Kryptowährung ohne Blockchain

Digitale Währungen wie Bitcoin haben 2017 rapide Kursanstiege verzeichnet. Fast alle davon basieren auf dem Blockchain-Prinzip, doch jetzt soll ein sicherer Daten-Markt ganz ohne dieses aufwändige Verfahren entstehen.

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Von
  • Mike Orcutt

Bitcoin ist nicht die einzige Kryptowährung, die einen Lauf hat – parallel zum historischen Bitcoin-Anstieg im Jahr 2017 hat auch eine ganze Reihe von konkurrierenden Währungen steile Kursgewinne verzeichnet. Eines der faszinierendsten Beispiele dabei zählt zugleich zu den obskursten: Bei IOTA stieg der Gesamtwert innerhalb von nur zwei Wochen von 4 Milliarden auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar. Aber das ist nicht einmal das eigentlich Interessante: Entscheidend ist, dass bei IOTA nicht einmal eine Blockchain im Spiel ist, sondern eine ganz andere Technologie.

Die Kursrally begann Ende November. Zu dieser Zeit gab die deutsche IOTA Foundation, die hinter der neuen Kryptowährung steht, eine Zusammenarbeit mit mehreren großen Technologiefirmen zur Entwicklung eines „dezentralen Marktplatzes für Daten“ bekannt.

Bitte, was?

IOTA-Token können zwar wie eine ganz normale Kryptowährung verwendet werden, doch das Protokoll dahinter wurde speziell für die Nutzung auf kleinen vernetzten Geräten ausgelegt, erklärt der Mitgründer David Sonstebo. Unternehmen sammeln mit ihnen riesige Mengen an Daten, etwa aus Systemen zur Wetterbeobachtung oder von Sensoren für die Leistungskontrolle bei Industrieanlagen (als Teil des so genannten Internet der Dinge). Doch diese Informationen werden fast vollständig verschwendet, sagt Sonstebo, weil sie in isolierten Datenbanken sitzen und ihren Eigentümern so kein Geld einbringen.

Das IOTA-System kann hier laut Sonstebo in zweierlei Hinsicht helfen. Erstens kann es die Integrität der Daten sicherstellen, weil sie in einem manipulationssicheren dezentralen Register gespeichert werden. Zweitens ermöglicht es gebührenfreie Transaktionen zwischen den Eigentümern der Daten und jedem, der sie kaufen möchte – und es gibt reichlich Unternehmen, die Interesse an solchen Daten haben.

An diesem Punkt wird die Angelegenheit richtig interessant. Statt einer Blockchain nutzt IOTA ein „Tangle“ („Durcheinander“), das auf einem mathematischen Konzept namens gerichteter, azyklischer Graph basiert. Sein Team habe diesen neuen Ansatz wegen der Erkenntnis gewählt, dass Blockchains zu kostspielig seien – zuletzt kosteten Bitcoin-Transaktionen wegen der hohen Nachfrage bis zu 20 Dollar pro Stück. Außerdem seien Blockchains in der für das Internet der Dinge nötigen Größenordnung zu ineffizient zu betreiben.

An Bitcoin und anderen Blockchain-Systemen kritisiert Sonstebo, dass sie zur Verifizierung von Transaktionen auf ein verteiltes Netzwerk von „Minern“ angewiesen sind. IOTA verzichtet darauf. Wenn ein Nutzer eine Transaktion einleitet, validiert er stattdessen gleichzeitig zwei nach dem Zufallsprinzip ausgewählte andere Transaktionen. Wenn immer neue Transaktionen verarbeitet werden, entsteht dadurch „ein verwickeltes Netz von Bestätigungen“, sagt Sonstebo.

Das hört sich überzeugend an, doch wie Sonstebo einschränkt, befindet sich IOTA noch „in einem sehr frühen Beta-Stadium“. Doch die bekannten Namen, die an dem Pilotprojekt zum Daten-Markt teilnehmen, sprechen dafür, dass IOTA ein interessantes Konzept hat – unter anderem sind Microsoft, Deutsche Telekom und Fujitsu beteiligt. Zuletzt haben allerdings einige bekannte Forscher im Bereich Kryptowährungen Bedenken über das Design und die Gesamtsicherheit von IOTA geäußert. Im August etwa meldeten Forscher von MIT und Boston University, die hätten eine „schwere Sicherheitslücke“ in einem neuen, von IOTA eingesetzten Verschlüsselungsverfahren entdeckt.

Diese Lücke wurde geschlossen, und laut Sonstebo hätten die übrigen Sicherheitsmaßnahmen verhindert, dass irgendjemand sein IOTA-Geld verliert. Die Stiftung hat einen externen Dienstleister damit beauftragt, sich an der Weiterentwicklung der Technologie zu beteiligen. Laut Sonstebo geht es hier um „leichtgewichtige Kryptografie“, wie sie für vernetzte Geräte mit wenig Strombedarf wie etwa Sensoren benötigt wird.

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