New York: Strategien gegen die Überflutung

Die Weltmetropole wird vom Klimawandel bedroht. Geologen und Architekten suchen nach innovativen Lösungen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen
Von
  • Jamie Condliffe

New York, für viele Menschen so etwas wie die Hauptstadt des Planeten, könnte in den kommenden Jahrzehnten durch den steigenden Meeresspiegel in eine gewaltige Bredouille geraten: Die niedrig liegenden Teile, darunter die teuersten Flecken der Stadt (wenn nicht gar der Erde) in Manhattan, sind existenziell bedroht. Es müssen kurzfristige Lösungen her, damit die Metropole ihre wirtschaftliche Position erhalten kann, ohne dass die Bevölkerung und Business-Community Manhattans eines absehbaren Tages umgesiedelt werden muss.

2012 zeigte der Supersturm Sandy, was eine Flut, die 2,75 Meter über dem üblichen Hochwasser liegt, anrichten kann – es kam zu Zerstörungen an Häusern und Infrastruktur, an der die Stadt über Jahre zu knabbern hatte. Doch das ist erst der Anfang. Eine neue Studie, die in Nature erschien, kommt zu dem Schluss, dass allein durch das Tauwetter in der Antarktis bis zum Jahr 2100 die Ozeane weltweite um 0,91 Meter steigen könnten. Zusammen mit Extremwettervorfällen würde dies Manhattan wohl sehr oft nasse Füße bereiten.

Es gibt eine ganze Reihe möglicher Lösungen – einige davon klingen wie Science Fiction. Das sogenannte Blue-Dunes-Konzept schlägt vor, eine 65 Kilometer lange Inselkette von New Jersey bis Long Island zu errichten, um die enormen Energiemengen von Monsterwellen aufzunehmen und die Gefahren durch neue Superstürme à la Sandy zu reduzieren. Andere Ideen beschränken sich auf Maßnahmen in Manhattan selbst, wie den Umbau des Straßennetzes und die Verlegung von unterirdischen Transport- und Infrastruktureinrichtungen. Was komplizierter und/oder realistischer ist, müssen die Stadtväter entscheiden.

Ein anderer Vorschlag kommt von einer dänischen Architekturfirma. Die Bjarke Ingels Group (BIG) kennt sich bereits mit der Problematik tief liegender Baugelände in Europa aus – schließlich liegen etwa große Teile der Niederlande unter der Meereshöhe. BIG möchte einen gigantischen Wall um Lower Manhattan ziehen, der im Endausbau von der 42. Straße im Osten bis zur 57. Straße im Westen reicht. Dafür sind allerdings, so aktuelle Berechnungen, mindestens drei Milliarden US-Dollar notwendig.

Der "Big U" genannte Wall, den man auch als große Mauer bezeichnen könnte, wäre mehr als nur ein Überschwemmungsschutz. BIG denkt an Parkanlagen, Radwege und andere moderne Designtricks, um etwas so potenziell hässliches architektonisch attraktiv zu machen. Allerdings könnte es auch passieren, dass aufgrund der Budgetkrise der Stadtregierung nachher nur der Flutschutz übrigbleibt.

Und dann gibt es auch noch ein anderes Problem. "Big U" würde zwar Wall Street und Co. schützen, weitere Teile New Yorks, wie etwa Brooklyn oder Queens, die sehr unter Sandy gelitten hatten, aber nicht. Das könnte zurecht Verteilungskämpfe auslösen. Zudem weiß noch niemand, ob das Bauwerk überhaupt ausreicht. BIG hat es nämlich zunächst nur auf eine Jahrhundertflut eingerichtet – also Überschwemmungen, wie sie sonst nur einmal alle 100 Jahre auftreten, plus 0,76 Meter Notfallkontingent für die Erhöhung des Meeresspiegels. Auf lange Sicht könnte das nicht reichen.

New York, so scheint es, muss sich also in den kommenden Jahren mit wichtigen Fragen beschäftigen, die seine Zukunft betreffen – und den Schutz vor Extremwetterlagen und den Anstieg des Meeresspiegels gleichermaßen bedenken. Klar ist nur: Das wird teuer – und ohne solche Maßnahmen wird es nicht gehen. (bsc)