NO2-Belastung sinkt vielerorts

Die Luft in deutschen Städten wird zunehmend besser. Die Belastung mit Stickstoffdioxid sank in vielen Städten unter den Grenzwert.

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Die Corona-Pandemie wirkt sich bereits auf die 2020er-Zahlen aus. An manchen Orten soll die NO2-Belastung um bis zu 40 Prozent zurückgegangen sein.

(Bild: VVS)

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Im vergangenen Jahr überschritten 25 Städte den Grenzwert für Stickstoffdioxid. Eine zu hohe NO2-Belastung ist der Grund für Diesel-Fahrverbote. 2018 waren die Werte noch in 57 Städten höher gewesen, als die EU erlaubt. Der Trend zur geringeren Luftbelastung war schon länger klar, nun legten Umweltbundesamt (UBA) und Bundesumweltministerium die endgültige Auswertung der Daten aus den Ländern für das Jahr 2019 vor. Die zeigen: In den Städten mit hoher Belastung ist die Luft besser geworden, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

Im Jahresmittel darf die Belastung mit NO2, das laut UBA in verkehrsreichen Städten hauptsächlich aus Diesel-Abgasen stammt, den Wert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten. Er gilt schon seit 2010. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüßte die Daten: „Das zeigt: Umweltpolitik wirkt“, sagte sie. Dennoch reichten die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um den Grenzwert wirklich überall einzuhalten. „Die Lösung liegt in saubereren Fahrzeugen und einer grundlegenden Mobilitätswende.“

Überschritten wurde der Grenzwert demnach nur in Straßen mit viel Verkehr in Ballungsräumen und Städten. Spitzenreiter waren – Stand Ende Mai – München, Darmstadt, Stuttgart, Limburg an der Lahn und Frankfurt am Main. Aber auch dort sanken die Werte. Als Grund für die Verbesserung gibt das Umweltbundesamt Tempolimits, Fahrverbote oder der Einsatz neuer Busse an, aber auch Softwareupdates für Dieselautos und die Erneuerung der Fahrzeugflotte. Auch das Wetter beeinflusse die Ausbreitung von Luftschadstoffen.

Die Corona-Pandemie wirkt sich dem Umweltbundesamt zufolge bereits jetzt auf die Werte für 2020 aus. An manchen Orten sei die NO2-Belastung um bis zu 40 Prozent weiter zurückgegangen. „Diese positive Erkenntnis sollten wir unbedingt als weiteren Anlass für eine langfristige Verkehrswende aus dieser Krise mitnehmen“, forderte der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner. Für den Schutz der menschlichen Gesundheit brauche man eine dauerhafte und nachhaltige Verbesserung. „Dass weniger Verkehr zu besserer Luft und auch weniger Lärm führt und sich damit die Lebensqualität in unseren Städten erhöht, hat uns die Corona-Krise vor Augen geführt.“

Besonders die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat sich den Kampf gegen zu hohe NO2-Werte auf die Fahnen geschrieben und zog vielfach vor Gericht, um mehr Maßnahmen für saubere Luft und auch Fahrverbote für ältere Diesel zu erzwingen. Elf Verfahren laufen nach Angaben des Vereins noch – in Osnabrück, Kiel, Hannover, Würzburg, Fürth, Nürnberg, Regensburg, Passau, Freiburg, Heilbronn und Backnang. Die Bundesregierung hatte mit einem „Sofortprogramm Saubere Luft 2017-2020“ reagiert, das etwa den Umstieg etwa auf weniger umweltschädliche Busse oder Lieferwagen fördert. 1,5 Milliarden Euro wurden dafür bereitgestellt. Zudem bekamen Millionen Diesel-Pkw ein Software-Update, um die Abgasnachbehandlung zu verbessern. Nach langem Streit wurden auch Hardware-Nachrüstungen ermöglicht.

Angesichts der neuen Daten wandte sich die FDP im Bundestag erneut gegen Diesel-Fahrverbote. Fraktions-Vize Frank Sitta sagte, die Luftqualität werde unabhängig von Straßensperren besser. Schulze solle anerkennen, dass Flottenerneuerung und Softwareupdates der Hauptgrund für die Verbesserung seien, statt „auf undifferenzierte Schikanierung durch eben solche intransparenten und ineffizienten Maßnahmen wie Fahrverbote zu setzen“. Ähnlich äußerte sich die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, Judith Skudelny. Andere Emissionsquellen und auch der Luftdruck wirkten sich ebenso auf die Luftqualität aus. „Der pauschale Ruf nach Fahrboten verbessert nicht überall die Luftqualität“, so Skudelny.

(mfz)