Musk-Firma Neuralink stellt seine Gehirn-Implantate vor

Die US-Firma Neuralink will menschliche Gehirne und Computer zusammenschließen. Firmenchef Elon Musk verriet Details bei einer Präsentation.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen

(Bild: Neuralink)

Von
  • Jennifer Lepies
  • Antonio Regalado

Ein bisschen Spannungserzeugung musste an dem Dienstagabend in Kalifornien schon sein. So betritt CEO Elon Musk die Bühne in San Francisco eine Stunde später als angekündigt. Per Livestream lässt sich mitverfolgen, was der Unternehmer in lockerer Stimmung über die Fortschritte seiner vierten Firma Neuralink zu berichten hat. In einer gut zweijährigen Entwicklungszeit ist ein OP-Roboter entstanden, der wie eine Nähmaschine arbeitet, ultrafeine, flexible Elektroden und ein acht Millimeter großer Sensor. Mithilfe dieser Komponenten will Neuralink sein Ziel umsetzen: die Neuronenaktivität im menschlichen Gehirn aufnehmen und an einen Computer weitersenden.

Für diese Mensch-Maschine-Schnittstelle soll der Sensor im Gehirn platziert werden. An ihm sind die von Musk "Fäden" genannten Elektroden befestigt. Sie sind dünner als ein Menschen-Haar und sollen die Aktivität der Nervenzellen erkennen, aufnehmen und an den Sensor übertragen. Dieser wiederum soll die Signale via Bluetooth an einen Batterie-betriebenen Empfänger senden, der außen am Kopf hinter dem Ohr sitzt. Von dort sollen die Informationen weiter an einen Computer geschickt werden. So zumindest lautet die Vorgehensweise, die Musk bei der Präsentation beschreibt.

Für die Implantation habe Neuralink außerdem einen Roboter entwickelt. Der gleicht in seiner Arbeitsweise einer Nähmaschine und soll den Sensor und die Elektroden platzieren. Unter der Leitung eines Neurochirurgen habe der Roboter bei 19 Tieren die feinen Elektroden implantiert. In 87 Prozent der Fälle sei das auch korrekt gelungen, berichtet das Portal von Bloomberg, das einen Einblick in das Whitepaper hatte. Letztlich soll der Eingriff aber so einfach wie "Lasik" (eine Augenoperation) werden, verspricht Musk. Die Technologie wurde zunächst an Ratten getestet. Während der Präsentation aber warf Musk ein: "Ein Affe war in der Lage, den Computer mit seinem Gehirn zu steuern." Künftig soll das System dann in der Lage sein, große Mengen an Informationen zu lesen und zu übertragen.

Auszüge der Präsentation von Neuralink (5 Bilder)

Die Elektroden-"Fäden" sollen die Neuronenaktivität aufnehmen.
(Bild: Neuralink)

Wem es zunächst nützen soll, erklärte bei der Präsentation Matthew McDougall, Neuralinks leitender Neurochirurg: "Das System ist nur für Patienten mit schweren, bisher nicht behandelbaren Krankheiten" und für und Menschen mit vollständiger Lähmung aufgrund einer Verletzung des oberen Rückenmarks bestimmt. Bei diesen "Freiwilligen" sollen jeweils vier Sensoren mitsamt der Elektroden eingesetzt werden. Menschlichen Probanden sollen das System im bereits zweiten Quartal 2020 erhalten. Unklar bleibt aber, wie die Implantate diese Art von Erkrankungen behandeln würden. Aber spätestens bei der FDA-Zulassung wird Neuralink diese Frage beantworten müssen.

Doch hinter der Behandlung und Heilung von Schwerstkranken steckt bei Musk noch etwas anderes. Auf der Bühne sprach Musk mehr über eine Welt, in der die künstliche Intelligenz die Menschheit übertroffen hat. "Selbst unter einer gutartigen KI werden wir zurückgelassen. Mit einer Mensch-Maschine-Schnittstelle mit hoher Bandbreite werden wir die Möglichkeit haben mitzuhalten", sagte er mit seinem üblichen Understatement. In diesem Kontext gründete er 2016 die Firma Neuralink (2017 erwarb Musk den Namen "Neuralink"). Er hat seitdem 100 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert. Die Präsentation in diesem Rahmen sollte nun auch dazu dienen, weitere Experten auf das Ziel der Firma aufmerksam zu machen und sie dabei im Neuralink-Team zu unterstützen.

(jle)