Lesetipp: Einblicke in politische Geheimdienstaktivitäten

Verhörprotokolle des CEOs von Black Cube offenbaren ungewohnte Einblick in die Welt der Schatten.

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(Bild: Haaretz)

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Von
  • Jürgen Schmidt

Eine israelische Privatdetektei namens Black Cube mit guten Kontakten zum Mossad. Ein ehemaliger Mitarbeiter des rumänischen Geheimdienstes SRI als Strohmann. Ein Regierungs- und ein Geheimdienstchef, die ins Visier einer eifrigen Staatsanwältin geraten, die dummerweise ihren Job als Chefin der Antikorruptionsbehörde ernst nimmt. Nein, das wird nicht der Plot eines neuen Netflix-Thrillers. Es ist die Basis einer Spionagegeschichte, die "Das echte Leben" (tm) geschrieben hat.

Normalerweise würde man nie erfahren, was hinter den Kulissen geschah – drei Wochen bevor der Ermittlungsauftrag der Staatsanwältin verlängert werden sollte. Wie der Ex-Geheimdienstler im Auftrag seiner Ex-Kollegen mit den israelischen Elite-Schnüfflern Kontakt aufnimmt. Wie 149.000 Euro in kleinen Scheinen den Besitzer wechseln. Wie die Agenten – nachdem ihr Mossad-Kontakt auf höchster Ebene die Aktion abgesegnet hat – anfangen, im Privatleben der in Ungnade gefallenen Staatsanwältin nach Dreck zu suchen. Wie sie Trojaner-Mails verschicken, ihren Ex-Ehemann angraben, ein E-Mail-Konto kapern und ...

Doch dann werden zwei Agenten vor Ort quasi in flagranti verhaftet. Als der Chef der geheimdienstnahen Schnüffelbude Dan Zorella zum Verhör geladen wird, ist ihm bereits klar, dass seine Kontakte ihn nicht decken können. Also packt er aus. Die geleakten Verhörprotokolle des Black Cube CEOs bieten faszinierende Einblicke in die Welt der politischen Geheimdienstarbeit.

Leider ist nicht klar, wie diese Verhörprotokolle in die Hände der israelischen Tageszeitung Haaretz gelangt sind, was die Glaubwürdigkeit der Geschichte etwas einschränkt. Doch Haaretz hat einen Ruf als seröse Nachrichtenquelle und lesenswert ist sie allemal:

Update 27.10.2020, 12:30: Von Black Cube erreichte uns folgende "offizielle Stellungnahme":

"Dies ist eine bedauerliche Angelegenheit, die bereits fünf Jahre zurückliegt [...]. Black Cube wurde von einer führenden Persönlichkeit in Rumänien beauftragt und hat vollstens mit den rumänischen Behörden kooperiert, um die komplizierte Angelegenheit, in die wir als Opfer verwickelt wurden, beizulegen und unsere Mitarbeiter aus der Haft zu entlassen. [...] Das Unternehmen [...] operiert fortwährend in Übereinstimmung mit dem Gesetz jedes Landes."

(ju)