen Zugang zum Finanzsystem bekommen. Denn ein Großteil der Bevölkerung wohnt so abgelegen, dass es selbst den weit verbreiteten MFIs zu aufwendig ist, sie zu erreichen.

Statt auf Papier setzt awamo auf Tablet-Computer mit integriertem Fingerabdruckscanner. So lassen sich die Kreditnehmer auch ohne Ausweispapier eindeutig identifizieren. Gleichzeitig sollen die Geräte Mitarbeiter der Mikrofinanzinstitute mobiler machen und die Zuverlässigkeit der Kundendaten erhöhen. Um sie zu verwalten, hat awamo eine weitere Software entwickelt.

Sie soll Transparenz und Übersichtlichkeit schaffen – und bis 2017 sogar Kreditreporte mit Ausfallwahrscheinlichkeiten generieren können. So können sich auch kleine Kreditnehmer eine positive Kredithistorie aufbauen, eine wichtige Voraussetzung für noch günstigere Zinsen.

Die ersten Investoren konnte Kramer mit seinem Konzept bereits überzeugen. Sie steckten 500.000 Euro in awamo. Kürzlich siedelte der 26-jährige Kramer von Frankfurt nach Uganda über, um mit vier Mitarbeitern auch die MFIs für sich zu gewinnen. (bsc)