Probleme bei vielversprechender Immuntherapie gegen Krebs

Die US-Gesundheitsaufsicht hat klinische Tests der Biotechfirma Juno Therapeutics gestoppt, nachdem drei Menschen verstarben.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen
Von
  • Antonio Regalado

Eine wichtige Studie zur Wirksamkeit einer Immuntherapie gegen Krebs musste Anfang Juli unterbrochen werden, weil es zu mehreren Todesfällen gekommen war. Die Food and Drug Administration (FDA), die amerikanische Gesundheitsaufsicht, ließ die Arbeit an dem Projekt der Firma Juno Therapeutics aus Seattle stoppen, nachdem drei Patienten toxischen Reaktionen erlagen.

Die Unterbrechung der Phase-2-Studie wurde zwar mittlerweile wieder aufgehoben. Doch zeigt der Fall, welche Herausforderungen es für die vielversprechende Technik noch gibt. Juno Therapeutics hat ein Verfahren entwickelt, bei dem genetisch modifizierte T-Lymphozyten, kurz T-Zellen, zur Krebsbehandlung eingesetzt werden.

Todesursache seien aber nicht die T-Zellen selbst gewesen, heißt es bei Juno Therapeutics. Stattdessen habe die Vorbehandlung mit Fludarabin zu Hirnschwellungen geführt. Schon bei Bekanntgabe der Vorfälle hieß es, die Studie könne nach entsprechenden Modifikationen wohl fortgesetzt werden.

"Jeder hier kommt zur Arbeit, um Therapien zu entwickeln, die Menschen helfen, doch so etwas bringt uns allen hier Demut bei", so Juno-Chef Hans Bishop gegenüber Börsenanalysten. Die Aktie von Juno Therapeutics war nach Bekanntwerden der Todesfälle deutlich abgestraft worden.

Das Forschungsprojekt, ROCKET genannt, hat zum Ziel, Krebs aus dem Körper von Erwachsenen mit akuter Lymphoblastenleukämie zu entfernen. Das geschieht über die genetische Modifikation von T-Zellen des Patienten selbst, die die Tumorherde angreifen sollen.

Insgesamt funktionierte das bei 8 von 10 Patienten im Rahmen der bisherigen Juno-Leukämie-Studien. Doch die Medikation ist extrem stark. Das Programm war schon 2014 gestoppt worden, nachdem zwei andere Patienten aufgrund von Immunreaktionen auf ihre eigenen T-Zellen verstorben waren.

Solche Todesfälle kamen bei T-Zellen-Versuchen schon öfter vor, gelten fast als Routine – etwa bei Studien des National Cancer Institute der USA oder der University of Pennsylvania.

Die Juno-Aktie fiel zwischenzeitlich um mehr als 30 Prozent. Das Unternehmen ging 2014 als einer der größten Biotechnologiebörsengänge aller Zeiten an die Wall Street. Die T-Zellen-Therapie sollte eigentlich bis 2017 zugelassen sein, doch dieser Zeitplan lässt sich wohl nicht mehr halten.

Stattdessen dürften Konkurrenten wie Kite Pharma oder Novartis schneller sein bei der Vermarktung. Die Therapie von Kite wird am Non-Hodgkin-Lymphom, einer anderen Blutkrebsart, getestet. Norvartis wiederum untersucht die Wirksamkeit gegen Leukämie bei Kindern.

Die Behandlungsform von Juno, JCAR015 genannt, wird an Erwachsenen erprobt, die bereits ihren dritten oder vierten Leukämie-Rückfall haben. Die Wahrscheinlichkeit einer Heilung ist sehr gering, was eine risikoreiche Behandlung akzeptabel macht.

Michel Sadelain, der Forscher am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, der die T-Zellen-Therapie von Juno ursprünglich entwickelt hat, meint, er habe erst kürzlich von den Todesfällen erfahren. Sie seien nicht in New York sondern an anderen Krankenhäusern aufgetreten. "Wir haben diese spezifische Komplikation an unserer Klinik bei den 50 erwachsenen Leukämiepatienten, die hier behandelt wurden, noch nicht gesehen."

Die neuen Therapien seien aber sehr kräftig und die Medizin lerne derzeit noch, diese Power zu nutzen. "Ich denke nicht, dass diese Vorfälle das langfristige Potenzial genetisch veränderter T-Zellen reduzieren", so Sadelain. (bsc)