Nissan NV400: Elektro-Rettungswagen für die Stadt

Japanisch-französischer Globalisierungsgewinn: Die gemeinsame Transporter-Basis ermöglicht einen elektrischen Nissan-Rettungswagen mit Technik von Renault.

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Der batterieelektrische Rettungswagen von Nissan mit französischer Technik und Ausstattung

(Bild: Nissan)

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Die Feuerwehr von Tokio bekommt für den Innenstadtbezirk Ikebukuro einen batterieelektrischen Rettungswagen. Er basiert auf dem Nissan NV400, einem Transporter in Sprinter-Format und ist Teil der Initiative „Zero Emission Tokyo“ der Stadtregierung von Tokio.

Batterieelektrischer Rettungswagen von Nissan (8 Bilder)

Globalisierungsgewinn: Japanisch-französische Gemeinschaftsbasis ermöglicht batterieelektrischen Rettungswagen. 
(Bild: Nissan)

Eigentlich ist der Nissan NV400 gar nicht als Elektroauto erhältlich. Nissan durfte sich aber beim Entwicklungspartner Renault bedienen und bekam einen bis auf den Antrieb baugleichen Renault Master Z.E. (Test) Das französische Batterieauto wurde in Japan mit einer Ausstattung von der Stange für den Master des französischen Umrüsters Gruau nach japanischen Richtlinien zum Rettungswagen umgebaut.

Ob es nun einfacher war, den Master Z.E. mit einem Nissan-Kühlergrill zu versehen oder den Nissan NV400 mit dem elektrischen Antriebsstrang, war für uns nicht herauszufinden. Die Wahrscheinlichkeit spricht in diesem Fall wohl eher für Badge-Engineering.

Nissan ist wichtiger, dass dank des elektrischen Antriebsstrangs die Geräusch- und Vibrationspegel im Fahrzeug im Vergleich zu einem herkömmlich angetriebenen Fahrzeug erheblich niedriger liegen, was dazu beiträgt, die negativen Auswirkungen auf Patienten und Personal sowie die empfindlichen Geräte zu verringern.

Als Traktionsbatterie sind zwei Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 33 kWh unter der Fahrerkabine angebracht. Mit einem zusätzlichen Akku von 8 kWh werden elektrische Geräte und der Klimaanlage angetrieben. Wichtig für die Katastrophenschutzüberlegungen, die in Japan wegen der Erdbeben- und Tsunamigefahr einen ganz anderen Stellenwert haben als in Europa: Die Energiespeicher des Einsatzfahrzeugs können im Fall eines Stromausfalls gewissermaßen bidirektional genutzt und damit zu einer mobilen Stromquelle werden. Zudem führt Nissan die Technik des E-RTW als „kostengünstige Lösung aus Sicht der Lade- und Wartungskosten” ins Feld.

Mit einer voll geladenen Traktionsbatterie dürfte der als Rettungswagen 3,5 Tonnen schwere NV400 mit den Abmessungen von 5,5 m Länge, zwei Metern Breite und zweieinhalb Metern Höhe eine Reichweite von nicht mehr als 145 Kilometern erreichen. Das liegt zwar deutlich unter den knapp 200 km, die Renault für einen leeren Master Z.E. angibt, für ein Stadtviertel von der Dimension Ikebukuros jedoch ist das natürlich mehr als ausreichend.

Die Disponenten in der zuständigen Rettungsleitstelle dürften sich dennoch freuen, wenn der Rettungswagen mit möglichst großer Restreichweite von einem Einsatz zurückkehrt, denn seine schon etwas betagte Batterietechnik aus der Renault Zoe Z.E. (Test) lässt keine Schnellladungen zu. Das bedeutet, der e-NV400 kann mit maximal 7 kW, die Aggregate-Batterie gar nur mit 1,5 kW geladen werden. Eine komplette Ladung der Fahrstromspeicher würde rund 9 Stundenund 30 Minuten dauern, die realistischere auf 80 Prozent immer noch 7 Stunden und 30 Minuten.

Gut, dass es im Zentrum von Tokio keine nennenswerten Steigungen gibt, denn vom Master wissen wir, dass Renault seine Steigfähigkeit auf 15 % begrenzt. Ob der Elektromotor mit seinen 220 Nm und 55 kW das schwerere Einsatzfahrzeug da noch in Gang bringt, darf bezweifelt werden. Aber es spielt hier keine Rolle, genau wie die vergleichsweise kleine Reichweite. Das Konzept hat seine Berechtigung und Zukunft für Ballungsräume. Für ländliche Langstrecken oder Gebirgsregionen geeignete Rettungswagen gibt es ja bereits. Der Nissan e-NV400 zeigt vor allem eins: Die E-Mobilität bringt uns zunächst eine größere Vielfalt. Schön, dass heute schon einige davon profitieren können.

(fpi)