DIW-Präsident Fratzscher: „Der Niedriglohnsektor hätte nicht sein müssen“

Der Präsident des renommierten DIW hält im Gespräch mit MIT Technology Review die Globalisierung für ein Erfolgsmodell. Wir müssten sie aber anders gestalten.

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Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, wird von konservativen Ökonomen gerne als zu links kritisiert., Marcel Fratzscher

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, wird von konservativen Ökonomen gerne als zu links kritisiert.

(Bild: Marcel Fratzscher)

Von
  • Wolfgang Stieler
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Marcel Fratzscher leitet seit 2013 das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mit einem guten Gespür für aktuelle Themen und knackigen Thesen ist Fratzscher seitdem rasch zum gefragten Interview- und Talkshowgast aufgestiegen. Neben seiner Forschung und Politikberatung betätigt Fratzscher sich zudem regelmäßig als Autor und Kolumnist zu wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen – zum Beispiel im Handelsblatt, wo er sich in Gastkommentaren für mehr statt weniger Globalisierung ausgesprochen hat.

Mehr zur Deglobalisierung

Herr Fratzscher, sehen wir bereits eine Deglobalisierung? Manche Ökonomen sagen ja, das sei nur eine Verlangsamung der Globalisierung. Andere sprechen davon, dass so etwas wie Deglobalisierung nicht nur folgerichtig, sondern angesichts globaler Krisen sogar notwendig sei.

Ich glaube, dass diese verschiedenen Positionen beide einen Funken Wahrheit enthalten. Globalisierung ist erst einmal gut, weil sie Arbeitsteilung bedeutet. Jeder tut das, was er oder sie gut kann. Es gibt wahrscheinlich in den vergangenen 70 Jahren keinen größeren Gewinner der Globalisierung als Deutschland. Das ist unser Geschäftsmodell. Wir exportieren fast die Hälfte unserer Wirtschaftsleistung.