"Mikroplastik ist einfach ersetzbar"

Die Ökotoxikologin Carolin Völker ist eine von zwei Leiterinnen des Projekts "PlastX" am Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE). Sie erklärt, warum Mikroplastik in Pflege-Produkten wie Duschgel enthalten ist.

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  • Jennifer Lepies

TR: Laut einer aktuellen Greenpeace-Umfrage fordern Verbraucher einen Verzicht von Mikroplastik in Pflegeprodukten wie Duschgel und Sonnencreme. Was hat der Kunststoff darin verloren?

Carolin Völker: Man muss zwischen verschiedenen Kunststoffen unterscheiden. Als Mikroplastik werden meist extra hergestellte kleine Kügelchen bezeichnet, die unter fünf Millimetern groß sind. Sie werden als eine Art Schleifmittel in Peelings für Gesicht und Körper eingesetzt. Auf der Molekülebene gibt es dann außerdem die Polymere, aus denen Kunststoffe hergestellt werden. Sie dienen in flüssiger Form dazu, dass die Inhaltsstoffe, etwa in einem Shampoo, in einer schönen, cremigen Masse vorliegen. In einer Haarspülung können sie wiederum dafür sorgen, dass das Haar leicht kämmbar wird.

Carolin Völker vom ISOE.

Sind beide Kunststoff-Arten umweltschädlich?

Eine genaue Einteilung in "gutes" und "schlechtes" Plastik lässt sich noch gar nicht machen. Es gibt bisher lediglich vereinzelt Studien, die Hinweise auf den schädlichen Einfluss geben, etwa wenn in den Mägen von toten Seevögeln Plastik gefunden wird. Ob sie aber daran auch tatsächlich gestorben sind, weiß man dann noch nicht. Die Vielfalt von Mikroplastik zum einen und die Vielfalt der Organismen zum anderen eröffnen ein großes Forschungsfeld, um die Auswirkungen zu kategorisieren und die Risiken für die Ökosysteme einzuschätzen.

Welche Alternativen zu Mikroplastik und Polymeren in konventionellen Produkten gibt es?

Klassische Ersatzstoffe sind beispielsweise Biowachse, also pflanzliche Wachse oder Bienenwachs. Mikroplastik lässt sich durch bestimmte Tonerde oder Kieselmineralien ersetzen. Des Weiteren lassen sich Nussschalen trocknen und zermahlen.

Warum setzen nur wenige Hersteller natürliche Stoffe ein?

Kunststoffe sind günstig herstellbar und können bei der Synthese mit speziellen Eigenschaften ausgestattet werden, die für die Produkte benötigt werden. Würde sich die Nachfrage ändern und auch die Gesetze in eine entsprechende Richtung weisen, dann würden in der Natur Alternativen gesucht. Aber auch da muss geprüft werden, wie gut die Alternativen sind und ob sie die gewünschten Eigenschaften in den Kosmetikprodukten erfüllen können. Bei bestimmten Inhaltsstoffen, wie etwa Nussschalen, könnte auch ein Problem sein, dass sie Allergien auslösen.

Fällt denn die Verschmutzung durch Mikroplastik aus Pflegeprodukten gegenüber Verpackungen so stark ins Gewicht?

Zwar sind die Stoffströme nicht ganz genau bekannt. Klar ist aber, dass der Plastik-Anteil aus Kosmetik-Produkten ein sehr kleiner Teil ist. Das meiste entsteht tatsächlich aus dem sogenannten "sekundären" Mikroplastik. Das sind größere Plastikteile, die im Meer oder im Fluss schwimmen, zerrieben werden und als kleine Partikel in Organismen gelangen. Ein weiterer großer Faktor ist der Abrieb von Autoreifen auf der Straße. Mit dem Regen wird dieser in die Kanalisation gespült, und von dort in die Gewässer.

Also hat der Verzicht in Kosmetika keinen großen Effekt?

Das wäre die falsche Schlussfolgerung. Es ist gut, die Verschmutzung da zu vermeiden, wo sie möglich ist. Und am einfachsten ist der Ersatz der Plastik-Kügelchen. Die Debatte um Mikroplastik ist ein guter Ansatzpunkt – auch um auf die gesamte Plastikproblematik hinzuweisen, so zum Beispiel auf die Müllproblematik in den Ozeanen.

Noch ein Tipp für Verbraucher: Wie lässt sich schnell und einfach herausfinden, wo Mikroplastik drin ist?

Der BUND-Einkaufsratgeber Mikroplastik ist eine gelungene Zusammenstellung, mit der sich Verbraucher einen guten Überblick über Produkte und Stoffe verschaffen können. Er wird regelmäßig aktualisiert. Wer sich nicht mit dieser langen Liste in den Supermarkt stellen und trotzdem sicher gehen möchte, dass kein Plastik in den Pflegeprodukten enthalten ist, der sollte einfach zu Naturprodukten greifen.

(jle)