Mercedes S-Klasse: Mitfahrt im Vorserienmodell

Nach der Vorstellung Anfang September soll Mercedes S-Klasse im Oktober auf den Markt kommen. Der Fahrgenuss in einem Vorserienauto beeindruckt bereits heute.

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Mercedes S-Klasse: Mitfahrt im Vorserienmodell

Mit Allradlenkung über die schwäbische Alb

(Bild: Dirk Weyhenmeyer)

Von
  • Stefan Grundhoff
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Um Daimler ist es gerade nicht zum Besten bestellt. Da kommt der Mercedes S-Klasse der neuen Generation noch einmal mehr Bedeutung zu als ohnehin schon. Wir haben zusammen mit Entwicklungschef Jürgen Weissinger schon einmal eine Runde gedreht und sind mehr als angetan.

Es gab es in den vergangenen Monaten nicht allzu viele gute Nachrichten aus dem Hause Daimler. Schon vor der Covid-19-Pandemie sah es nach zahlreichen Gewinnwarnungen nicht gut aus. Die Seuche hat die Situation nicht einfacher gemacht – mittlerweile stehen 15.000 bis 30.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Daimler-Chef Ola Källenius besinnt sich auf mehr auf Luxus statt teurer Modellvielfalt, insofern dürfte ihm die kommende Mercedes S-Klasse gut in den Plan passen. Nach der Weltpremiere Anfang September soll das Aushängeschild der Marke noch im Oktober auf den Markt kommen. Ihr Chef-Entwickler ist Jürgen Weissinger.

S-Klasse W233 Mitfahrt (9 Bilder)

Die Vorserienmodelle der S-Klasse und ihre Ingenieure befinden sich derzeit im Abschlusstress.
(Bild: Dirk Weyhenmeyer)

Treffpunkt Center of Excellence, Sindelfingen. Hier stellen Maybach-Kunden ihre Luxusmodelle zusammen, hier werden teuerste AMG-Modelle und exklusiv konfigurierte S-Klasse-Modelle an betuchte Kunden übergeben. Jürgen Weissinger rollt beinahe geräuschlos mit einem Zebra vor, einem schwarz-weiß getarnten Vorserien-S-Klasse-Modell – interne Bezeichnung W 223. Der Ingenieur lässt heute leider nur auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, für die erste Probefahrt: zwei Stunden in und mit der kommenden S-Klasse. "Die Kunden können sich auf das neue Modell wirklich freuen", sagt Weissinger.

Der Entwicklungschef biegt auf den ersten 200 Metern zweimal ab und fährt auf einem kleinen Parkplatz überraschende Wendemanöver um zwei Firmenangehörige, die gerade in den Feierabend wollen. Dann biegt er rechts ins Mitarbeiterparkhaus ab und dreht auf den einzelnen Ebenen noch ein paar Kringel mit dem W 233. "Wir haben eine neue Hinterradlenkung. Die kann die hinteren Räder wahlweise bis zu fünf oder zehn Grad einschlagen", erklärt Jürgen Weissinger endlich sein auffälliges Fahrverhalten, "das bringt nicht nur Sicherheit und Stabilität bei höheren Geschwindigkeiten, sondern macht die S-Klasse deutlich wendiger als bisher. Der Wendekreis reduziert sich um mehr als eineinhalb Meter." Erst dann rollen wir zur Testtour über die schwäbische Alb vom Gelände.

Auf der Autobahn A 81 fällt das niedrige Geräuschniveau auf. Genau das erwartet man von einer S-Klasse. Man sitzt aber selbst für eine Luxuslimousine auffallend bequem. "Das sind komplett neue Sitze. Man sitzt im und nicht auf dem Sitz – vorne wie hinten. Da werden wir völlig neue Sphären aufzeigen", sagt Jürgen Weissinger, "der Fond wird immer wichtiger.

Daher gibt es auch vier Zentimeter mehr Radstand und viele neue Features im Fond." Recht hat er – man sitzt nicht zu weich, nicht zu hart und dabei wohl konturiert ohne sich eingeengt zu fühlen. Nur die Sitzkühlung ist mir, wie beim aktuellen Modell der Baureihe W 222 und zugegeben auch der europäischen Konkurrenz aus München und Ingolstadt, etwas zu lau.