Medizin: Impfen mit Erbgutschnipseln

Im Zuge von Corona ging die Idee um die Welt: Mehrere Biotech-Firmen wie CureVac wollen mRNA statt Oberflächen von Erregern nutzen – für schnellere Impfstoffe.

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(Bild: Shutterstock)

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Ende März. Die Telefonleitung knistert – vielleicht ist sie überlastet, weil sich gerade die halbe Welt einwählt: Das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac veranstaltet kurzfristig eine internationale Telefon-Pressekonferenz. Es geht um einen neuartigen Impfstoff, der ganz schnell gegen das neue Coronavirus helfen soll. „Unser System ist sehr potent, wir verwenden mRNA“, erklärt die Forschungschefin Mariola Fotin-Mleczek. „Glauben Sie mir, das ist aus der Nähe betrachtet ein sehr aufregendes Molekül. Es wurde von der Natur erfunden, um…“

Aber ob nun die „New York Times“ oder die „Washington Post“: Die Gäste interessieren sich mehr für die Gerüchte über Donald Trump, der den Schwaben ein unverschämt verlockendes Übernahmeangebot für CureVac gemacht haben soll, als für die Nukleinsäuren. „So ein Angebot gab es nicht“, sagt Manager Franz-Werner Haas immer wieder. „Und wenn, dann würden wir es nicht annehmen. Wir wollen allen helfen, nicht nur den USA.“ Covid-19, eine ansteckendere Neuauflage der Lungenkrankheit Sars, ist in nur drei Monaten ein globales Problem geworden. Deswegen bekomme das Unternehmen jetzt auch großzügige Unterstützung von der EU, „um unsere Produktion auf Weltmaßstab zu bringen“. Erste klinische Studien sollen im Juni oder Juli beginnen.

Die Pandemie lenkt damit die Aufmerksamkeit auf eine der spannendsten Technologien der Biotech-Branche. Denn so immens wichtig ein Impfstoff ist, um die Pandemie aufzuhalten – hinter der Idee steckt noch weit mehr als eine Hoffnung gegen das Coronavirus. Die Methode könnte das Immunsystem nicht nur gegen eine Vielzahl von Infektionskrankheiten in Stellung bringen, sondern auch im Kampf gegen Krebs helfen und Stoffwechselleiden kurieren. Allein auf der US-Plattform für klinische Studien clinicaltrials.gov suchen gerade 23 mRNA-Impfstoff-Studien nach Probanden, dazu kommen noch die Studien, bei denen die mRNA zur Therapie von erblichen Stoffwechselerkrankungen eingesetzt wird. Sie wirken gegen Leiden, die bisher nur Spezialisten kannten: Methylmalonazidämie oder Propionazidämie. Den Kranken fehlt ein einziges, aber unverzichtbares Enzym. Infusionen mit mRNA-Partikeln sollen den Kranken die Baupläne für das liefern, was ihnen fehlt.

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