Meeresforschung: Könnte der Klimawandel den Golfstrom stoppen?

Das Schicksal ganzer Kontinente hängt an ihnen: Doch je tiefer Forscher in die Details der Meeresströmungen eindringen, desto seltsamer erscheinen sie.

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Das Forschungsschiff F. G. Walton kreuzt regelmäßig durch die Straße von Florida, um die dortigen Meeresströmungen zu untersuchen.

(Bild: Alfonso Duran)

Von
  • James Temple
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Ein akustisches Signal löst ein fünf Kilometer langes Kabel von seiner tonnenschweren Verankerung am Meeresgrund. Techniker in Schutzausrüstung holen das Kabel mit einer Winde an Bord der RRS Discovery. Alle paar Minuten halten sie an, um Schwimmer und Sensoren abzunehmen. Die Messfühler haben hier, auf 26,5° nördlicher Breite direkt östlich des Mittelatlantischen Rückens, den Salzgehalt und die Temperatur in verschiedenen Tiefen gemessen. Ihre Daten können Aufschluss über Geschwindigkeit und Volumen der örtlichen Meeresströmungen geben – und damit auch über das weitere Schicksal einer der wichtigsten Kräfte im Klimasystem des Planeten: die Nordatlantische Zirkulation (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC).

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Die AMOC ist Teil des mächtigsten Flusses der Welt – ein Netzwerk aus Meeresströmungen wie dem Golfstrom, das sich über zehntausende Kilometer von der Südsee bis nach Grönland erstreckt. Es wird dadurch angetrieben, dass Wasser kühler und dichter wird, wenn es die hohen Breitengrade erreicht. Dort taucht es dann kilometerweit ab, breitet sich aus und strömt nach Süden, wo es wieder aufgeheizt wird und an die Oberfläche steigt.

Auf diese Weise transportiert das System rund 1,2 Millionen Gigawatt an Wärmeleistung. Das entspricht der 160-fachen Kapazität des weltweiten Stromnetzes. Damit beeinflussen die Strömungen einen Großteil des Wetters auf der Nordhalbkugel, von der Atlantikküste bis Thailand. Sie sind auch der Hauptgrund, weshalb es in Westeuropa wärmer ist als in Ostkanada auf demselben Breitengrad.