Krypto-Verbrecher auf dem Vormarsch

Die zunehmende Bedeutung von digitalen Währungen wie Bitcoin ruft auch Kriminelle auf den Plan. Die Behörden reagieren, werden der Entwicklung aber nicht so schnell Herr.

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(Bild: "Vires In Numeris" / Zach Copley / cc-by-sa-2.0
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Das Feld der Kryptowährungen und -tokens wie Bitcoin oder Filecoins bleibt unübersichtlich. Auf der einen Seite wird immer wieder gewarnt, dass unbedarfte Nutzer hier viel Geld verlieren können, auf der anderen Seite zeigt sich, dass man mit geschicktem Timing durchaus auch gut verdienen kann. Auf der einen Seite schreibt ein Ökonom der Bank of Finland, Kryptowährungen seien gar kein Geld, auf der anderen Seite denkt die schwedische Zentralbank über die Einführung genau einer solchen Währung in offizieller Form nach.

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Eines aber wird zunehmend sicher: Die neue Technologie zieht – wie üblich – auch dunkle Gestalten an. Die Möglichkeiten von Kryptogeld werden für Drogengeschäfte ebenso genutzt wie für die Bezahlung anderer illegaler Waren, um Geld außer Landes zu schaffen oder um Lösegeld für aus der Ferne gekaperte Computer zu kassieren. Laut einer Studie hängt die Hälfte aller Bitcoin-Transaktionen mit illegalen Aktivitäten zusammen. Und ein neuer Bericht der Sicherheitsfirma Ciphertrace kommt jetzt zu dem Schluss, dass allein in diesem Jahr 1,5 Milliarden Dollar an Kryptowährungen aus den Börsen dafür gestohlen werden dürften – nachdem im ersten Halbjahr bereits der Rekordwert von 761 Millionen Dollar erreicht wurde.

„Im ersten und zweiten Quartal 2018 wurde fast dreimal so viel Kryptogeld gestohlen wie im gesamten Jahr 2017“, schreiben die Beobachter von CipherTrace in ihrem Bericht. Darüber hinaus würden auch Terrorgruppen und böswillige Staaten ihre Aktivitäten mit Hilfe von Digitalgeld betreiben. „Das Wachstum des gesamten Marktes hat eine ganz neue Generation von Cyberkriminellen geschaffen, die es vor 15 Monaten noch gar nicht gab“, sagte David Jevans, CEO von CipherTrace, in einem Interview mit Bloomberg.

Kryptowährungen im Überblick (13 Bilder)

Bitcoin

Der Bitcoin ist die bekannteste Kryptowährung; für sie wurde die Blockchain erfunden. Bitcoins nutzen ein Peer-to-Peer-Netzwerk, um ohne Banken oder Behörden auszukommen. Sämtliche Transaktionen und Ausgaben der Bitcoins werden über eine dezentrale Datenbank verwaltet, der Blockchain. Bitcoins sind Open-Source und öffentlich – jeder kann also Teil des Netzwerks werden.

Allerdings dürfte heutzutage niemand – oder jedenfalls kein ernst zu nehmender Krimineller oder Staat – mehr daran glauben, dass Geschäfte in Kryptowährungen wirklich anonym sind. Bitcoin als das erste Geld dieser Art wurde von Strafverfolgern schon als „ewiges Archiv“ bezeichnet, weil Transaktionen für alle Zeit und für alle sichtbar in der Blockchain gespeichert sind. Zwar lässt sich nicht unmittelbar erkennen, wer sich hinter einer Bitcoin-Adresse verbirgt, aber wenn die Identität erst einmal aufgedeckt ist, lassen sich alle früheren Geschäfte mit ihr in Zusammenhang bringen.

Aus diesem Grund greifen Kriminelle – wie schon ihre Offline-Vorgänger – zur Geldwäsche. Während Al Capone laut der CipherTrace-Studie noch echte Waschsalons genutzt haben soll, um die Herkunft seines vielen Geldes zu verschleiern, arbeiten heutige Cyber-Verbrecher mit moderneren Varianten: Sie schicken Bitcoin und Co. an so genannte „Mixer“ oder „Tumbler“, die Pools bilden und das Digital-Geld dann – gegen Gebühren von 1 bis 3 Prozent – nicht mehr oder kaum noch nachvollziehbar wieder an den Absender zurückschicken.

Oft wird dabei auch noch eine der vielen Krypto-Börsen in fremden Staaten zwischengeschaltet, um die Nachverfolgung zusätzlich zu erschweren. „Je mehr schmutziges Kryptogeld in diese Systeme kommt und dort herumbewegt wird, desto schwieriger wird es für Strafverfolger, dieses Netz zu durchschauen und den Weg zurück zur Quelle zu verfolgen“, schreibt CipherTrace.

Wo große Nachfrage ist, da entsteht üblicherweise ein entsprechendes Angebot, und bei Krypto-Geldwäsche ist es nicht anders. Laut CipherTrace gibt es mittlerweile ein gutes Dutzend großer Mixer-Dienste, die das Verschleiern der Spuren von Kryptogeld ermöglichen. Einer davon, Coinmixer aus Schweden, bot seine Dienste zwischenzeitlich sogar über das Google-Werbesystem an. Inzwischen hat er das Angebot allerdings eingestellt, bekanntgegeben nur mit einer kurzen Nachricht in einem Forum und ohne Angabe von Gründen.

Durchaus denkbar ist, dass Coinmixer Probleme mit den Behörden hatte oder befürchtete. Vertreter der US-Regierung jedenfalls haben in den letzten Monaten keinen Zweifel daran gelassen, dass sie illegale Krypto-Aktivitäten auch im Ausland nicht dulden: „Wir werden im Ausland ansässige Geld-Überweisungsdienste einschließlich Börsen für virtuelle Währungen, die Geschäfte in den USA machen, zur Verantwortung ziehen“, sagte Jamal El-Hindi, stellvertretender Direktor der US-Bundesbehörde Financial Crimes Enforcement Network, in diesem Juni bei einer Konferenz. Allerdings dürfte es noch einige Jahre Katz-und-Maus-Spiel geben, bis die Behörden die wilde neue Welt der digitalen Währungen in den Griff bekommen – wenn überhaupt.

(sma)