Das geheime Licht

Mit einem umgebauten Fotoapparat nahm Paul-Ruben Mundthal die Blickwinkel von Infrarotkameras auf. So holte er eine Dimension der Überwachung ins Bewusstsein, die für Menschen eigentlich unsichtbar ist.

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Von
  • Karsten Schäfer

Während eines Studienaufenthalts in Istanbul kam Paul-Ruben Mundthal die Idee zu seinem Foto-Projekt „Beschattung“. „Dort ist die Überwachung im öffentlichen Raum viel stärker ausgeprägt, als ich das jemals in Deutschland gesehen habe“, sagt er.

Er begann, Kameras so umzubauen, dass sie Infrarotlicht aufnehmen können. In seinem ersten Schritt baute er den sogenannten Hot Mirror aus, was nicht ganz einfach ist und schnell zu Schäden an der Kamera führen kann. Denn der Hot Mirror sitzt vor dem Bildchip. Seine Aufgabe ist es, Infrarot- und UV-Licht zu blockieren. Denn die Bildsensoren von Digitalkameras sind auch für diese Wellenlängen empfindlich. Für ein Foto, das der menschlichen Wahrnehmung entspricht, ist aber nur das sichtbare Licht erwünscht.

Nach dem Ausbau war die verwendete Canon EOS 1200D für einen Wellenlängenbereich von 200 bis 1200 Nanometern empfindlich, erheblich mehr als der für das menschliche Auge sichtbare Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer. Für sein Projekt wollte Mundthal aber ausschließlich das Infrarotlicht aufnehmen. Also musste er in einem zweiten Schritt einen Schwarzfilter vor den Chip setzen, der nur diese Wellenlänge durchlässt

Mit seiner umgebauten Kamera suchte Mundthal dann in Deutschland nach Orten mit Infrarotlicht-Überwachung, um die für das menschliche Auge unsichtbare Form der Überwachung zu dokumentieren. „Ich konnte den Überwacher kennenlernen, ohne ihn zu treffen“, sagt Mundthal.

Damit die Betrachter seiner Bilder einen Bezug zum Ort des Geschehens herstellen können, entschloss sich Mundthal, von allen Motiven zusätzlich noch Referenzfotos im sichtbaren Spektrum des Lichts zu machen. So will er die „dunklen Flecken der Überwachung“ sichtbar machen und dafür sensibilisieren, wie umfassend wir mittlerweile beobachtet werden – auch und gerade in jenen Bereichen, die sich nicht so einfach sichtbar machen lassen wie das Sichtfeld von Videokameras.

Infrarotüberwachung sichtbar gemacht (6 Bilder)

Polizeistation Domplatzwache, Infrarot

Seitenaufgang der Polizeistation Domplatzwache in Erfurt, aufgenommen mit Infrarotkamera.
(Bild: Paul Ruben-Mundthal)

(anwe)