Künstliche Intelligenz: "Nahezu kein Beruf fällt komplett weg"

US-Ökonom Erik Brynjolfsson hat untersucht, wie sich Künstliche Intelligenz auf den Arbeitsmarkt und die Art der Tätigkeiten auswirkt.

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(Bild: Shutterstock)

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  • Eva Wolfangel

"Beinahe jeder Beruf verändert sich, aber nahezu keiner fällt komplett weg" – das sagte der Stanford-Professor und Bestseller-Autor Erik Brynjolfsson im Interview mit dem Magazin Technology Review Brynjolfsson erforscht unter anderem, wie sich Künstliche Intelligenz auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Spätestens mit seinem Buch „The Second Machine Age“, 2014 gemeinsam mit Andrew McAfee veröffentlicht, hat er eine für Ökonomen verblüffende Prominenz erreicht.

Im Interview mit TR (die aktuelle Ausgabe 4/2021 ist jetzt am Kiosk oder online zu bestellen) tritt er der Auffassung entgegen, durch KI würde Arbeit wegfallen. Im Gegenteil: „Diese Entwicklung wird zu einem Produktivitätsboom führen“, sagt Brynjolfsson. „Allerdings glaube ich, dass es große Umstrukturierungen in der Arbeitswelt geben wird, weil Maschinen einen Teil der Arbeit von Menschen übernehmen. Deshalb muss uns aber die Arbeit nicht ausgehen, denn es wird noch genug für uns übrig bleiben.“

Brynjolfsson stützt diese Einschätzung auf eine Studie, in der er sich mit seinem Team 18.000 Tasks in rund 900 Berufen angeschaut hat. „Jeder Job besteht aus vielen verschiedenen Tasks. Nehmen wir das Beispiel Radiologie: Viele Leute sagen, Radiologen werden arbeitslos, weil Algorithmen sehr gut darin sind, medizinische Bildgebung auszuwerten."

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Aber es seien 27 verschiedene Teilaufgaben, die Radiologen übernehmen – nur eine einzige davon sei es, Bilder auszuwerten. "26 andere – wie beispielsweise die Sprechstunde mit Patienten oder der Austausch mit anderen Ärzten über die weitere Versorgung eines Patienten – können nicht von Maschinen übernommen werden. Das sehen wir bei fast allen Berufen, die wir uns angeschaut haben." Durch maschinelles Lernen könnten zwar einige Tasks automatisiert werden, das betreffe aber eher einen kleinen Teil.

Die Befürchtung, KI werde zu einer Verschiebung des Arbeitsmarkts führen, die große Teile der Bevölkerung ausschließt, teilt Brynjolfsson nicht: „Ich glaube, das ist ein generelles Missverständnis in dieser Debatte, dass diese neuen Jobs anspruchsvoller sind oder mehr Ausbildung benötigen."

Viele benötigten eine hohe emotionale Intelligenz wie Kinderbetreuung, Coaching oder Verkauf. "Diese Jobs brauchen nicht einfach nur einen hohen IQ. Es ist nicht so eindimensional wie häufig behauptet wird, dass die Berufe für weniger Qualifizierte verschwinden und die für Hochqualifizierte immer mehr zunehmen.“ (grh)