Laser etikettiert Gemüse

Im Supermarkt fällt nach wie vor zu viel Kunststoffabfall an. Eine Lebensmittelkette hat dagegen eine clevere Idee.

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Von
  • Ben Schwan

Von wem stammt ein Produkt und bis wann ist es noch verzehrbar? Selbst auf Obst und Gemüse pappen üblicherweise aus Papier und Kunststoff hergestellte Aufkleber, die, so klein sie auch sein mögen, zum Plastikmüllberg beitragen. Schließlich muss der Kunde wissen, was er kauft, argumentieren die Produzenten – und selbst dieses kleine bisschen "Branding" dient dem Marketing.

Und weil Bioprodukte besonders gekennzeichnet sein müssen, werden sie oft sogar noch komplett umverpackt und tragen damit ebenfalls zur Vermüllung bei. Das will der deutsche Supermarktkonzern Rewe Group nun ändern.

Kunststoffaufkleber müssen nicht sein.

(Bild: REWE Group)

In Nordrhein-Westfalen hat das Unternehmen ein mehrwöchiges Projekt gestartet, bei dem Süßkartoffeln und Avocados nicht mehr umverpackt, sondern mit einem Laser etikettiert werden. Dafür trägt das gebündelte Laserlicht die oberste Pigmentschicht der Schale ab – fein genug, um die Früchte nicht zu beschädigen, aber optisch problemlos ablesbar. Angeboten werden die Produkte in insgesamt 800 Rewe- und Penny-Filialen, die zu dem genossenschaftlich organisierten Konzern gehören.

"Diese neue Kennzeichnung von Bio-Obst- und -Gemüse könnte zukünftig Umverpackungen überflüssig machen, die lediglich dazu dienen, Verwechslungen zwischen Bio- und konventioneller Ware zu vermeiden", so die Rewe Group in einem Statement. "Dadurch könnten erhebliche Mengen an Plastik, Papier und Metall eingespart werden und es gelangen weniger Treibhausgase in die Atmosphäre." Die Auslistung der Plastiktüte sei "nur der Anfang" für den Rewe-Konzern gewesen.

Woher das Gemüse kommt, erkennt man sofort.

(Bild: REWE Group)

Gänzlich revolutionär ist die Idee nicht – auch wenn sie hierzulande Neuland ist: Die Technik wurde bereits 2013 von der EU-Kommission grundsätzlich zugelassen und findet in Europa bereits in Schweden und in den Niederlanden Verwendung. In Ländern wie den USA und Neuseeland wird das "Natural Branding", bei dem die Umverpackung weggelassen werden kann, sogar seit 2009 genutzt.

Das Verfahren funktioniert sehr schnell: 400 Früchte soll das Lasersystem pro Minute schaffen. Auf eine Avocado werden neben dem Biosignet auch der Markenname "Rewe Bio" aufgetragen. Nun muss sich nur noch zeigen, ob die Kundschaft die Produkte mit den Brandzeichen annimmt – oder lieber zu verpacktem Obst und Gemüse greift. Das Labeling finde nur an der Oberfläche statt, sei völlig kontaktlos und habe keinen Einfluss auf Geschmack, Qualität oder Haltbarkeit. Neben dem Laser werden laut Rewe Group keine Hilfsmittel benötigt. Es sei bei Früchten möglich, bei denen die Schale entfernt wird, aber auch bei Früchten, bei denen sie mitgegessen wird.

Supermarkt der REWE Group.

(Bild: REWE Group)

Wie das Projekt beim Kunden ankommt, wollte die Rewe Group auf Nachfrage von Technology Review zunächst nicht sagen. "Leider ist es noch etwas zu früh, um Ihre Fragen bereits beantworten zu können. Wir werden den Testbetrieb erst abschließen und in Folge dessen mit der Auswertung beginnen", so ein Sprecher Anfang April. Auch einige Wochen später gab es keine neue Entwicklung. (bsc)