Museen: Exponate aus Plastik sind vom Zerfall bedroht

Kunststoffe sind längst nicht so langlebig wie ihr Ruf. In Museen kämpfen Kuratorinnen und Restauratoren jetzt um unsere jüngere Geschichte aus Plastik.

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Die humanoide Roboterin Saya ist erst acht Jahre alt, aber der Kunststoffmix ihres Gesichts ist so anfällig, dass Sayas grüner, klebriger Teint und ihr gerissener Hals zu gruselig für eine Dauerausstellung geworden sind.

(Bild: Julia Sawitzki / Deutsches Museum)

Von
  • Jo Schilling
Inhaltsverzeichnis

Um 1840 ging es mit Gummireifen langsam los: Kunststoffe fingen an unsere Welt zu durchdringen. Heute sind sie überall und nicht kaputt zu kriegen. Sie verschmutzen auch noch den letzten Winkel des Planeten – Plastik hat inzwischen einen miesen Ruf. Das Problem sei aber nicht der Kunststoff, ist Friederike Waentig vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Technischen Hochschule Köln überzeugt, sondern zu wenig Wissen über das Material. Ihr geht der Zerfall von Polymeren sogar zu schnell: In den Museen zerfällt der Kunststoff und von unserer jüngeren Technikgeschichte bleiben ohne Rettungsversuche nur Krümel und klebrige Haufen.

Plastik im Museum ist weit mehr als technisches Erbe in Form von Filmen, Brillengestellen, Computern, Raumanzügen oder Radios. Pop-Art-Künstler wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein haben ihre Werke in Acryl gemalt – Suspensionen aus polymerisierten Acrylsäure-Estern. In den 70er-Jahren hat selbst Picasso zu aushärtenden Polymer-Lacken gegriffen. Und eine in Deutschland besonders für ihre Nanas berühmt gewordene Niki de Saint Phalle hat bei ihren Skulpturen ganz auf Plastik gesetzt. Duane Henson hat seine realistischen Menschenskulpturen ebenfalls vollständig aus Glasfaser und Polyesterharz geformt und mit Accessoires wie Dralonröcken, Nylonstrümpfen, Lockenwicklern aus Polystyrol und Handtaschen aus PVC ausgestattet.

"Das Problem ist, dass diese Künstler nicht immer darüber nachgedacht haben, womit sie arbeiten, sondern fanden Kunststoff einfach toll – den kann man gießen und formen", bringt Christian Bonten das Problem, das die Museen heute haben, auf den Punkt. Er ist Leiter des Instituts für Kunststofftechnik an der Universität Stuttgart. "Ob an der Tate Gallery, am Museum of Modern Art – alle haben die gleichen Probleme mit sich zersetzendem Kunststoff."

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