Muttermilch aus dem Fermenter

Häufig können oder wollen Mütter ihre Babys nicht stillen, Eltern vertrauen auf Säuglingsnahrung. Könnte ein besserer Ersatz aus dem Zellkultur-Reaktor kommen?

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(Bild: Amrita Marino)

Von
  • Haley Cohen Gilliland
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An einem Sommertag im Jahr 2013 sitzt Leila Strickland gebannt vor ihrem Laptop in North Carolina und verfolgt, wie Mark Post den ersten im Labor gezüchteten Hamburger vorstellt. Um die rosafarbene, flache Frikadelle zu erzeugen, hat der Professor für Gefäßphysiologie Tausende von Gewebekulturplatten voller Rinderstammzellen genommen, sie mit fötalem Kälberserum und anderen Nährstoffen gemischt und gewartet, bis sie sich zu Muskelzellen differenzieren. Aufgeregt verfolgt Strickland das Experiment an der Universität Maastricht in den Niederlanden. Sie hatte in Zellbiologie promoviert und einige Jahre als Forscherin in Stanford verbracht, bevor sie begann als medizinische Redakteurin zu arbeiten. Posts Experimente weckten die Zellforscherin in ihr. Allerdings interessierte sie sich nicht so sehr für künstliche Hacksteaks, sondern für die erste Nahrung, die Menschen zu sich nehmen: Muttermilch.

Strickland ist junge Mutter und wie viele andere auch hatte sie gehofft, ihre Kinder in den ersten sechs Monaten nach der Geburt stillen zu können. Die natürliche Muttermilch gilt in der Medizin als die beste Säuglingsernährung. Sie verringert Verdauungsprobleme, Hautausschläge und vor allem die Gefahr einer nekrotisierenden Enterokolitis, einer seltenen, aber potenziell tödlichen Darmerkrankung bei Frühgeborenen. Seine Kinder selbst stillen zu können, ist allerdings längst nicht mehr selbstverständlich. Auch Strickland hatte Schwierigkeiten. Ihr erstes Kind, ein Sohn, konnte nicht richtig an ihrer Brustwarze saugen; wenn er es tat, spürte sie brennende Schmerzen. Sie verbrachte ganze Tage damit, zu stillen oder abzupumpen, um ihren Milchfluss anzuregen, und trotzdem weinte ihr Sohn, weil er Hunger hatte. Er begann, Gewicht zu verlieren und um ihn satt zu bekommen, blieb ihr nichts anderes übrig, als ihn mit Muttermilchersatz zu füttern. Ähnliche Probleme hatte sie nun auch mit ihrer kleinen Tochter.

Als Strickland Mark Posts Experimente von ihrem Küchentisch aus beobachtete, begann sie darüber nachzudenken, wie sie Zellen entwickeln könnte, die Muttermilch produzieren. „Eine schwangere Frau könnte eine Nadelbiopsie ihrer Brust durchführen lassen, und ich könnte die Zellen wachsen lassen und Milch produzieren, bevor das Baby geboren wird“, schreibt Strickland in einer E-Mail an einen Freund.

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