Landwirtschaft: Fluch und Segen autonomer Landmaschinen

Innovationen auf dem Acker helfen, die Landwirtschaft effizienter und ökologischer machen. Doch damit drohen den Landwirten völlig neue Abhängigkeiten.

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Ohne Fahrer auf dem Acker: Auf der Messe CES 2022 stellte der Landmaschinen-Hersteller John Deere seinen ersten serienmäßig autonomen Traktor vor.

(Bild: John Deere)

Von
  • Wolfgang Stieler
  • Veronika Szentpetery-Kessler
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John Deeres grün-gelbe Traktoren sind seit mehr als 100 Jahren eine feste Institution in der Landwirtschaft. Wie sehr der US-Landmaschinenhersteller mittlerweile in der Moderne angekommen ist, zeigte sich jedoch erst jüngst im Ukraine-Krieg. Per Fernzugriff machte der Konzern Landmaschinen unbrauchbar, die russische Truppen in der Ukraine gestohlen hatten – die Traktoren können nun nicht mehr gestartet werden.

Erst im Januar, auf der Messe CES, hatte der Konzern zudem stolz seinen ersten vollautonomen Traktor vorgestellt. Das neue Modell seiner 8R-Reihe soll später dieses Jahr auf den Markt kommen und seine Arbeit ganz ohne Fahrer verrichten. Damit will John Deere helfen, die bis 2050 wohl auf zehn Milliarden Menschen anwachsende Weltbevölkerung, deren Nahrungsmittelbedarf um 50 Prozent ansteigen werde, auch angesichts schrumpfender Agrarflächen und eines Arbeitskräftemangels, zu ernähren. 2017 sowie 2021 hatte John Deere zwei Robotik-Unternehmen mit dieser Expertise gekauft: Blue River Technology und Bear Flag Robotics. Aber auch kleinere Hersteller mischen bei der Digitalisierung der Landwirtschaft mit und gehen zum Teil weiter als das Traditionsunternehmen. Denn es geht um viel: Nicht nur um autonome Fahrzeuge und eine erhöhte Vernetzung der einzelnen Gewerke, sondern auch um eine Vielzahl an Daten – und neue Abhängigkeiten, wie sie die Plattform-Ökonomie mit sich bringt.

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"Das Fahrzeug in geraden Linien über die Felder zu fahren und am Ende des Feldes sauber zu wenden – das sind Technologien, die wir seit mehr als zwanzig Jahren im Markt haben", sagt Stefan Stahlmecke vom europäischen John-Deere-Entwicklungszentrum in Kaiserslautern. "Neu sind die Kameras, die eine Umfeld-Erkennung betreiben."