Labor-Hühnerfleisch ist sicher – laut US-Zulassungsbehörde FDA

Das US-Unternehmen Upside Foods hat mit seinen Produkten die erste Hürde zur Zulassung genommen. Die wichtigsten Prüfungen kommen aber noch.​

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(Bild: Upside Foods)

Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Die aufstrebende Kulturfleischbranche ist in den USA der ersten Zulassung einen weiteren Schritt nähergekommen. Das auf Hühnerfleisch spezialisierte Upside Foods hat als erstes Unternehmen erfolgreich die freiwillige Vorberatung der US-Zulassungsbehörde FDA durchlaufen. Auf Basis der eingereichten Unterlagen über den Produktionsprozess hat die FDA Mitte November signalisiert, dass sie die Sicherheitsangaben für ausreichend hält.

"Es ist der Moment, auf den wir seit fast sieben Jahren zugearbeitet haben", sagte Uma Valeti, Geschäftsführer von Upside Foods, dem Magazin "Wired". Das Unternehmen firmierte bis Mai 2021 unter dem Namen Memphis Meats. Jetzt kann der nächste, gemeinsam mit dem Lebensmittelsicherheitsdienst des US-Agrarministeriums (USDA-FSIS) durchgeführte Prüfschritt anlaufen: die verpflichtende Vor-Ort-Inspektion der Anlagen und der fertigen Produkte von Upside Foods. Diese Schritte könnte durch die Vorprüfung schneller ablaufen.

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Die FDA-Entscheidung könnte also bedeuten, dass es nicht mehr so lange dauert, bis die ersten Kunden in eine gebratene Upside-Foods-Hühnchenbrust beißen können. Das Unternehmen will ihren Kreis allerdings erstmal klein halten und Kostproben zunächst nur über ausgewählte Sterne-Restaurants anbieten. Starköchin Dominique Crenn, die in San Francisco das Drei-Sterne-Restaurant "Atelier Crenn" betreibt, hat bereits damit gekocht und ist voll des Lobes: "Es sieht wie Hühnchenbrust aus. Man kann es genauso anbraten. Der Duft, und die Kapern dazu, es war einfach so köstlich!"

Labor-Fleisch von Upside Foods (9 Bilder)

Das von Upside Foods gezüchtete Hähnchenfleisch sieht optisch nur leicht anders aus als Fleisch vom Tier.
(Bild: Upside Foods)

Kultur- oder Laborfleisch heißt so, weil es in großen Zellkulturtanks aus Tiermuskelzellen gezüchtet wird. Die Branche verspricht, den gewohnten Geschmack und Textur von Fleisch zu reproduzieren, ohne dass dafür Tiere sterben müssen. Kulturfleisch brauche zudem weder Antibiotika, noch trage es zur Verbreitung von Krankheiten bei, sagen Befürworter.

Dazu seien die Umweltkosten der Herstellung weitaus geringer. Upside Foods verweist auf eine Studienauswertung des niederländischen Forschungs- und Beratungsunternehmens CE Delft, wonach die Erzeugung von Kulturfleisch im Vergleich zu herkömmlichem Fleisch eine deutliche Absenkung der Landnutzung sowie der Umweltverschmutzung um jeweils mehr als 90 Prozent erlaube. Das gilt, sofern die Herstellung mit Strom aus erneuerbaren Energien erfolgt.

Upside Foods kultiviert die Hühnermuskelzellen zunächst in kleineren und später in größeren Versorgungstanks. Einige Tanks geben die Form der Fleischstücke vor, in ihnen entstehen dann etwa nach drei Wochen die Hühnchenbruststücke. In anderen Tanks lassen sich die Zellen in sogenannten Suspensionen züchten und lagern sich nicht zu dickerem Gewebe zusammen. Daraus werden Produkte hergestellt, die Hackfleisch sowie Formfleisch wie bei Würstchen ähneln.

Neben Upside Foods arbeiten verschiedene Unternehmen an mindestens 15 Tierfleischsorten. Dazu gehören neben Hühnchen auch Schwein, Ente, Lamm, verschiedene Fischarten, Hummer, Garnelen und sogar Foie gras. Upside Foods selbst hatte im Januar die auf Hummer spezialisierte Firma Cultured Decadence gekauft.

Noch ist Kulturfleisch, auch wenn die Herstellungskosten schon deutlich gefallen sind, teurer als Fleisch aus Tierzucht. Upside Foods selbst will keine genauen Zahlen verraten. Das israelische Hühnchen-Kulturfleisch-Unternehmen Future Meat Technologies bezifferte die Produktionskosten pro Pfund Ende 2021 mit 7,70 Dollar (zu dem Zeitpunkt umgerechnet 6,80 Euro). Damals kostete echte Hühnerbrust laut dem US Bureau of Labor Statistics im Schnitt 3,62 Dollar (etwa 3,20 Euro). Andere Hochrechnungen gingen für Kulturfleisch von Produktionskosten in Höhe von 17 Dollar pro Pfund aus. Laden- und Restaurantpreise wären also entsprechend höher.

(vsz)