Mercedes E-Klasse: Cabrio und Coupé überarbeitet

Eine Modellpflege soll neues Interesse an den Zweitürern wecken. Das bisherige lässt ungewiss erscheinen, wie lange Mercedes das Angebot aufrechterhält.

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(Bild: Mercedes)

Von
  • Martin Franz

Mercedes leistet sich aktuell noch den Luxus, ein breites Angebot an Coupés und Cabriolets zu offerieren. Es ist absehbar, dass diese Breite endet, denn die Stückzahlen rechtfertigen den Aufwand nicht. Die Zukunft dieser Lust-Ableger von C-, E- und S-Klasse ist ungewiss, der SLC, der einst ein SLK war, wird gerade in den Ruhestand geschickt. Vorerst pflegt Mercedes das Angebot aber weiter – aktuell in der E-Klasse. Die Zweitürer bekommen nun jene Änderungen, die für Limousine und T-Modell schon im März vorgestellt wurden.

Äußerlich ändern sich Coupé und Cabrio nicht radikal. Die Front bekommt neu geformte Scheinwerfer und ein paar anders gestaltete Kunststoffteile. Eleganter als bisher? Entscheiden Sie selbst. Ich finde, es schaut etwas grimmiger aus. Die Rückleuchten behielten ihre Form, bekamen aber ein neues Innenleben.

Einen tatsächlichen Mehrwert schafft Mercedes im Innenraum mit der Umstellung auf das Infotainmentsystem MBUX. Es rechnet schneller als das bisherige System, bietet mehr Funktionen, vor allem aber eine der aktuell besten Sprachsteuerungen. Die Bedienung von Kombiinstrument und Media-Display im Lenkrad erfolgt über Touchflächen, deren physikalisches Prinzip von optisch auf kapazitiv umgestellt wurde. Erstaunlich ist, dass das Cabrio den alten Controller behält, während Limousine, T-Modell und Coupé den neuen, flacheren ohne Drehregler drunter bekommen. Mercedes hat uns auf Nachfrage dazu folgendes geschrieben: "Bei Cabrio mussten wir aufgrund Packagegründen und dem Schalter für das Verdeck, bei der Variante mit der Cobra und dem Dreh/Drücksteller bleiben. Dieser kann im Übrigen auch für andere Modelle bestellt werden." Das Display als Kombiinstrument war bislang aufpreispflichtig, nun ist es serienmäßig. Wer mag, kann noch in eine Vergrößerung von 10,25 auf 12,3 Zoll investieren.

Neu in der E-Klasse sind Assistenten, die erkennen, wenn das Auto angerempelt wurde. Die Sensorik ist so fein, dass sogar der Bereich erkannt wird. Es folgt eine Meldung auf das Handy und beim nächsten Start im Auto auf dem Display. Die maximale Ausbaustufe erlaubt eine Ortung über Satellit. Dies soll auch funktionieren, wenn ein Räuber die Funktion im Auto deaktiviert hat.

Das Motorenangebot gliedert sich wie folgt auf:

Benziner Leistung in kW/PS Drehmoment Allradantrieb
E200 Zweiliter-Vierzylinder 143 / 197 320 optional
E300 Zweiliter-Vierzylinder 190 / 258 370 nein
E 450 Dreiliter-Sechszylinder 270 / 367 500 Standard
E 53 4Matic+ Dreiliter-Sechszylinder 320 / 435 PS 520 Standard
Diesel
E 220d Zweiliter-Vierzylinder 143 / 194 400 optional
E 400d 2,9-Liter-Sechszylinder 250 / 340 700 Standard

Die Vierzylinder-Benziner bekommen stets eine Mildhybridisierung mit 10 kW Boostleistung mit auf den Weg, bei den Sechszylindern sind es 16 kW. Ein Plug-in-Hybrid ist zumindest vorerst in den Zweitürern der E-Klasse nicht geplant. Der intern OM 654 M genannte Dieselmotor ist eine Weiterentwicklung des seit 2016 gebauten OM 654 mit 1,6 Litern Hubraum. Mercedes hat den Hub von 92,3 auf 94 mm erhöht, der Hubraum wächst damit auf 1993 cm³. Die beiden wassergekühlten Turbolader haben jetzt beide eine variable Turbinengeometrie. Der maximale Einspritzdruck steigt von 2500 auf 2700 bar. In den Kolbenboden wurde ein Kühlkanal integriert, der mit Natrium gefüllt ist – in Auslassventilen wird das schon seit Jahrzehnten so gemacht.

Mercedes E-Klasse Cabrio und Coupé Mopf (16 Bilder)

Mercedes überarbeitet die Zweitürer der E-Klasse sanft. Technisch ist dabei mehr verändert worden als ...

Mercedes deutet im Beipackzettel eine weitere Ausbaustufe des Vierzylinder-Diesels mit 195 kW (265 PS) an, die zumindest zum Start aber weder in Coupé noch in Cabrio zu haben sein wird. Wer einen Diesel und mehr Leistung haben will, als der E220d liefern kann, muss auf den E400d umsteigen, der dann als Sechszylinder auch eine feinere Laufkultur mitbringen dürfte – gerade im Cabrio für manche Interessenten wichtig.

Bemerkenswert ist, was der Verbrennungsprozess im Diesel mittlerweile nach sich zieht. Nah an den Auslassventilen sitzt ein Speicherkat, ihm folgt ein Partikelfilter mit einer Beschichtung, die Stickoxide reduzieren soll. Die zweite Hälfte der Abgasnachbehandlung übernehmen zwei SCR-Kats. Man darf davon ausgehen, dass dieser Diesel zumindest hinsichtlich der Stickoxide absolut unbedenklich ist. Ebenso klar ist aber auch, dass in dieser Chemiefabrik alle Sensoren, und das dürften einige sein, dauerhaft fehlerfrei funktionieren müssen. Andererseits: Die Abgasnachbehandlung im alten OM 651 war nicht so, wie sie sein sollte, was für Mercedes auch noch nicht ausgestanden ist. Beim Nachfolger hat der Konzern aber alle Register gezogen, das Problem aus der Welt zu schaffen.

Preise für die überarbeiteten Versionen von Cabrio und Coupé nennt Mercedes noch nicht. Das Basismodell mit festem Dach lag bisher bei 49.320 Euro, das günstigste Modell mit Verdeck bei 54.794 Euro. Mit einem maßvollen Zuschlag ist zu rechnen, die Käufer werden es verschmerzen können. Coupé und Cabriolet der E-Klasse sind in der Regel sehr umfangreich ausgestattet, ein Listenpreis unterhalb von 60.000 Euro dürfte die absolute Ausnahme sein. BMW und Audi haben schon nichts direkt Vergleichbares mehr im Sortiment, was Liebhaber beider Formen durchaus beunruhigen könnte.

(mfz)