Neurotechnologie: Prothese überträgt Gefühl

Neue Prothesen liefern Feedback ins Gehirn. So können Amputierte schneller laufen, leichter Treppen steigen und sogar Gläser halten, ohne sie zu zerdrücken.

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Igor Spetic, der seine Hand bei einem Arbeitsunfall verlor, war einer der ersten Prothesenträger, der dank einer in Ohio entwickelten Kunsthand mit Tastsensoren Berührungen wieder spüren konnte.

(Bild: UPMC/ Ryan Donnell/ backyardbrains.com)

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Wohl fast jedem Träger einer beweglichen Kunsthand ist dieses Malheur schon einmal passiert: Er greift nach einem Glas Sekt, es knirscht, und alles ist in Scherben. Der Schreck sitzt tief – besonders bei den Gästen.

Mit einer Prothese können Amputierte nicht fühlen. Sie müssen sich ganz auf ihre Augen verlassen, wollen sie nichts verschütten oder jemandem die Hand schütteln, ohne dem Gegenüber wehzutun. „Prothesen können erst dann mehr sein als ein Werkzeug, wenn man sie spüren kann“, sagt der Neurowissenschaftler Rajesh Rao von der University of Washington.

Bald dürfte es tatsächlich so weit sein. Einen der ersten Durchbrüche vermeldete die Gruppe um Dustin Tyler von der Case Western Reserve University in Cleveland im Bundesstaat Ohio. 2016 veröffentlichte sie einen Versuch, bei dem sie zwei Unterarmamputierte mit einer besonderen Prothese ausstattete: Sie hatte je einen Tastsensor in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, und ein Dehnungsmessstreifen erfasste die Öffnung der Hand. Mit haarfeinen Mikroelektroden stimulierten die Forscher dabei die Nervenenden im Stumpf und verknüpfen so gewissermaßen die natürlichen Nerven mit den Kunstnerven. So gut es geht, ahmen sie die natürliche Situation nach. „Biomimetisch“ heißt dieser Ansatz deshalb auch.

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