Militärdrohnen: Warum der Schwarm noch weit weg ist

Erste Streitkräfte setzen autonome Drohnen gegen ihre Feinde ein. Doch der Angriff mit ganzen Schwärmen wie in SciFi-Filmen steht in der Realität noch aus.

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(Bild: Shutterstock/Phoenixns)

Von
  • Boris Hänßler
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Einem Bericht des UN-Sicherheitsrats zufolge hat eine Militärdrohne der libyschen Regierung möglicherweise bereits im März 2020 eine fragwürdige Pioniertat begangen: Zum ersten Mal griff eine autonome Drohne (Unmanned Air Vehicle, UAV) ohne direkten Eingriff von außen einen Menschen an. Der Quadcopter Kargu-2 des türkischen Militärtechnikunternehmens STM soll auf sich zurückziehende Soldaten des libyschen oppositionellen Generals Khalifa Haftar losgegangen sein. Er griff auch Logistikkonvois an. Ob es bei dem Vorfall Tote oder Verletzte gegeben hat, steht nicht in dem Bericht. Die Drohne, die möglicherweise seit Januar 2020 im Einsatz war, soll eine auf maschinellem Lernen basierende Objektklassifizierung verwenden, um selbstständig ihre Ziele zu identifizieren.

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Der Angriff wirft jedoch nicht nur die grundlegende ethische Frage auf, ob wir Maschinen über Leben und Tod entscheiden lassen sollten. Weil die Kargu-Drohne – zumindest laut Herstellerangaben – in einem Schwarm mit bis zu 20 anderen gemeinsam agieren kann, befeuerte der Vorfall auch düstere Warnungen von Militärexperten vor massiven Schwärmen autonomer, bewaffneter Drohnen, die feindliche Streitkräfte allein mit ihrer massiven Überzahl überrennen könnten. Doch wie wahrscheinlich sind solche Szenarien wirklich?

Grundsätzlich gibt es im Militärbereich drei Typen von Drohnen: Taktische Drohnen sind kleine Drohnen, die von Soldaten im Feld transportiert werden. Sie werden meist in urbanem Umfeld eingesetzt, etwa wenn Soldaten Häuser einnehmen. Seit 2018 setzt zum Beispiel die US Navy die taktische Aufklärungsdrohne Nova 2 von Shield AI in geschlossenen Räumen ein. Marines müssten sich ansonsten von Raum zu Raum durchkämpfen, ohne zu wissen, was sie hinter einer Tür erwartet. Eine Nova-2-Drohne erstellt 3D-Karten für mehrstöckige Innen- und Außenbereiche, hebt Tür- und Fenstereingänge hervor und liefert Bilder von einem möglichen Hinterhalt.

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